"Brasilien ist durchaus ein heißes Pflaster"

Wiblingwerder fährt als Tontechnicker zu Olympia

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Marc Schneider-Handrup fährt nach Rio.

Nachrodt-Wiblingwerde - Marc Schneider-Handrup ist nervös, denn am Freitag, 22. Juli, geht es für ihn los in Richtung Rio de Janeiro zu den Olympischen Spielen. Der Wiblingwerder ist allerdings kein Sportler, sondern Tontechniker. Dennoch ist Rio auch für ihn etwas ganz Besonderes.

 „Ich bin Leiter der Tontechnik bei der IOC Session, also der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees, die immer kurz vor den olympischen Spielen stattfindet“, erklärt Schneider-Handrup. Er gehört damit zu einem circa 30-köpfigen internationalen Team, das für die technische Durchführung verantwortlich ist.

 Seit Monaten bereitet er sich darauf vor, schreibt Listen, spricht mit den Arbeitern vor Ort und plant alles bis ins letzte Detail. „Beispielsweise haben ich mit dem leitenden Architekten gesprochen, wie die Beschaffenheit der verbauten Materialien sein soll, schließlich soll die Akustik besonders gut werden“, erklärt der Wiblingwerder.

Um das zu gewährleisten, sei unter anderem ein spezielles Material für Vorhänge erforderlich. Es ist bereits Handrups dritte IOC-Session als Tontechniker. Aber an seine erste Session am 10. September 2013 kann er sich noch gut erinnern. Es war die 125. Session in Buenos Aires und Thomas Bach wurde zum neunten IOC-Präsidenten gewählt. „Die Versammlungen sind eigentlich immer spannend. Zumindest für jemanden, der sich nicht nur für den Sport, sondern auch für die Politik dahinter interessiert“, sagt Schneider-Handrup.

Besonders in den ungeraden Jahren ohne Olympia sei viel los. Denn dann werden die Städte verkündet, die die nächsten Sommer- oder Winterspiele bekommen. „Auf Rio bin ich aber auch gespannt. Unter anderem werden Vertreter der künftigen Olympiastädte den aktuellen Stand präsentieren und besonders gespannt bin ich auf den Bericht der Wada (World Anti-Doping Agency). Da geht es unter anderem um den Ausschluss der Russen von den Spielen, da steckt schon viel Konfliktpotenzial drin“, erklärt der Techniker.

 Viel wird er allerdings nicht mitbekommen. Denn während die Versammlung läuft, hat Handrup alle Hände voll zu tun. Seine Arbeit beginnt direkt morgen mit dem Aufbau. „Wir sind eigentlich nur die Fachplaner. Das Material wird von heimischen Lieferanten gebracht. Und eigentlich sollen die auch den Aufbau übernehmen. Aber das wird meistens nichts“, berichtet der Wiblingwerder.

Das meine er auch gar nicht böse, aber in der Regel sei es so, dass den Technikern in den Ländern das nötige Wissen fehle. „Wir sind denen meist fünf bis sieben Schritte voraus. Die große Herausforderung liegt somit gewiss darin, die kulturellen und technischen Unterschiede auf einen Nenner zu bringen, um die Veranstaltung ans Laufen zu kriegen.“

„Traumurlaub ist es nicht“ Bei der Arbeit sei man sich zudem immer bewusst, dass die Session ein Ereignis von großem internationalen Interesse ist. Da müsse nicht nur vor Ort alles klappen, sondern auch bei den TV-Übertragungen. „Ich denke, ein gesundes Maß aus Lampenfieber ist da angebracht, damit man aufmerksam genug ist und wirklich nichts schief geht.“

Die Sitzung des IOC findet in acht Sprachen statt, jede muss einen eigenen Kanal haben. „Beispielsweise ist arabisch immer auf Kanal fünf. Gibt es einen Steckfehler und die Sprache ist nicht zu finden oder die falsche Sprache ist zu hören, wäre das schon ein kleines Desaster“, erklärt Schneider-Handrup.

 Was ihn genau in Ipanema erwartet, weiß er noch nicht. „Die große Unbekannte ist die heimische Technik.“ In Buenos Aires beispielsweise habe man ihm einen uralten Übertragungswagen gestellt. „Das Team darin hatte bisher nur Fußballübertragungen gemacht zudem lief alles noch analog. Eine kleine Katastrophe. In einer Nachtschicht haben wir den ganzen Wagen neu verkabelt und umgesteckt – aber es hat funktioniert“, berichtet der Wiblingwerder.

Grundsätzlich wünscht sich Schneider-Handrup aber vor allem eines: gesund nach Hause zu kommen – so wie immer. „Traumurlaub an der Copacabana ist es nicht. Brasilien ist schon durchaus ein heißes Pflaster. Dem bin ich mir bewusst.“

 Vom Sport wird der junge Mann übrigens nicht viel mitbekommen. Am Tag der Eröffnungsfeier ist er mit dem Abbau beschäftigt. Und danach geht’s nach Hause, um mit Frau und Kindern in den Urlaub zu starten. „Es gibt meist die Möglichkeit, etwas von den Spielen zu sehen. Aber wir sind dann doch eher froh nach Hause zu können.“

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