Hauptschule schließt zum Ende des Schuljahres

Nachrodt-Wiblingwerde -Die Albert-Schweitzer-Hauptschule schließt zum Ende des Schuljahres. Der offizielle Beschluss, der für den 15. Februar während der Sitzung des Rates erwartet wird und zuvor am 9. Februar im Schulausschuss auf der Tagesordnung steht, ist eigentlich nur noch Formsache. Und so kommt das Ende schneller als erwartet und sogar fast plötzlich.

„Es ist eine Vernunftsentscheidung“, sagt Winfried Becker, Schulaufsichtsbeamter für die Hauptschulen des Kreises. „Ich weiß, wie viele Emotionen daran hängen. Und wenn es anders machbar wäre, würden wir das so niemals anstreben. Aber die Schüler mit dem Ziel eines qualifizierten Abschlusses stehen im Fokus“, so Becker. Die Schüler der zukünftigen zehnten Klasse werden, so sie und ihre Eltern es denn wollen, für das letzte Jahr an die Hauptschule Letmathe wechseln. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

Einer, der den Tatsachen auch sehr sachlich ins Auge blickt, ist Rüdiger Grote. Der Leiter der Albert-Schweitzer- Hauptschule wird am 23. März 65 Jahre alt. Allerspätestens zum Ende des Schulhalbjahres 2016/2017, also etwa genau in einem Jahr, hätte er in den Ruhestand gehen müssen. „Und das wäre für alle Beteiligten schlecht gewesen, wenn ich mich mitten im Schuljahr verabschiedet hätte“, so Grote, der jetzt seit 41 Jahren am Holensiepen unterricht und nun zum Ende des aktuellen Schuljahres verabschiedet wird. Zum Rektor ernannt wurde er am 1. Mai 2011.

Eine Ära geht zu Ende. Die Albert Schweitzer-Hauptschule wurde am 15. Januar 1971 nach eineinhalbjähriger Bauzeit eingeweiht – mit einem Kostenaufwand von 2,2 Millionen Mark gebaut. Damals hatte Bürgermeister Mestekämper den Schlüssel an den ersten Rektor Hainmüller überreicht. Der Neubau war für etwa 380 Kinder gedacht. Und sensationell war zu der Zeit das Sprachlabor der Schule.

Der Zahn der Zeit mit der Tatsache, dass Hauptschulen nicht mehr so nachgefragt sind, hat auch das Ende der Albert-Schweitzer-Schule eingeläutet. Auch die Hauptschule Rahmede (die verbleibende Klasse 10 geht zur Hauptschule Stadtpark), die Hauptschule Werdohl (die „restlichen“ Schüler wechseln nach Plettenberg) und die Hauptschule Neuenrade schließen zum Ende des aktuellen Schuljahres. Für die Lehrer, die die Fahnen für die Hauptschulen hochgehalten haben, und auch für Winfried Becker ein Trauerspiel: „Die Hauptschulen sind die Schulen mit der größten Erfahrung, was die Förderung angeht. Die Hauptzielrichtung ist die Förderung der deutschen Sprache, die Förderung leistungsschwächerer Schüler und der Übergang in den Beruf.“

Gesichert sind übrigens im Moment die Zeppelin-Hauptschule Plettenberg, die Hauptschule Balve und die Hauptschule Letmathe. Die Hauptschule Stadtpark in Lüdenscheid hat aktuell keine Klasse fünf, „aber wir hoffen, dass sich das im nächsten Jahr wieder ändert“, so Becker. Die Schule ist von der Zweizügigkeit ins Nichts gefallen.

Doch zurück nach Nachrodt. „Bei immer kleiner werdenden Schulen habe ich das Problem mit den Lehrern, die ich brauche und nicht habe“, sagt Winfried Becker. Aus dem Pool der Sekundarschule könne der Unterricht nicht aufgefangen werden. „Die Albert-Schweitzer-Hauptschule wäre auch in jedem Fall autonom geblieben, hätte einen Schulleiter benötigt und hätte nicht an die Sekundarschule andocken können“, so der Schulrat: „Irgendwann gibt es Sachgründe, die uns zu Entscheidungen zwingen.“

So sieht es auch Gabriele Balzukat für die Gemeindeverwaltung: „Die Tatsachen sind leider nicht von der Hand zu weisen. Erst hatten wir gedacht, dass man nach dem Ausscheiden von Rüdiger Grote mit Aushilfen fachübergreifend hätte arbeiten können, aber dafür ist die Lücke zu groß. Zudem geht ein weiterer Lehrer in den Ruhestand.“ Oberstes Ziel sei, dass die Jugendlichen, die im kommenden Schuljahr in der Klasse 10 sind, einen vernünftigen Abschluss erzielen könnten – und nicht, dass man sie irgendwie bis zum Schluss durchziehe.

Die Jugendlichen können nun ihr „letztes Jahr“ in Letmathe zur Schule gehen. „Aber wir können natürlich niemanden verdonnern, nach Letmathe zu gehen. Ausschlaggebend ist da der Elternwunsch“, sagt Gabriele Balzukat. Betroffen sind 22 junge Erwachsene in der jetzigen Klasse 9.

Die Albert-Schweitzer- Hauptschule soll nicht sang-und klanglos geschlossen werden. Ob es eine Abschiedsfeier geben wird, steht nicht fest. „Ganz schlimm wäre es, wenn Nachrodt gar keine weiterführende Schule mehr hätte. Gut ist, dass man für die Kleinen mit der Sekundarschule eine Alternative bieten kann.“

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