St. Josef Nachrodt feiert Geburtstag

100 sehr bewegte Gemeinde-Jahre

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Friedrich Petrasch kann viel erzählen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Unter ungewöhnlichen Umständen wurde am 8. Dezember 1895 die erste katholische Messe in nachreformatorischer Zeit in Nachrodt gefeiert. In einem einfachen Betsaal hielt sie Kaplan Habighorst im Beisein einer Handvoll Katholiken.

Der Geistliche ließ zuvor drei Herren des Altenaer Gefallenen-Vereins auf die Fahne schwören, dass sie ihn im Falle einer „gewaltsamen Störung des Gottesdienstes“ mit ihren Leuten schützen wollten. Denn: Weder Kirche noch Regierung hatten die Messfeier in diesem durch und durch von evangelischen Christen dominierten Gebiet genehmigt. Festgehalten und der Nachwelt überliefert hat das Ferdinand Eickhoff. Der war von 1913 bis zu seinem Tode im August 1947 katholischer Seelsorger in der Gemeinde. Ihm ist es auch zu verdanken, dass Fakten wie diese, heute noch überliefert sind. Aber der Reihe nach! Ein paar Zeilen in der historische Reihe unserer Zeitung „AK vor 100 Jahren“, die regelmäßig samstags erscheint, lauteten am 20. Februar: „(...) Am 15. Februar 1916 wurde bekannt gemacht, dass die Errichtung der katholischen Filialkirchengemeinde Nachrodt die kirchliche und staatliche Genehmigung gefunden hat. Danach werden die Katholiken der Filiale Nachrodt in der Pfarrei Altena zu einer Filialkirchengemeinde mit eigener Vermögensverwaltung und Kooperationsrechten vereinigt.“

Ab dem  15. Februar 1916 selbständig

Gebäude, das dem ehemaligen Pfarrer als Wohnung diente. Hier wurden auch Gottesdienste ohne behördliche Genehmigung gefeiert.

Die Spurensuche Richtung 100. Geburtstag begann. Das Bistum Essen, in dessen Grenzen Nachrodt heute liegt, wurde erst zum 1. Januar 1958 errichtet. Ernüchterung nach dem Anruf des dortigen Bistumssprechers, dass Essen dazu keine Details im Archiv führe. Doch die Erzdiözese Paderborn konnte helfen. Dr. Arnold Otto vom Erzbistumsarchiv forschte und fand Dokumente sowie Unterlagen und mailte kurz und knapp, dass Nachrodt in diesem Jahr am 1. April das 100-jährige Gemeindebestehen feiern könne. Schön und gut, aber wie waren sie, diese 100 Jahre, die doch Pfarrer Ferdinand Eickhoff einst so liebevoll in einer Chronik bis 1947 notiert hatte? Da kommt Friedrich Petrasch ins Spiel. Der pensionierte Lehrer und Heimatkenner publizierte in den vergangenen Jahren vielfach unter anderem in der landeskundlichen Zeitschrift des Märkischen Kreises, „Der Märker“, über Nachrodt. Akribisch nahm er sich dabei verschiedener Themen der Ortsgeschichte an – unter anderem auch der Chroniken des Ferdinand Eickhoff. Es war und ist dabei ein großes Glück, das Petrasch darauf überhaupt Zugriff hatte. Denn vor Jahren trennte sich St. Josef in einer Aufräum-Aktion fast vollständig von seinem Archiv. Petrasch hörte davon, schritt ein, rettete, was zu retten war.

Friedrich Petrasch schritt mutig ein

Pfarrer Franz Josef Cramer legte sich mit Bischof und Obrigkeit an. Er ist Gründungsvater einer katholischen Schule in Nachrodt.

 Notizen in Sütterlin-Schrift übertrug er nach und nach ins Hochdeutsche. Spannend sind die zahlreichen Fakten und Geschichten über die Konfrontation von evangelischen Christen, einem den Katholiken ganz und gar nicht gewogenen Ehrenamtmann von Löbbecke und einem kämpferischen Altenaer Pastor Franz-Josef Cramer besonders um die Jahre 1890 zu lesen. Sie spiegeln wider, wie es gewesen sein muss, als es erst drei, später aber mehr als 100 Katholiken (Industrialisierung) in Nachrodt gab, als Bischöfe und Behörden noch zustimmen mussten, wenn Gottesdienst gefeiert wurde und schulische Belange vorgeschoben wurden, um eine Kirche und Gemeinde zu gründen.

Don Camillo und Peppone

 Und immer wieder die Rastatt. Auch hier fanden Gottesdienste statt, ist das Haus durchaus auch als eine Keimzelle der bald 100-jährigen Gemeinde zu bezeichnen. Wer sich auf Petrasch-Aufsätze einlässt oder in sein Archiv blickt, fühlt sich ein klein wenig in die Welt eines Don Camillo und Peppone versetzt. Petraschs Ausführungen, seine ungewöhnlich aufwändige Recherche auf wenige Zeitungszeilen zu reduzieren, würde dem Inhalt und ihm nicht gerecht. Interessierte können die Aufsätze beim Kreis über Restexemplare des „Der Märker“ anfordern oder mit Petrasch selbst in Kontakt treten.

Gott zur Ehr - allen zur Lehr!

Pastor Ferdinand Eickhoff soll das letzte Wort haben: Er notierte einst: „Ich schrieb es nieder ,Gott zur Ehr’ und den kommenden Geschlechtern zur Lehr“. Kontakt: F. Petrasch, Tel. 30510

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