"Die statische Belastbarkeit geht voll in die Knie“

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Holger Selve (links - hier  mit Sebastian Putz) erklärte das Problem mit dem Hausschwamm sehr unterhaltsam

Nachrodt-Wiblingwerde - Auch das Schlimmste kann man unterhaltsam verkaufen: „Der Schwamm ist nicht giftig, mit dem können Sie bequem im Wohnzimmer leben, der fällt auch nicht über Sie her“, erzählte Holger Selve und schaffte es, das eher traurige Kapitel „Hausschwamm in den Flüchtlingsunterkünften Hagener Straße 114/116“ für die Planungs- und Bauausschussmitglieder sehr anschaulich zu erklären.

Um es vorweg zu nehmen: Einstimmig haben sich die Kommunalpolitiker von SPD, CDU und UWG für einen Abriss des Hauses ausgesprochen. Wie das AK berichtete, wurde im Haus Hagener Str. 116 Hausschwamm gefunden und durch eine Laboruntersuchung bestätigt. Der Schwamm ist im Erdgeschoss und Obergeschoss, direkt an der Trennwand zum Haus 114. „Nebenan“ gab es zwar keine Untersuchung, da das Haus noch bewohnt war, man weiß aber, dass Wände für einen Schwamm kein Hindernis bedeuten. Kosten für eine Sanierung: knapp 640000 Euro.

 Das ganze Dilemma hatte sich Diplom-Ingenieur Holger Selve vor Ort angesehen. „Der Schwamm hängt nicht offen an der Wand und wartet darauf, dass man ihn sieht“, so der Experte, der den Politikern einen schnellen Abriss des Hauses ans Herz legt. „Die statische Belastbarkeit geht voll in die Knie“, ist sich Holger Selve sicher.

 Der Zerstörungsgrad sei rasant. Der Hausschwamm sei in der Lage, Holz in Torf zu verwandeln. Reingehen dürfe also eigentlich niemand mehr in die Asylbewerberunterkünfte. Doch auch ein Abriss ist teuer. Nach Einschätzung eines Abbruchunternehmers liegen die Kosten bei 50000 Euro. „Ein Abriss bedeutet Aufwand in unserem Haushalt. Da müssen wir im Rahmen der Haushaltsplanberatungen drüber reden“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat.

Interessant in der Debatte waren zwei Fragen der Ausschussmitglieder. Josef Fieroch von der UWG wollte wissen, wie man auf die herausstechende Summe für den Honoraraufwand (100000 Euro) gekommen sei. Denn zu den Sanierungskosten würde eben diese Summe draufgeschlagen. „Wir sind auch dafür, dass die beiden Häuser abgerissen werden, aber wie kommen wir zu den Kosten? Ich bitte darum, dass wir Zahlen auf den Tisch bekommen, die auch wirklich relevant sind.“ Holger Selve entgegnete, dass bei einer Sanierung nur die Außenwände stehen bleiben würden. Die besagten 100000 Euro „sind für alles, was nicht die Handwerker bekommen.“

Aber woher kommt der Schwamm? Diese Frage stand für Christian Pohlmann im Mittelpunkt der Debatte. „Ist es zu erwarten, dass er vielleicht ein paar Meter weiter an der Hagener Straße 150 wieder auftaucht?“, wollte der Sozialdemokrat wissen. Darauf hatte Holger Selve keine konkrete Antwort, verwies aber darauf, dass die Sporen, der Samen des Schwammes allgegenwärtig sind und ein Medium an Feuchtigkeit benötigen, um gedeihen zu können. „Man kann davon ausgehen, dass Wasser eine gewisse Rolle spielt.“ Christian Pohlmann setzt auf Vorsicht: „Da die Umstände an der Hagener Straße 150 ähnlich sind wie in 114/116, sollte man da vielleicht vorbeugend nachschauen.“

Bevor das nächste Kind in den Brunnen fällt? „In Nachrodt scheint es so zu sein, dass alles, was saniert und repariert werden muss, von Grund auf saniert werden muss. Im Amtshaus mussten auch erst die Akten anfaulen, bevor man etwas festgestellt hat. Wir beschäftigen einen gut bezahlten Bauingenieur und alles kommt danieder und muss umfangreich repariert werden“, schimpfte Peter Herbel (CDU). Seine Partei war wie SPD und UWG ebenfalls für den Abriss des Asylbewerberheimes. „Die Frage ist nur, wo wir dann die Leute unterbringen?“, so Herbel. Im Moment gebe es da keine Probleme. „Wir haben noch Leerstand“, sagt Birgit Tupat.

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