Birgit Schulte-Pinto ist die neue Sozialarbeiterin in der Gemeinde

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Birgit Schulte-Pinto ist jetzt als Sozialarbeiterin für die Flüchtlinge zuständig.

Nachrodt-Wiblingwerde - Im Moment ist sie im Standesamt „untergebracht“, weil das Büro – im ehemaligen Jobcenter – noch nicht fertig ist. Dort sind die Wände feucht. Im Juli kann Birgit Schulte-Pinto aber umziehen und dann auch zweimal wöchentlich offene Sprechstunden anbieten. Birgit Schulte-Pinto ist seit dem 1. Mai die neue Sozialarbeiterin der Gemeinde – und mit einer wöchentlichen 19,5 Stunden-Stelle für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig.

Zwölf Bewerbungen hatte die Gemeinde bekommen. „Da waren schon ein paar Exoten dabei: Einige, die vom Arbeitsamt aufgefordert worden waren, sich zu bewerben. Andere, die gesundheitliche Einschränkungen hatten. Birgit Schulte-Pinto ist zwar keine gelernte Sozialarbeiterin, hat aber den großen Vorteil, dass sie die Leute über die Flüchtlingskreis-Arbeit kennt und auch eine große Akzeptanz bei den männlichen Asylbewerbern hat. Sie kann auch klare Ansagen machen und ist durchsetzungsfähig. Für uns ist sie die beste Wahl“, strahlt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer und freut sich über die Verstärkung. 

Denn mit Birgit Schulte-Pinto werden auch andere Mitarbeiter im Amtshaus, die mit der Betreuung der Flüchtlinge beauftragt sind, zukünftig entlastet. 25 Jahre hat die Nachrodterin als Lohn- und Finanzbuchhalterin gearbeitet. Sie hat Zusatzausbildungen als Ausbilderin und als Entspannungspädagogin. Dass sie die Stelle bekommen könnte, damit hatte die 59-Jährige allerdings so gar nicht gerechnet. „Ich bin ja keine Sozialpädagogin“, sagt Birgit Schulte-Pinto, die sich nach einem Gespräch mit Bürgermeisterin Birgit Tupat bewarb. 

Ihre Arbeit im Flüchtlingskreis, in dem sie sehr engagiert ist und über den sie auch zwei Patenschaften für Flüchtlings-Familien übernommen hat, und die Tatsache, dass sie „unheimlich gern mit Menschen arbeitet“, machen sie stark für einen spannenden, aber auch schwierigen Job. Sachliche Distanz, Konsequenz, aber auch Herzenswärme sind gefragt. „Ich habe auch die Fähigkeit, energisch zu werden“, sagt Birgit Schulte-Pinto.

Sie weiß, dass bei vielen Flüchtlingen die Bereitschaft da ist, „sich in unserer Gesellschaft anzupassen“. Birgit Schulte-Pinto hat in ihren ersten Arbeitstagen schon einige Flüchtlings-Familien besucht. Dabei geht es ihr beispielsweise um die Fragen: Haben die Kinder ein Vorsorgeheft, sind sie geimpft? Haben die Eltern in irgendeiner Form einen Nachweis über eine Ausbildung. Und was gibt es für Probleme? „Ganz schwerwiegend ist die Tatsache, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Totenstarre gefallen ist. 

Es passiert nichts. Wir haben Menschen, die viele Monate hier sind, aber nicht einmal registriert sind. Die Leute hängen in der Warteschleife und haben keine Möglichkeit, etwas zu machen. Wir versuchen, die Familien in Wohnungen unterzubringen. Und es gibt auch drei Männer-Wohngemeinschaften“, erzählt Birgit Schulte-Pinto. Von vielen Schicksalen weiß sie längst. Und sie kennt auch die Versprechungen, mit denen Schlepperbanden Geschäfte machen. „Wenn sie nach Deutschland kommen, bekommen sie ein eigenes Haus und ein Auto. Und wenn hier ein Baby geboren wird, bekommen sie 4000 Euro von der Regierung. Es gibt welche, die das glauben“, sagt Birgit Schulte-Pinto. Doch das hohe Risiko, das die meisten Flüchtlinge auf sich nehmen würden, „geht man nicht für 4000 Euro ein.“ 

In Nachrodt lebt eine Familie, die ein Kind auf der Flucht verlor. Es ertrank. „Sie hatten pro Person 8000 Euro für eine Überfahrt auf einer Yacht bezahlt, doch die stellte sich als verrostetes Fischerboot heraus, das auf dem Mittelmeer auseinanderbrach. Mehr als die Hälfte der Passagiere ertrank.“

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