Großfamilie ist einmal im Jahr vereint

So sieht es aus, wenn Familie Wehr in den Urlaub fährt: Tagsüber darf jeder machen, was er möchte, aber abends sind alle am großen Tisch vereint, darauf legt Senior Hans Wehr (vorne, 2. v.r.) großen Wert.

Nachrodt-Wiblingwerde - Zu seinem Geburtstag im Oktober bekommt Hans Wehr immer ein leeres Fotoalbum geschenkt. Enttäuscht ist er darüber nicht, denn er weiß genau, dass er es zu Weihnachten prall gefüllt mit schönen Urlaubserinnerungen zurückbekommt. Seit 15 Jahren schafft es die 13-köpfige Nachrodter Familie, einmal jährlich gemeinsam zu verreisen. Entsprechend hoch ist der Stapel mit Urlaubsimpressionen geworden.

Von Ina Hornemann

Angefangen hat alles, als Renate und Hans Wehr vor eigen Jahren im Urlaub neidisch auf die harmonische Abendtafel einer Großfamilie blickten. „Das könnten wir ja eigentlich auch haben“, dachte sich Hans Wehr und machte seine drei Kinder nebst Schwiegerkindern und Enkel mobil. Noch zu elft starteten die Wehrs in Richtung Mittelmeer. „In dem Raum sind wir eigentlich immer geblieben“. Diverse Ziele in Spanien, Italien, Griechenland und Portugal hat die Familie angesteuert. „Aber nie zwei Mal denselben Ort“, betont Hans Wehr.

Auch vom Familienzuwachs ließen sich Wehrs nie beeinflussen: Zwei der Enkel kamen so knapp vor den gebuchten Herbstferien zur Welt, dass sie als winzige Säuglinge ihren ersten Urlaub antraten. So wurden im Laufe der Jahre aus elf Familienmitgliedern 13, die sich regelmäßig in den Flieger setzten.

Am Urlaubsort selbst steht allen Teilnehmern der Tag zur freien Verfügung. „Oft ist es aber so, dass wir uns doch gemeinsam aufmachen, um was Schönes zu erleben. Spätestens beim Abendessen sind wir alle vereint“, erzählt Hans Wehr. Das ist dann jene schöne Szenerie, von der Hans Wehr träumte, als er den ersten dieser Familienurlaube buchte.

„Krach hat es noch nie gegeben“, schildern Wehrs. „Vermutlich könnten wir diese Reisen auch nicht durchziehen, wenn wir uns alle täglich auf die Pelle rücken würden.“ Alle Kinder hat es aber nach Studium und Berufsausbildung in Richtung Ruhrgebiet gezogen. So sehen sich alle Wehrs im Laufe eines Jahres recht selten und genießen die gemeinsame Zeit sehr. Oft ist der Familienurlaub in die Herbstferien gefallen. In diesem Jahr stehen allerdings familiäre Veränderungen an: Zwei der Enkelkinder stehen vor einem Auslandsjahr beziehungsweise dem Studium, weshalb der diesjährige Urlaubstrip schon in den Osterferien stattfand.

„Ob wir es 2016 noch einmal schaffen, mit allen gemeinsam zu fahren, ist etwas ungewiss“, erklären Renate und Hans Wehr. Deshalb musste die Familie auch darauf verzichten , zum Ende des aktuellen Urlaubs schon den nächsten zu buchen.

Zumindest ein Album steht noch aus von der letzten Reise nach Kreta, an der alle teilnehmen konnten. Die Urlaubsbräune auf der Haut ist noch ganz frisch, Wehrs denken mit Freude an die entspannten Tage zurück. „Es gibt eigentlich nur einen Grund, mit der Tradition zu brechen“, erklärt Hans Wehr: „Wenn es dem familiären Zusammenhalt nicht mehr dienlich wäre, zusammen wegzufahren.“ Es sieht nicht danach aus: Die Fotos der lachenden Kinder und Enkel sprechen zum Glück eine ganz andere Sprache...

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