Modernes Bauverfahren an der Ehrenmalstraße

Den Straßenkörper baut das Bauunternehmen an der Ehrenmalstraße in mehreren Schichten mit einem netzartigen Kunststoffgeflacht auf. Das soll dem Fahrbahnuntergrund Stabilität verleihen. Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein spezielles Verfahren wendet das Bauunternehmen derzeit beim Neubau der Ehrenmalstraße (L692) an: Der Fahrbahnuntergrund wird mit einem speziellen Gewebe befestigt, das die Zugkräfte aufnehmen und über Reibung in den Boden abtragen soll. „Bewehrte Erde“ nennt sich diese Bauweise, die seit den 1960er Jahren bekannt ist.

„In dieser Region haben wir mit diesem Verfahren noch nirgendwo gearbeitet“, erklärte Michael Overmeyer, Pressesprecher des Landesbetriebs Straßen.NRW, dass die L 692 auf Gemeindegebiet nach neuen Erkenntnissen der Straßenbauer aufgebaut wird. Bauingenieur Olaf Bühren erklärte vor Ort die Problematik an dieser fast 100 Jahre alten Straße: Der Fahrbahnuntergrund war ein Gemisch als Fels, Steinen und Lehm, das sich langsam Richtung Tal bewegte. Deshalb wurde auch die Gasleitung an die Hangseite verlegt.

Die Straße hat das Bauunternehmen dann tief bis auf den festen Fels ausgekoffert, teilweise den Felsen sogar entfernt. Der neue Straßenkörper wird nun nach dem Prinzip der Bewehrten Erde aufgebaut: Auf ein netzartiges Kunststoffgewebe wird etwa 50 Zentimeter dick Schotter aufgebracht und verdichtet, dann wird das Gewebe herumgeschlagen und befestigt, so dass der Schotter nicht mehr herausgleiten kann. So wird Schicht für Schicht aufeinandergelegt, bis am Ende des geplante Straßenniveau erreicht ist. „Wir nehmen den schlechten Boden ‘raus und füllen standfesten Boden ein“, erklärte Bühren in einem Satz, was derzeit passiert.

Zur Talseite hin wird der Straßenkörper gleichzeitig mit einer zwei bis vier Meter hohen gabionenartigen Steinwand verkleidet. Das hat optische, aber auch technische Gründe, wie Bühren erklärt: „Das Kunststoffgewebe ist eigentlich sehr stabil und hält 80 bis 100 Jahre, muss aber vor UV-Licht geschützt werden, weil es sonst spröde wird.“ An flachen Hängen könne das einfach mit Erde geschehen, an der Ehrenmalstraße haben es die Straßenbauer jedoch mit einem Steilhang zu tun.

Nun könnte der UV-Schutz auch durch ein Betonbauwerk gewährleistet werden, „uns war aber auch die Integration in die Landschaft wichtig“, betonte Bühren. Deshalb fiel die Wahl auf die Gabionenwand, obwohl deren Installation etwas mühsam erscheint. „Jeder Stein wird hier von Hand an seinen Platz gelegt, damit sich das Material später nicht setzt und in der Wand ein unschöner Bauch entstehen kann“, erklärt der Bauingenieur. Trotzdem habe die Gabionenwand gegenüber einem Stahlbetonbauwerk Vorteile, und zwar nicht nur optische. „Eine Betonwand hätte eine längere Bauzeit und einen hohen Aufwand mit vielen Arbeitsschritten bedeutet“, gibt Gürsel Sivel, Projektleiter vom Landesbetrieb Straßen.NRW, zu bedenken.

Der sehr aufwändige Neubau der Ehrenmalstraße auf einer Länge von gut 300 Metern wird am Ende eine Straße zur Folge haben, die komfortabler befahren werden kann. „Durch diese Bauweise gewinnen wir an Breite“, erklärte Sivel. Die alte Straße war etwa 5,80 Meter breit, die neue wird 6,50 Meter messen.

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