Kein "Hurra" für Ersthelfer-System

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Bürgermeisterin Birgit Tupat und Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer äußerten ihre Bedenken

Nachrodt-Wiblingwerde - Um es vorweg zu nehmen: Ein „Hurra“ gab es von der Gemeindeverwaltung nicht. Im Gegenteil. „Es ist eine gute Idee, aber es ist nicht damit getan, die Verwaltung zu beauftragen. Denn Träger des Rettungsdienstes ist der Märkische Kreis und der wird entsprechende Kooperationen abschließen“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat zum Antrag der SPD-Fraktion, ein Ersthelfer-System in der Doppelgemeinde ins Leben zu rufen.

Und so begann eine Debatte im Rat, bei der man zeitweise den Eindruck hatte, dass die Beteiligten aneinander vorbeiredeten. Wie das AK berichtete, möchte die SPD ein Ersthelfer-System mit ehrenamtliche Menschen installieren, die am Notfallort qualifizierte Erstmaßnahmen bei Verunglückten oder akut Erkrankten durchführen – bis der Rettungsdienst am Einsatzort ist.

 Doch was sich zunächst relativ einfach und eindeutig anhört, ist augenscheinlich nicht so leicht umzusetzen. Wie Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer berichtete, kennt er ein eben solches System aus Kierspe.

 „Die Stadt Kierspe ist in diesem Verfahren in keinster Weise aufgetreten, sondern hat nur Abstimmungsgespräche mit dem Kreis geführt.“ Die so genannte First Responder-Arbeit laufe rein ehrenamtlich – und während es in Neuenrade, Balve und Plettenberg viele Rettungsassistenten gebe, habe die Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde nur zwei Rettungsassistenten. Da laufe der Antrag der SPD ins Leere.

 Stattdessen müsse man hergehen und Leute suchen, die das machen könnten: DRK, Johanniter, Malteser. Im Rahmen des Leader-Projektes, so machte Axel Boshamer klar, soll es zukünftig in jeder kleinen Ortschaft Defibrillatoren geben – in Rennerde, Brenscheid, Herlsen, Haste und Veserde. „Und mit dem Defi hängt auch eine Ausbildung zusammen.“

Damit wollte sich die SPD-Fraktion nicht zufrieden geben. „Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Gemeinde nicht Initiator oder Träger ist. Aber an wen sollen wir uns denn sonst wenden, wenn nicht an die Gemeinde?“, fragte Gerd Schröder, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender. Er habe Zuspruch vom DRK bekommen.

 „Man hat uns Hilfe zugesagt und steht unserem Anliegen wohlwollend gegenüber. Wir werden das nicht von heute auf morgen installieren können, aber sollten das jetzt in den Stiel stoßen.“ Das Anliegen, so ist sich Gerd Schröder sicher, wird von der Bevölkerung sehr positiv betrachtet. Nicht glücklich findet Bürgermeisterin Birgit Tupat, dass eben dieses Anliegen bereits in der Öffentlichkeit diskutiert wird. „Da sollten vorher fachliche Grundlagen ermittelt werden.“ Zudem sage ihre Feuerwehr auch: „Was sollen wir denn noch alles tun?“

SPD-Ratsherr Christian Pohlmann verstand die Problematik nicht. „Wir sollten das nicht aufbauschen. Es geht darum, dass sich Ersthelfer mit ihrer Handynummer registrieren. Und wenn der Nachbar einen Notfall hat, wird er informiert und bestätigt das auf seinem Handy. Das ist eine gute Sache und man muss sie nicht verkomplizieren. Der Ersthelfer muss auch nicht Mitglied der Feuerwehr sein. Es steht der Gemeinde gut zu Gesicht, sich dafür einzusetzen.“

 Dass das Ersthelfer-System zwischen Suppe und Kartoffeln einzurichten ist, glaubt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer indes nicht. In Kierspe würden das bei 17000 Einwohnern zehn Leute mit zwei Fahrzeugen machen, die entsprechend ausgerüstet seien. Zudem sei dort alles aus Spenden finanziert.

 „Wir benötigen keine Fahrzeuge“, glaubt dagegen Christian Pohlmann. Etwas skeptisch zeigte sich Sonja Hammerschmidt, Vorsitzender der UWG: „Ich habe Zweifel, ob das hier klappt. Ich habe selbst schon einmal versucht, einen Ersthelferkurs zu organisieren. Es kommt so gut wie gar keiner. Die Bereitschaft, ehrenamtlich mitzuarbeiten, ist sehr gering geworden. Und zudem sehe ich, wie gut der Rettungsdienst geworden ist.“ Jedenfalls: Träger des Rettungsdienstes ist der Kreis. Und ob dieser sich gern „in die Suppe spucken lässt“, wie es Bürgermeisterin Birgit Tupat formulierte, ist eine weitere Frage. Zudem laufe das Ersthelfer-System nicht so rund, wie es nach außen hin aussehe.

Nach den Sommerferien will man nun einen runden Tisch organisieren. Birgit Tupat: „Wir sollten die nächsten Wochen und Monate nutzen, um Gespräche zu führen und um zu gucken, welche Möglichkeiten bestehen.“

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