"Es herrscht ein seltsames Schweigen im Berufsstand"

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Auf dem Hof von Regina Bräuer-Weustermann (links) in Brenscheid  fand die Erntedankpressekonferenz statt

Nachrodt-Wiblingwerde - Die Schweine quiekten. Das Futter schmeckte. Ein paar Meter weiter – mitten in der Scheune von Regina Bräuer-Weustermann in Brenscheid – ein schön gedeckter Tisch, an dem gestern die Erntedankpressekonferenz stattfand. „Es war ein aufregendes Erntejahr“, erklärte Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, der mit seinem Stellvertreter Ulrich Brinckmann, Geschäftsführer Ludwig Krämer, Corinna Hohage-Jentsch und natürlich Regina Bräuer-Weustermann die lokale und regionale Ernte vorstellte. Dass zwei Frauen mit von der Partie waren, hatte einen besonderen Grund.

Die „Moderne Technik und viel persönlicher Einsatz macht es auch Frauen möglich, einen Bauernhof zu leiten“, so Buttighoffer. „Und wenn sich Frauen dazu entschlossen haben, dann ziehen sie das auch durch.“ Zehn von etwa 640 Bauernhöfe im Märkischen Kreis werden von Frauen geleitet. Tendenz steigend.

Getreidesäcke sind nicht leichter geworden

 „Aber die Getreidesäcke sind nicht leichter geworden“, schmunzelt Regina Bräuer-Weustermann. Ihr Vater hatte von Milchvieh auf Sauenhaltung umgestellt – „und mit einer Sau angefangen.“ Heute hat sie 120 Zuchtsauen und im Durchschnitt 450 Ferkel, die bei einem Gewicht von 25 Kilo zum Mäster gehen, der sie aufzieht.

Doch Regina Bräuer-Weustermann plant weiter, möchte einen Maststall bauen. „Nebenbei“ hat sie 27 Hektar Grünland, 17 Hektar Acker (Gerste, Weizen, Hafer), 16 Hektar Wald, 17 Mutterkühe und Kälber und ist Mutter von fünf Kindern. Dass sie sich auch in der Verbandsarbeit engagiert, ist da kaum noch vorstellbar. „Es ist ein wunderbarer Beruf“, sagt die 41-Jährige.

Wertschätzung fehlt

Wunderbar, aber auch einer, der nicht auf Rosen bettet. Und einer, dem die Wertschätzung fehlt. So empfinden es viele Landwirte im Märkischen Kreis. Wenn zur Erntezeit auch nachts durchgefahren werden müsse, dann habe das nichts mit Spaß an der Freud zu tun. Wenn sich dann Leute auf die Lauer legen und Lärmmessungen durchführen würden – und wenn dann morgens das Ordnungsamt auf der Matte stehe, dann sei das wenig lustig.

„Die Stimmung ist nicht so toll. Es herrscht ein seltsames Schweigen im Berufsstand“, formulierte es Ulrich Brinckmann. Und: Wirtschaftliche Sorgen würde man auch nicht unbedingt gern in die Öffentlichkeit tragen. „In den nächsten fünf Jahren wird ein Viertel der Betriebe aufgeben“, prophezeit Günter Buttighoffer – „wenn der Milchpreis nicht extrem steigt.“ Und Buttighoffer appellierte: „Was wir produzieren, soll honoriert und bezahlt werden.“

Regen, Regen, Regen

Doch das war gestern (28. September) eigentlich nur ein Randthema und zum Jammern war auch niemand gekommen. Vielmehr ging es um das spektakuläre Erntejahr: „Wir hatten einen trockenen Winter, ein gutes Frühjahr, aber dann setzte der Regen ein, wo wir ihn überhaupt nicht gebrauchen konnten.“

Gute Grassilagen wurden nur eingebracht, wenn ein früher Schnittzeitpunkt genutzt werden konnte. Wer also wegen des Wetters nicht früh mähen konnte, hatte die ganze Saison über Probleme. Dennoch waren die Grassilagen in der Region ausreichend, wobei in vielen Fällen die Qualität nur durchschnittlich ausgefallen ist.

Beim Heu war es auch extrem. Bis Mitte/ Ende Juli gab es keine drei/vier Tage Sonne am Stück, so dass man das Heu hätte trocken bekommen.

Der Regen machte auch der Getreideernte Probleme. „Auch da lässt einiges zu wünschen übrig“, so Buttighoffer. Als man ernten wollte, gab es unwetterartige Regenfälle. „Viele Betriebe haben ihre Ernte abgebrochen. Im Münsterland haben teilweise die Maschinen auf dem Acker gestanden und hatten sich festgefahren.“

Bilanz: Durch eine schlechte Körnerausbildung beim Getreide lagen die Erntemengen zehn bis 15 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Die Maisernte läuft seit 14 Tagen an – verhältnismäßig gut. An guten Standorten färbt sich das Blatt jetzt schon braun – „teilweise sieht es aus wie Tabak. Es gab selten so große Unterschiede in der Qualität und Quantität wie in diesem Jahr – es gab Betriebe, die im Frühjahr in den nassen Boden gelegt haben, und andere, die etwas mehr Ruhe bewahrt haben und 14 Tage später als üblich den Mais in den Boden gebracht haben. „Da ist der Mais 2,50 und drei Meter hoch.“

Der Maisanbau lohne sich in der Region auf jeden Fall. Dass sich die Wildschwein-Problematik durch den vermehrten Maisanbau verschärfe, weist Günter Buttighoffer weit von sich. „Die Schweine können sich im Mais natürlich gut verstecken. Aber bedingt durch den Maisanbau gibt es nicht mehr Tiere.“

Insgesamt kann man sagen, dass es eine leicht unterdurchschnittliche Ernte gab. „Aber wir sprechen hier nicht über Komplettausfälle oder Hungersnöte – dafür sagen wir auch in diesem Jahr wieder Danke“, so Günter Buttighoffer.

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