Windkraft in Veserde: Einwohnerversammlung

Zwei neue Windkraftanlagen sollen in Veserde errichtet werden.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Windmühlen, die anderen Mauern“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Und tatsächlich, so weiß auch Markus Geisbauer, Sachbearbeiter für Windkraftanlagen im Fachdienst 46 „Bauen und Immissionsschutz“ beim Märkischen Kreis, sind die Mauern oft dick – und der Druck gegen Windkraftanlagen im Märkischen Kreis groß.

Ob während der Bürgerversammlung in Veserde, die am 28. Januar ab 18 Uhr im Hotel Holzrichter stattfindet, die Menschen allerdings „Sturm laufen“ werden, bleibt abzuwarten.

„Die Einladungen gehen in der kommenden Woche an die entsprechenden Haushalte im oberen Gemeindebezirk. Dann werden wir uns noch einmal mit dem Thema Windenergie beschäftigen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Die Moderation übernehmen zwei Gäste von der Energieagentur NRW. Dabei soll der neue Windenergieerlass der Landesregierung im Mittelpunkt des Abends stehen. „Es ist keine Podiumsdiskussion, aber natürlich können Fragen gestellt werden. Und das wird sicher auch so sein“, glaubt die Bürgermeisterin an großes Interesse an der Veranstaltung.

Die Betreibergesellschaft „Naturstrom Veserde“, die einen Bauantrag für zwei weitere Windkraftanlagen beim Märkischen Kreis gestellt hat, wird ihre Pläne nicht vorstellen – eventuell werden einige der 26 Gesellschaftsmitglieder aber vor Ort sein. „Wir wollen uns aus der Diskussion ‘raushalten“, sagt Franz-Ludwig Spelsberg, der sich nicht gerne an eine Bürgerversammlung zum Thema von vor zwei Jahren erinnert. „Die war schlecht vorbereitet und dann kippte die Veranstaltung“, so Spelsberg. „Und ohnehin werden jetzt auch einige dagegen sein.“

Brandheiß ist das Thema allemal. Und nicht nur in Veserde. Für Markus Geisbauer vom Märkischen Kreis zählen nur Daten, Fakten, sachliche Erwägungen und die gültigen Gesetze, wenn er nun den Antrag der Betreibergesellschaft „Naturstrom Veserde“ bearbeitet. Die Betreibergesellschaft möchte neben den drei bestehenden Windkraftanlagen zwei weitere errichten – mit einer Narbenhöhe von 103,9 Meter. Die Höhe beträgt sodann etwa 150 Meter, der Rotordurchmesser 92 Meter. Der Antrag löst jetzt eine standortbezogene Vorprüfung nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung aus. Umweltverträglichkeitsprüfungen müssen immer vorgenommen werden, wenn es um mehr als 20 Windkraftanlagen geht, sogenannte allgemeine Vorprüfungen stehen bei sechs bis 19 Anlagen an, eine standortbezogene Vorprüfung bei weniger als sechs Windkraftanlagen.

„Der Eingriff in die Natur ist äußerst gering“, findet Franz-Ludwig Spelsberg. Die Betreibergesellschaft, in der zur Hälfte Bürger aus dem oberen Gemeindegebiet sind, hat zum Antrag verschiedene Gutachten eingereicht, die sich mit den Themen Umwelt, Artenschutz, Schall und Schattenwurf beschäftigen. Und die jetzt geprüft werden. „Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß, sondern auf ausgebauten Landstraßen“, sagt Franz-Ludwig Spelsberg mit Blick auf Windkraftgegner. Windenergie sei sinnvoll und würde die Idylle nicht stören.

Um Idylle geht es bei der Prüfung weniger, sondern um die Fragen, ob das Vorhaben in das Öko-System eingreift, wie die bestehende Nutzung des Gebietes aussieht, wie nah die Wohnbebauung ist. Gibt es eine bedrängende Wirkung? Wie laut ist die Anlage? Im Regelfall hat der Gesetzgeber kein Problem damit, wenn die Anlagen das Dreifache der Höhe von der Bebauung entfernt sind – bei 200 Meter hohen Anlagen also 600/700 Meter. Schattenwurf ist laut Windenergieerlass eine halbe Stunde zumutbar. Dabei gibt es Tageswerte und Jahreswerte und es werden auch Abschaltszenarien beschrieben. „Wenn der Schattenwurf stört, wird die Anlage ausgeschaltet“, sagt Markus Geisbauer.

In bestimmten Situationen würden Anlagen zum Beispiel auch nachts im schallreduzierten Betrieb gefahren. Nachts ist allerdings die ertragsreichste Zeit mit kontinuierlichen Winden. Deshalb, so erklärt der Fachmann, versuchen die Betreiber Standorte zu finden, bei denen keine Abschaltung notwendig ist. „Wir prüfen, inwieweit die Anlagen nach den gesetzlichen Vorgaben zumutbar sind“, sagt Markus Geisbauer. Die Bürger werden beteiligt, wenn man in das Unweltverträglichkeits-Verfahren einsteigen muss – das jetzige Vorgehen ist die Vorprüfung. Kommt Markus Geisbauer zu dem Schluss, dass dies nicht nötig ist, beginnt das normale Genehmigungsverfahren. Dann werden unter anderem Stellungnahmen der Flugsicherung, der Bundesnetzagentur, der Landschaftsbehörde und des Forstamtes eingeholt.

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