Hausschwamm: Das Drama an der Hagener Straße 114/116

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Sind von Hausschwamm befallen: Die Häuser Hagener Straße 114/116

Nachrodt-Wiblingwerde - Es ist ein Albtraum für jeden Hausbesitzer: Wenn Hausschwamm ein Gebäude befällt, dann geht rein gar nichts an einer teuren Sanierung vorbei. Auf der Suche nach Nahrung wächst der Pilz sogar durch Mauerwerk. In der Asylbewerberunterkunft an der Hagener Straße 114/116 hat das Drama seinen Lauf genommen. Kann das Haus nur abgerissen werden?

Eigentlich sollten in diesem Jahr nur eine neue Heizung und neue Fenster eingebaut werden. Eigentlich. „Bei der Begehung des Sachverständigen wurde angeraten, ein Sanierungskonzept zu erstellen, um die nachhaltige Nutzung des Gebäudes sowie die Reihenfolge der notwendigen Sanierungen festzulegen“, heißt es in der Vorlage für die Sitzung des Planungs- und Bauausschusses am kommenden Montag (ab 17 Uhr, Hagener Straße 96).

Für die Aufstellung des Sanierungskonzeptes wurde ein Ingenieurbüro beauftragt. Das ganze Dilemma: Im Haus 116 wurde Hausschwamm gefunden, der durch eine Laboruntersuchung bestätigt wurde. Der Hausschwamm ist im Erdgeschoss und Obergeschoss, direkt an der Trennwand zum Nachbarhaus 114. Da eine Trennwand für den Pilz kein Hindernis bedeutet, gehen die Experten davon aus, dass auch das Haus 114 betroffen ist.

Fakt ist: Die 116 ist unbewohnbar. Im Haus 114 müssten noch weitere Untersuchungen stattfinden. Die Gemeindeverwaltung hat sofort gehandelt, hat sämtliche Bewohner in anderen Wohnungen untergebracht. „Wir mussten natürlich den Menschen erklären, warum das notwendig ist. Bei einigen hat sich der Aufenthaltsstatus geändert. Sie dürfen in eigene Wohnungen umziehen. Andere sind in das Haus an der Hagener Straße 150 umgezogen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat.

 Jetzt kommt es der Gemeinde zugute, dass sie noch über der Aufnahmequote für Flüchtlinge liegt. Eigentlich sollten bis Ende September nämlich noch 35 Neuzuweisungen kommen – doch als die Nachricht kam, hatte die Gemeinde die Bezirksregierung auf die fehlerhafte Berechnung hingewiesen (das AK berichtete). „Das mag vielleicht einigen etwas pingelig vorgekommen sein, aber jetzt ist das natürlich umso besser“, so Tupat.

Über Wohnraum in Hülle und Fülle verfügt die Gemeinde nicht – fällt die Unterbringung an der Hagener Straße 114/116 jetzt weg, müssen neue Ideen her. „Wir suchen auch händeringend kleine Wohnungen“, so die Bürgermeisterin. Wohnen kann niemand mehr in den Asylbewerber-Häusern direkt an der B236.

Die Sanierungskosten liegen nach ersten Schätzungen bei 638000 Euro zuzüglich 100000 Honoraraufwand. Mit anderen Worten: Die Gemeinde müsste etwa 750000 Euro in die Hand nehmen, um die Häuser zu erhalten.

 „Eine Sanierung wäre völliger Quatsch“, meint die Bürgermeisterin und auch die Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU und UWG sind ihrer Meinung. Niemand springt für den Erhalt der „schwamm-befallenen Häuser“ in die Bresche. Stattdessen wird ein Abriss diskutiert. Die Kosten hierfür liegen bei etwa 50000 Euro. Stark abhängig ist der Preis davon, welche Schadstoffe in dem Gebäude verbaut worden sind und was die Entsorgung kostet. „Heute muss man ja jeden Stein vom anderen trennen“, sagt die Bürgermeisterin.

 „Bei Hausschwamm bleibt uns ja nichts Anderes übrig“, sieht Petra Triches, Fraktionssprecherin der UWG, keine Möglichkeit, die Asylbewerberunterkunft zu retten. „Es ist das Giftigste, was es gibt. Und eine Sanierung können wir gar nicht finanzieren.“ Die UWG wird sich noch während einer Fraktionssitzung mit dem Thema beschäftigen, wird aber sehr wahrscheinlich dem Beschlussvorschlag „Abriss des Gebäudes“ zustimmen.

 Auch Susanne Jakoby, Fraktionsvorsitzende der SPD, sagt: „Wahrscheinlich wird sich die Diskussion erübrigen. „Da sollte man kein Geld mehr reinstecken.“ Ausreichend Wohnraum habe man in der Gemeinde für die noch kommenden Flüchtlinge, die auch in Wohngemeinschaften untergebracht werden könnten. „Dann wären sie auch nicht mehr so isoliert.“ Die Unterkunft an der Hagener 114/116 sei auch vor der aktuellen Problematik schon eine Katastrophe gewesen.

Auch Lars Wygoda beurteilt die Sachlage so. „Nach meinem Dafürhalten kann man das Gebäude nur abreißen, das Grundstück begrünen und Ende“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende, der schon seit Jahren die schlechte Gebäudesubstanz bemängelt. Der gesunde Menschenverstand sage jedem, dass eine Sanierung nicht lohne. Dass nach einem Abriss das Grundstück für Bauinteressenten in Frage kommt, glaubt indes kaum einer. „Die Lage ist nicht so toll“, findet Lars Wygoda. „Aber vielleicht sucht ja ein Unternehmer noch eine Lagerfläche“, schaut Bürgermeisterin Birgit Tupat in die Zukunft ohne Hagener Straße 114/116.

Die Sitzung des Planungs- und Bauausschusses beginnt am kommenden Montag um 15 Uhr mit einer Straßenbereisung. Treffpunkt ist an der Turnhalle Wiblingwerde. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr an der Hagener Straße 96.

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