Windkraft: „Investoren sind uns egal“

Nachrodt-Wiblingwerde - „Die 22. Änderung des Flächennutzungsplans“ steht als einziger Punkt auf der Tagesordnung der Bürgerversammlung am kommenden Donnerstag. Doch was sich so trocken und unspektakulär anhört, wird in Nachrodt-Wiblingwerde für einen heißen Jahresauftakt sorgen. Denn es geht um Windenergie.

Genauer: Um das Vorhaben der Betreibergesellschaft „Naturstrom Veserde“, zwei weitere Windkraftanlagen zu bauen. Der Widerstand formiert sich längst. Und die Kommunalpolitiker sind hin- und hergerissen.

„Es geht natürlich ums Geldverdienen. Und das ist auch nicht verboten. Aber man muss abwägen: Steht die Lebensqualität der Bürger in Veserde oder das Interesse der Investoren im Vordergrund? Und da sage ich für die UWG: Die Investoren interessieren uns nicht.“ Johannes Illerhaus ist als Fraktionsvorsitzender der UWG sehr deutlich dafür, Signale zu setzen. Auf dem Podium wird Illerhaus während der Einwohnerversammlung am Donnerstag (ab 18 Uhr im Schlosshotel Holzrichter) ebenso wenig sein wie seine Mitstreiter von CDU und SPD. Bei einer interfraktionellen Sitzung haben sich die Kommunalpolitiker dafür entschieden, eher als Zuhörer dabei zu sein. „Und nur auf Fragen zu antworten – wenn es welche gibt.“ Wovon allerdings auszugehen ist, denn auch die Gegner des Vorhabens wollen bei der Versammlung Flagge zeigen.

Einer von ihnen ist Jochen Feike: „Ich schätze, der große Raum bei Holzrichter wird gut gefüllt sein.“ Seine Argumentation gegen weitere Windkrafträder stützt sich auf zwei Punkte: die gesundheitlichen Risiken („wenn ein Land wie Dänemark sagt, dass man nicht alle Risiken ausschließen kann, dann sollte uns das schon zu denken geben“) und die Technik, die seiner Meinung nach übersubventioniert ist und zu einem steuerfinanzierten Finanzanlagemodell geworden sei. „Die Schwäche der Technik ist: Ihr fehlt die Grundlastfähigkeit.“ Bei Wind und Sonne nur auf das Klima angewiesen, müsse man Kraftwerke für die Zeit vorhalten, in der die Anlagen keinen Strom produzieren könnten. Feike verweist auf den Grafik-Statistiken der Strombörse Leipzig mit Spitzen nach oben und unten, wo sogar Strom ins Ausland verschoben werden müsse – „kostenpflichtig für uns.“ Auch würden Geräte vom Netz genommen, aber der Stromausfall werde dem Betreiber vergütet. Feike: „Wir werden in unserem kleinen Dorf die Politik nicht verändern können, aber auch eine kleine Kommune muss nicht nicht immer im Gehorsam der Landesregierung folgen.“

Beide Seiten haben gute Argumente – so sieht es die SPD--Fraktionsvorsitzende Susanne Jakoby, die die Kommunalpolitiker in einer schwierigen Situation sieht: „Windenergie ist gewünscht und es gibt klare Aussagen in den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Aber auf der anderen Seite gibt es die Interessen der Menschen, die dort leben und die jetzt schon drei Windräder vor der Nase haben.“ Für Jakoby ist die gesamte Energiepolitik nicht stimmig, nicht nachvollziehbar. „Wenn im Wattenmeer die Offshore-Anlagen nicht laufen, weil wir den Strom nicht von Nord nach Süd transportieren können, warum müssen wir dann hier im Sauerland überall Windräder hinstellen.“

Mit ganz großer Wahrscheinlichkeit, so sagt Lars Wygoda, Fraktionsvorsitzender der CDU, können wir die Windräder nicht verhindern. Fraktionssitzung zum Thema ist erst nach der Bürgerversammlung. Wygoda: „Wir haben eine Zone ausgewiesen, die Windräder sollen auf eine andere Fläche dahinter. Der Abstand zur Wohnbebauung beträgt mehr als 700 Meter. Auch alle anderen Mindestwerte werden nicht nur eingehalten. Ich glaube zudem, dass Herr Spelsberg nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen die Windräder errichten lassen will, sondern dass er überzeugter Biobauer ist. Zudem sind von den 26 Gesellschaftern nicht nur zwei Bürger aus Veserde.“ Allerdings: Vor der Tür möchte Wygoda selbst auch kein Windrad haben. Und so geht es am Donnerstag um die Vorrangzone und jede Menge Emotionen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare