Else Weis blickt auf stolze 100 Lebensjahre zurück

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Else Weis (Mitte) feierte gestern ihren 100. Geburtstag. Auch Pastor Kube (links) und Michael Schlieck (2.v.l.) gratulierten im Nachrodter Hof.

Nachrodt-Wilbingwerde - Zwischen 1914 und 1918 versank Europa in Trümmern – und die Welt im Chaos. 20 Millionen Menschen fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Unendliches Leid traumatisierte ganze Nationen. Mitten in diesen Kriegswirren kam Else Weis zur Welt – in Königsberg in Preußen. Gestern feierte die sympathische Dame ihren 100. Geburtstag im Nachrodter Hof.

Königsberg war seit 1724 die Königliche Haupt- und Residenzstadt – „und hatte 350000 Einwohner“, erzählt Else Weis, die als Großstadtkind auch später den „Chic“ mit nach Altena brachte.

„Sie war immer so wunderbar angezogen. Das war schon für Altena damals etwas Besonderes“, strahlt ihre Nichte, die gestern ebenso zum Geburtstag gratulierte, wie natürlich die Söhne Rüdiger und Uwe mit ihren Frauen, zwei Nichten und ein Neffe, Pastor Kube für die evangelische Kirchengemeinde und Michael Schlieck als stellvertretende Bürgermeister.

Dass es herrliche Blumensträuße für das rüstige Geburtstagskind gab, versteht sich von selbst. Aber auch ein Gruß des Landrates und Süßigkeiten, die sie so gern mag, lagen auf dem Geburtstagstisch. Else Weis lebt seit neun Jahren im Nachrodter Hof. Dort fühlt sie sich wohl und gut aufgehoben und dort feierte sie auch mit ihrem zweiten Mann die Eiserne Hochzeit.

Er verstarb vor vier Jahren mit 93 Jahren. „Dass ich 100 geworden bin, dafür habe ich nichts getan. Das war der liebe Gott“, schmunzelt Else Weis, die mit Hilfe des Rollators noch gut zu Fuß ist. „Früher bin ich viel an der Lenne spazieren gegangen, aber das muss man mit 100 ja nicht mehr machen. Jetzt laufe ich hier über den Flur.“

Auch, wenn die Menschen immer älter werden, ist ein 100. Geburtstag etwas ganz Besonderes. Else Weis schien dennoch gestern wenig beeindruckt. „Ich bin froh, dass es mir so gut geht“, sagt sie und erzählt dann doch ein bisschen von früher. Ihr erster Mann war bei der Marine und starb 1943 im Krieg auf einem U-Boot. Damals lebte die Familie in Gotenhafen – „wir sind jede Nacht in den Bunker gelaufen.“

Das Haus wurde zerbombt, Else Weis floh mit ihrem Sohn Rüdiger mit dem Zug ins Sauerland – und kam so nach Altena. „1945 war ganz Ostpreußen auf der Flucht vor den Russen.“ Dass auch in der heutigen Zeit viele Menschen auf der Flucht sind, verfolgt die 100-Jährige mit Interesse.

Und mit großem Wohlwollen für die Flüchtlinge. Else Weis schaut sich die Nachrichten an, liest Zeitschriften und mag Kreuzworträtsel. Am Tag ihrer Geburt wurde bei einem Aufklärungsflug über der Nordsee der deutsche Zeppelin “L 7” von britischen Seestreitkräften abgeschossen. Wilhelm II. aus dem Haus Hohenzollern war Deutscher Kaiser und König von Preußen.

Else Weis hat später als junge Frau den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecken miterlebt, aber auch spannende Erfindungen kommen sehen: den Schwarz-Weiß Fernseher (1924) und den ersten Computer (1941) zum Beispiel.

Auch die Waschmaschine (1901 entwickelt, aber erst in den 1960er Jahren erschwinglich) war eine Besonderheit. Heute ist sie dankbar, dass sie eine liebe Familie um sich hat und im Nachrodter Hof ihren Lebensabend verbringen kann.

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