Die Angst vor dem Schimmel in der Wohnung

Nachrodt-Wiblingwerde - Man lebt so, wie man wohnt, man wohnt so, wie man lebt. Wenn alles gut läuft. Grundsätzlich könnte auch bei Björn und Saskia Brühl alles schön sein an der Freiherr-vom-Stein-Straße 3. Am 17. Dezember wurde ihre kleine Tochter geboren. Marie Sophie heißt sie – und schlummert friedlich im Kissen. Doch Mama und Papa sind völlig niedergeschmettert. Seit ihrem Einzug kämpfen sie mit bzw. gegen den Schimmel in der Wohnung.

Saskia Brühl hat alles haarklein notiert. „Am 20. November haben wir geheiratet. Kurz danach war der erste Fleck im Schlafzimmer“, erzählt die 24-Jährige. Am 2. Dezember gab es grün-schwarze Flecken an der Balkontür. „Wir konnten die Hausverwaltung nicht erreichen“, sagt die junge Frau. Als noch mehr Schimmel sichtbar wurde, hat sich der Hausmeister das Problem in der oberen Etage einmal angesehen. „Aber dann ist nichts passiert und der Hausmeister hat auch gewechselt.“

Mit Schimmelspray und Luftentfeuchter versucht sich das junge Paar zu helfen. „Das klappt kurz, aber dann ist alles wieder da“, ist Björn Brühl verzweifelt über die Situation, die längst das Leben bestimmt. Saskia Brühl schläft mit der Kleinen auf dem Sofa im Wohnzimmer. Im Kinderzimmer über der Fußleiste kriecht bzw. kroch der Schimmel, in der Küche hinter der Spüle, im Badezimmer über der Badewanne. Die Angst vor gesundheitlichen Schäden wird groß und größer. „Mittlerweile ist jeder Raum außer der Flur betroffen.“ Die jungen Eltern haben den Mieterschutzbund eingeschaltet, der ihnen rät, die Miete jetzt um 15 Prozent zu kürzen. 84,30 Euro überweisen Björn und Saskia Brühl weniger – und bekommen prompt eine Mahnung.

„Wir waren der Meinung, dass das Problem beseitigt ist. Am 9. März war eine Fachfirma da. Eine konkrete Ursache konnte nicht gefunden werden. Auch die Feuchtigkeit in der Wohnung wurde gemessen. Wenn da wieder etwas ist, muss man Bescheid sagen“, sagt Jörg Bretschneider, Sprecher für den Eigentümer Adler Real Estate – und der einzige, der auf AK-Anfragen reagiert. Die Peloton-Hausverwaltung verspricht Rückrufe. Mehrmals. Ansonsten hängt der Anrufer in der Warteschleife. Auch die Eheleute Brühl.

Die Firma Menzler-Immobilien, die sich um die Vermietung der Wohnungen kümmert, vermutet im AK-Gespräch, „dass die Presse irgendwem was anhängen will.“ Ansonsten kann man sich dort eher eine mehrköpfige Familie vorstellen, die viel kocht und nicht lüftet.

Lüftet die junge Familie nicht richtig?

„Wir lüften drei Mal am Tag für zehn Minuten. Richtig Stoßlüften“, sehen die Jungverheirateten kein Problem bei sich selbst. Das Wasser laufe dennoch innen an den Fenstern herab und alles sei pitsch-nass. „Und wenn es draußen regnet, wird es ganz übel.“

„Die Schimmelfirma, die hier war, hat gemeint, dass es am Mauerwerk liegt“, erzählt Björn Brühl. Einfach ausziehen, sich eine neue Wohnung suchen, ist aus finanziellen Gründen für das Paar nicht möglich. „Wir haben das ganze Geld hier hineingesteckt“, ist der 33-jährige Pflegeassistent verzweifelt. Jetzt haben er und seine Frau einen Bluttest gemacht, der vier verschiedene Schimmelarten im Körper nachweisen kann. „Ich habe vor zehn Jahren wegen Schimmel Asthma bekommen. Und habe jetzt auch ständig einen gereizten Hals“, erzählt Saskia Brühl, die sich auch um ihr Töchterchen sorgt. „Sie ist viel zu leicht. Vielleicht hängt das alles zusammen.“

So langsam, aber sicher verliert das Paar die Nerven - kein Geld für einen Umzug, die Angst vor dem Schimmel, der sich augenscheinlich immer wieder einen Weg sucht.

Wenn so etwas passiert, muss man geeignete Maßnahmen ergreifen – verspricht Jörg Bretschneider Hilfe. Es sei auch im Interesse der Eigentümer, dass die Ursache gefunden werde.

„Das muss gecheckt werden und das ist auch in unserem Sinne.“ Seiner Kenntnis nach gibt es im gesamten Wohnkomplex keine weitere Schimmel-Problematik.

Und Jörg Bretschneider hält sein Versprechen. Der „Fall“ ist in Bewegung „Es hat jetzt jemand von der Peloton angerufen und sich erkundigt“, sagt Saskia Brühl. Sodann wurde auch vor Ort ein Schimmelprotokoll erstellt. „Aber es war ja eine Firma hier, die alles übermalt hat. Jetzt gibt es aktuell nur einen winzigen Fleck im Schlafzimmer. Und in der Küche hinter dem Schrank.“ Ein bisschen wie in Lauerstellung ist das Ehepaar – immer in Sorge, dass der Schimmel wiederkommt. Eine Sache, in die man sich auch hineinsteigern kann.

Heute haben Saskia und Björn Brühl die Hoffnung, dass vielleicht doch noch alles gut wird. „Nächste Woche Mittwoch kommt die Firma Ritter und reißt den Küchenschrank raus, um in die Ecke zu kommen.“

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