Vier neue Auszubildende sind noch nicht in Sicht

Bürgermeisterin Birgit Tupat (links) suchte gestern mit Jörg Schuhmacher (2.v.l) und Martin Döhler (2.v.r) bei Edeka das Gespräch mit Kai Kantimm (3.v.r) und Nicole Bornmann (rechts). Foto: Fischer-Bolz

Nachrodt-Wiblingwerde. Freude am Beruf, keine Fünf in Mathe – und schon steht einer Ausbildung bei Edeka nichts mehr im Weg. Drei oder vier Azubis möchte Kai Kantimm zum 1. August einstellen. Doch im Moment sind noch keine geeigneten Bewerber weit und breit in Sicht. Wie sich das ändern kann, wurde gestern im Rahmen der „Woche der Ausbildung“ diskutiert. Zu Gast bei Edeka waren Jörg Schuhmacher, Leiter der Berufsberatung, Martin Döhler vom Jobcenter Märkischer Kreis und Bürgermeisterin Birgit Tupat.

„Ihr müsst ‘raus“, schmunzelte Jörg Schumacher. Werbung, Werbung, Werbung: Auf der „Karriere MK-Börse“ zum Beispiel, oder bei der Onlinedatenbank für die Berufsfelderkundung. Denn schließlich konkurriere man mit vielen anderen Unternehmen und vielen anderen Berufsfeldern. Und während früher die Bewerber bei den Betrieben Schlange standen, müssen heute die Betriebe auf die jungen Leute zugehen, ihnen Türen öffnen – und vor allem: ihnen die Türen zeigen.

Ausbildung ist für Kai Kantimm eine Herzensangelegenheit. Seit 18 Jahren wird bei Edeka ausgebildet – und seit 18 Jahren werden die Azubis auch übernommen. Aktuell sind drei junge Frauen und ein junger Mann in der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann oder Kauffrau. „Aber die Arbeitszeiten schrecken viele ab“, erzählt Kai Kantimm. Schichtarbeit bei Öffnungszeiten bis 21 Uhr und vor allem der Samstag, der für Edeka ein ganz normaler Arbeitstag ist, sind nicht gerade Plus- oder Lieblingspunkte bei der Wahl eines Ausbildungsplatzes. „Dafür punkten wir mit einem familiären Umfeld.

„Und es macht richtig Spaß“, wirbt Nicole Bornmann für den Beruf. Sie selbst ist seit zehn Jahren bei Edeka – und auch über einen kleinen Umweg an der Hagener Straße gelandet.

„Ich entscheide oft aus dem Bauchgefühl“, sagt der Edeka-Inhaber. Einstellungstests gibt es bei Kai Kantimm nicht. Und Noten sind auch nicht unbedingt ausschlaggebend. „Ich finde es gut, wie Sie vorgehen. Denn viele junge Leute sind sehr nervös bei den Tests. Besser ist es, den jungen Menschen kennenzulernen“, findet Martin Döhler vom Jobcenter. Und so sind es Berufsfelderkundungen, die mittlerweile schon in der achten Klasse beginnen, und Praktika, die den Weg ebnen können. Wenn die jungen Leute denn kommen. Die Schließung der Albert-Schweitzer-Hauptschule zum Ende dieses Schuljahres wirft Edeka durchaus nach hinten – sind es doch gerade die Hauptschüler oder Realschüler, die als Nachwuchs besonders in Frage kommen.

Eine neue Möglichkeit für Betriebe – und sodann auch für den Edeka-Nachwuchs – ist übrigens die „assistierte Ausbildung“. Dabei unterstützen verschiedene Bildungsträger, die von der Bundesagentur für Arbeit finanziell gestemmt werden, die Auszubildenden mit Nachhilfe, wenn sie diese denn benötigen. Nur der Wille ist ausschlaggebend. Denn dieser kann bekanntlich Berge versetzen. So können auch Azubis, die sich in der Schule schwer tun oder bei dem einen oder anderen Fach in den Abgrund blicken, so gefördert werden, dass sie die Ausbildung schaffen.

In Nachrodt-Wiblingwerde, so die frohe Kunde der Bundesagentur für Arbeit, bildet jeder Betrieb, der ausbilden kann und darf, auch aus. Klinken putzen für Ausbildung insgesamt müssen die Vertreter der Bundesagentur für Arbeit im Rahmen der „Woche der Ausbildung“ eher nicht. Vielmehr steht jetzt die Unterstützung und die Kooperation/Vernetzung im Blickpunkt der Diskussion. Gerade der Lebensmittelbereich und das Hotel- und Gaststättengewerbe sind ein wenig die Sorgenkinder, weil bei Jugendlichen die Nachfrage nicht so groß ist.

„Aber Edeka ist jedem ein Begriff. Und Lebensmittel wird es auch noch in zehn Jahren geben“, sagt Jörg Schuhmacher und macht Kai Kantimm Mut, für die Stärken seines Betriebes auch die Werbetrommel zu rühren. Die Einzelkauffrauen und - männer werden im Rahmen ihrer Ausbildung bei Edeka auch intern geschult. Drei Mal im Jahr gibt es Seminare in Münster, bei dem es auch um Fleisch-, Käse und Wein geht. Wer sich jetzt angesprochen fühlt, könnte seine Bewerbung einfach gleich einreichen.

Zukünftig wird übrigens auch das Thema „Praktika für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive“ in Nachrodt-Wiblingwerde interessant. „Aber dafür ist die Sprache ausschlaggebend. Und das ist nicht mit einem Jahr erledigt“, sagt Birgit Tupat.

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