Großaufgebot der Feuerwehr

Explosion in Betriebshalle der Walzwerke

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Ein Großaufgebot an Einsatzkräften ruft die Explosion an den Walzwerken aktuell auf den Plan.

[Update 19 Uhr ] Nachrodt-Wiblingwerde - Ein Chemieunfall bei den Walzwerken Einsal hat am Donnerstag 110 Feuerwehrleute aus mehreren Städten des Märkischen Kreises und des Oberbergischen Kreises mindestens acht Stunden beschäftigt. Bei Reinigungarbeiten war in der Strahl- und Beizhalle des Unternehmens ein 1000-Liter-Tank mit Resten von Wasserstoffperoxid explodiert.

Die Beizanlage war während des Unfalls nicht in Betrieb, da sich die meisten Mitarbeiter bereits im Sommerurlaub befinden. Die Zeit des Betriebsurlaubs wurde vielmehr genutzt, um die Anlage von einer Fremdfirma reinigen zu lassen. Bei eben diesen Reinigungsarbeiten mit einem Hochdruckreiniger ist es dann passiert: Wasser mit Schmutzpartikeln drang in die Anlage ein, in der sich noch Reste von Wasserstoffperoxid befanden. Das löste eine so heftige Reaktion aus, dass der restentleerte Kunststofftank explodierte. Die Folge war eine Dampfwolke, die sich in der Fabrikhalle ausbreitete. Betriebsleiter Nico Napierkowski ging kurz nach dem Unglück davon aus, dass an der eigentlich geschlossenen Anlage ein Defekt vorgelegen haben muss, so dass Wasser und Schmutz eindringen konnten.

Die alarmierte Feuerwehr ging von Anfang mit größer Vorsicht an ihre Aufgabe heran. Über Radio und Internet wurde die Bevölkerung in den Wohngebieten Einsal, Helbecke und Obstfelder Stall aufgerufen, Türen und Fenster geschlossen zu halten, weil nicht auszuschließen war, dass sich die Chemikalienwolke weiter ausbreitet. Deshalb wurde auch der interkommunale ABC-Messzug Märkischer Kreis mit Einheiten aus Neuenrade, Plettenberg, Meinerzhagen, Herscheid, Werdohl und Halver zur Hilfe gerufen, um die Luft im Umfeld der Walzwerke zu überprüfen. Ein weiterer Messzug der Stadt Wiehl führte Luftmessungen in den angrenzenden Wohngebieten durch. Alle Messungen seien aber ohne Befund geblieben, für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt eine wirkliche Gefahr bestanden, erklärte der stellvertretende Kreisbrandmeister Dieter Grefe (Altena), der sich vor Ort ebenso ein Bild von der Lage machte wie Bürgermeisterin Birgit Tupat und Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer.

Chemieunfall bei den Einsaler Walzwerken

Einsatzkräfte der Feuerwehr, die nicht mit Luftmessungen befasst waren, versuchten derweil, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Mit Chemieschutzanzügen ausgestattete Männer erkundeten die unmittelbare Unglücksstelle. Versorgt mit diesen Informationen, entwarf die Feuerwehr unter der Leitung von Gemeindebrandinspektor Michael Kling eine Strategie zur Bereinigung der Situation. Der erste Plan, die Reste von Wasserstoffperoxid aus dem explodierten Tank abzupumpen wurde wieder verworfen. Stattdessen setzte die Feuerwehr später darauf, die Chemikalienreste mit Wasser zu verdünnen und dann in einen anderen, sauberen Tank umzupumpen. Dazu wurden spezielle Schläuche benötigt, die die VDM-Werksfeuerwehr aus Altena beisteuern konnte.

Die Vorbereitungen dafür wurden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen. „Wasserstoffperoxid reagiert mit so ziemlich allen organischen Materialien. Da bei kann dann sogar ein Brand entstehen“, erklärte Michael Kling, warum so große Vorsicht geboten war. Außerdem befanden sich in der Nähe des geborstenen Tanks noch weitere Behälter mit Schwefel- und Salzsäure. Die Feuerwehr war also bemüht, eine weitere Explosion unter allen Umständen zu verhindern.

Am späten Nachmittag konnten die Einsatzkräfte dann zur Tat schreiten und das Gemisch aus Wasser und Wasserstoffperoxid umpumpen. Das war noch einmal ein kritischer Moment in diesem Einsatz. Michael Kling: „Beim Pumpvorgang besteht noch einmal die Gefahr, dass Schmutz aufgewirbelt wird und mit der Chemikalie reagiert.“ Diese Befürchtung war jedoch unbegründet. Nach fast acht Stunden konnte die Feuerwehr ihren Einsatz beenden.

Personen waren bei dem Chemieunfall nicht zu Schaden gekommen, was möglicherweise pures Glück war. Gemeindebrandinspektor Kling ging am Donnerstag davon aus, dass bei den Reinigungsarbeiten lose Rostpartikel in das Wasserstoffperoxid gelangt sind. „Rost reagiert sehr heftig mit Wasserstoffperoxid, allerdings auch mit einiger Verzögerung. Für das Reinigungspersonal war das wahrscheinlich ein Glück, weil der Tank explodiert ist, als niemand in unmittelbarer Nähe war“, sagte er. Die Polizei hat die Ermittlungen zur Unglücksursache aufgenommen. Über die Schadenshöhe gab es am Donnerstag noch keine Angaben.

Für die Dauer des Feuerwehreinsatzes war die Bundesstraße 236 zwischen Helbecker Weg und Bahnübergang Einsal voll gesperrt. Die Polizei ließ weder Fahrzeuge, noch Fußgänger durch. PKW wurden über den Helbecker Weg und Opperhusen umgeleitet. Der Schwerlastverkehr musste bereits ab dem Selve-Kreisel in Altena beziehungsweise ab Lasbeck die Unglücksstelle großräumig umfahren.

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