Auch bei Nussknackern gibt es Trends

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Ein untypischer Nussknacker, denn es fehlt auf jeden Fall der grimmige Blick.

Nachrodt-Wiblingwerde - Auf den ersten Blick wirkt alles ganz normal. Freundlich öffnen Erika und Helmut Huster die Tür ihrer Nachrodter Wohnung. Der kleine Flur ist weihnachtlich geschmückt. Irgendwo in dieser Wohnung soll sich noch ein wahrer Schatz verstecken. Aber wo? Noch ist nichts davon zu sehen. Ein schneller Blick in die Küche: Nichts. Doch dann öffnet sich die Tür zum Wohnzimmer und dem Besucher bleiben vor Begeisterung kurz die Worte weg.

In Vitrinen, auf dem Schrank, auf dem Fensterbrett und auf dem Fußboden stehen rund 200 handgefertigte Nussknacker. „Das sind aber noch nicht alle. Ein paar stehen noch woanders. Das passte einfach nicht mehr“, erzählt Helmut Huster. Wie viele es genau sind, weiß er nicht. Seit mehr als 30 Jahren sammelt das Ehepaar Nussknacker aus dem Erzgebirge, andere kommen den Nachrodtern nicht ins Haus. „Das ist pure Handwerkskunst. Wir wollen nur die, nicht irgendeinen industriell gefertigten Kram“, sagt Huster.

Angefangen hat alles vor 30 Jahren. Im Schreibwarengeschäft Müller in Iserlohn entdeckte Helmut Huster erstmals einen solchen Nussknacker. „Er war so schön, so liebevoll gestaltet. Den musste ich einfach kaufen“, erinnert sich der Senior. Die Leidenschaft war entfacht. Fortan hielten die Husters überall Ausschau nach Arbeiten dieser Art. Aber das war gar nicht so leicht: „Die innerdeutsche Grenze war ja noch geschlossen und gefertigt wurden diese tollen Exemplare im Erzgebirge.“ Hilfe bekamen die Nachrodter durch eine Bekannte in der DDR. Immer wenn sie einen hübschen Nussknacker fand, schickte sie ihn nach Nachrodt. „Das war gar nicht so einfach. Das Geld für die Ware steckten wir in Tchibo-Kaffee. Ansonsten hätten die Grenzer es genommen.“ So entstand im Laufe der Jahre ein reger Austausch und die Sammlung wuchs und wuchs. Nachdem die Grenze geöffnet wurde, reisten die Husters regelmäßig ins Erzgebirge. Klar, dass von jeder Reise auch ein kleiner oder auch mal ein großer Nussknacker mit nach Nachrodt kam.

Übrigens: Auch bei Nussknackern gibt es Modetrends. Charakteristisch sei früher vor allem das grimmige Gesicht gewesen, hinzu die kräftigen Farben. Zudem habe es sich häufig um Könige, Zaren, Förster oder Schutzmänner gehandelt. „Damit nahmen die Künstler die Obrigkeiten in der DDR aufs Korn“, erklärt der Sammler. Das sei mittlerweile nicht mehr so. Zwar dominiere immer noch der klassische grimmige Blick, jedoch gebe es Nussknacker nun in allen Farben und Formen. Stolz ist Huster beispielsweise auf einen Eskimo. „Der ist etwas Besonderes. Der ist so fein gearbeitet und ein echtes Einzelstück.“ Und auch einen Zaren zeigt er. Der Mantel aus echtem Samt und die Mütze aus Fell.

Inzwischen sei es gar nicht mehr so leicht, neue Nussknacker zu finden. „Am ehesten noch auf Trödelmärkten“, weiß Huster. Der Nachrodter erkennt dabei auf den ersten Blick, ob es sich um Billigware oder echte Handarbeit aus dem Erzgebirge handelt: „Die haben halt ihre eigene Handschrift und unten drunter ist bei den echten immer ein bestimmtes Siegel.“ Allerdings seien Nussknacker ziemlich aus der Mode. Derzeit seien eher Räuchermännchen gefragt, umso stolzer ist Huster, wenn er noch ein Exemplar findet, dass er noch nicht in seiner Sammlung hat.

Solange er kann, wird er weiter auf die Suche gehen. Vor Kurzem haben sich die Husters extra noch eine neue Vitrine gekauft. „Die hat andere Strahler, da kommen die Nussknacker noch besser zur Geltung.“ Sortiert sind die Sammlerstücke übrigens nicht. Lediglich etwas nach der Größe. Die kleinsten Exemplare sind gerade einmal fünf Zentimeter hoch. Der Größte mehr als einen halben Meter. Eine Nuss hat übrigens noch keiner geknackt. „Dafür sind sie einfach zu schade.“

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