„Du brauchst dich um nichts zu kümmern“

Fälschung und Untreue

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Gericht

Nachrodt-Wiblingwerde - Im Juni sprach das Schöffengericht einen heute 57-jährigen Versicherungskaufmann aus Nachrodt-Wiblingwerde vom Vorwurf des Anlagebetrugs frei. 

Das Schöffengericht kam damals zu dem Urteil, dass der Angeklagte zwar grob fahrlässig, aber ohne Betrugsabsichten hochriskante Anlagen in den Vereinigten Staaten vermittelt hatte. Diese Gelder sind nach dem Auffliegen eines millionenschweren Betruges in den USA bis heute größtenteils nicht zurückgezahlt. 

Geldstrafe für Versicherungsberater

Im Amtsgericht Altena gab es jetzt einen kleinen Nachschlag in anderer Sache: Richter Dirk Reckschmidt verurteilte den ehemaligen Versicherungsberater zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 15 Euro. 

Zur Überzeugung des Gerichts hatte der Angeklagte ein von einem Kunden unterzeichnetes Dokument nachträglich verändert und sich dadurch einer Urkundenfälschung schuldig gemacht, auf die eine Untreue folgte. „Du brauchst dich um nichts zu kümmern – ich regle das alles“: Diese Devise des Angeklagten war von vielen Zeugen des umfangreichen Hauptverfahrens in abgewandelter Form wiedergegeben worden. 

Entscheidende Frage

Nun zitierte ein 56-Jähriger aus Hemer im Amtsgericht diese Zusage. „Ich habe ihm voll und ganz vertraut. Ich hatte gar keinen Grund, ihm zu misstrauen“, sagte der Zeuge. Die entscheidende Frage war, ob er tatsächlich einen verlässlichen Blick auf einen Vertrag geworfen hatte, den er unterschrieb. Dieser betraf die Auflösung eines Versicherungsvertrages, und die Urkunde enthielt einen handschriftlichen Zusatz, dass das Geld aus dieser Vertragskündigung auf ein Konto des Angeklagten fließen solle. 

Trotz seines einst großen Vertrauens sei er sich absolut sicher, dass dieser handschriftliche Zusatz sich nicht auf dem Dokument befunden habe, als er es unterschrieb, versicherte der Zeuge sehr nachdrücklich: „Dass der die 1000 Euro auf sein Konto überweist – das wäre mir aufgefallen.“ Das Geld aus dieser Vertragskündigung floss in der Folge auf das Konto des Angeklagten. Der beteuerte allerdings, dass er das Geld nicht für sich selbst verbraucht habe. 

"Keinen müden Pfennig gesehen"

Viel sprach dafür, dass er es tatsächlich verwendet hatte, um Schieflagen in bestehenden Versicherungsverträgen des Zeugen zu beheben. Der allerdings sah sich in keiner Weise mitgenommen bei den Finanzmanövern seines Beraters: „Ich habe in der ganzen Zeit keinen müden Pfennig gesehen!“ Mittlerweile einigten sich Berater und Anleger in einem Zivilverfahren auf eine Entschädigung. 

Im Strafverfahren blieb es bei dem Vorwurf der Urkundenfälschung und der Untreue. „Sämtliche Versicherungsverträge des Zeugen waren für die Tonne“, sagte Richter Dirk Reckschmidt nach dem Blick auf die gescheiterten Anlagestrategien.

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