Nach 245.000 Kilometern ist Schluss

Bürgerbusverein: Abschied und Neubeginn

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Die Werbung muss ab - eine mühevolle Arbeit.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Ein wenig emotional war dieser Frühjahrsputz des Bürgerbusvereins schon. Denn zum allerletzten Mal wurde „ihr Bus“ gereinigt. Nun heißt es Abschied nehmen und das nach 245000 Kilometern. Doch der neue Bus steht schon bereit für die erste Fahrt. In den kommenden Wochen wird die Werbung angebracht und dann kann es los gehen. So viel gab es lange nicht zu tun für die Fahrer und Helfer.

Mühevoll musste auch der letzte Rest der Aufschriften entfernt werden. Ein echter Knochenjob. Doch zum Glück kann sich der Vorstand auf seine Mitglieder verlassen, – denn wer eben konnte, kam auch. „Da sieht man wieder, was wir für eine Gemeinschaft haben“, freute sich der Vorsitzende Herbert Ferreau. 24 aktive Fahrer zählt der Verein derzeit.

Während in einigen Nachbarkommunen Nachwuchssorgen ein echtes Thema bei den Bürgerbusvereinen sind, können sich die Nachrodt-Wiblingwerder entspannen. „Es läuft gut. Immer wieder kommen neue Fahrer hinzu. Aber wir müssen trotzdem am Ball bleiben“, mahnte Ferreau. Relativ neu dabei ist unter anderem Gerhard Wilkes. Seit einem Jahr gehört er zum Team.

„Ich finde es eine tolle Sache. Das Fahren macht wirklich Spaß und man kann etwas Sinnvolles für die Bürger in der Gemeinde tun“, erklärte Wilkes. Früher war er Lkw-Fahrer. Dass er einmal Bürgerbus fahren würde, war ihm aber schon lange klar. Auf seinen Touren hat er bereits zahlreiche Menschen kennengelernt. Denn viele Gäste, die den Bus nutzen, fahren wöchentlich. So gibt es die Senioren, die immer freitags zum Frisör fahren, die gehbehinderte Dame aus einem abgelegenen Ortsteil, die zum Arzt muss, und zahlreiche weitere Stammgäste. Im Laufe der Jahre entwickle man zu jedem eine Beziehung.

 „Als ich das erste Mal fuhr, sorgte eine Dame für die Sitzordnung. ,Heute ist Freitag, da fährt doch immer Frau XY mit. Die sitzt hier’“, berichtete Wilkes. Das seien so die kleinen Anekdoten am Rand, die viel über den Bürgerbus und das Leben im Bus aussagen würden. Aber genau so gibt es die Tage, an denen ein liebgewonnener Fahrgast nicht mehr an der Haltestelle steht. „Natürlich fällt uns das auf. Und es bewegt uns auch, wenn wir hören, dass einer unserer Fahrgäste gestorben ist oder in ein Pflegeheim umziehen musste“, erklärte Wilkes. Wilkes ist nach einem Jahr bereits Bürgerbusfahrer aus Leidenschaft.

 Auf seiner Tour komme er nämlich auch mal in die Außenbezirke. So war der Nachrodter vor seiner ersten Fahrt beispielsweise ewig nicht in Brenscheid. „Wer Bürgerbus fährt, lernt die Gemeinde mit neuen Augen kennen“, sagte Wilkes. Etwa einmal im Monat ist jeder Fahrer an der Reihe. Neben den Fahrten gibt es auch noch einen Fahrertreff. Dabei werden die Dienste aufgeteilt und die Erfahrungen ausgetauscht.

 „Geselligkeit ist wichtig. Bei uns wird jeder herzlich aufgenommen. Wir sind alle per Du“, berichtete Ferreau. Stundenlang wurde am Samstag geschrubbt. Bis auch die letzte Schrift vom alten Bus entfernt war. Das Fahrzeug wird nämlich nicht verschrottet oder verkauft, sondern geht an die MVG. Weil der Bus noch so gut in Schuss ist, wird er weiterhin als Ersatzbus eingesetzt. Wann genau der neue Bus zu seiner Jungfernfahrt starten wird, hängt in erster Linie davon ab, wann die Werbung fertig angebracht ist. Solange wird der alte Bus noch eingesetzt – völlig ohne Werbung.

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