56-Jähriger aus Nachrodt wegen Betrugs angeklagt

Nachrodt-Wiblingwerde - Mit Hochrisikoanlagen soll ein 56-Jähriger aus Nachrodt zahlreiche Anleger um ihre Ersparnisse gebracht haben. Am Dienstag begann im Amtsgericht Altena das Verfahren gegen den Versicherungskaufmann von Neuem. Ein erster Anlauf war im Mai ausgesetzt worden.

Damals hatte der wichtigste Zeuge gefehlt.

Viele Anleger in Altena und weiteren Städten Norddeutschlands warten seit sieben bis acht Jahren auf die Rückzahlung ihres Geldes und die Zahlung der ihnen versprochenen Renditen. Der Angeklagte soll ihnen monatliche Prozentsätze von zwei bis drei Prozent versprochen haben – eine Verzinsung, die weit über dem liegt, was heute üblicherweise jährlich für Sparanlagen gezahlt wird.

Viele Anleger vertrauten dem Geschäftsmodell und überwiesen Beträge zwischen 5000 und 132 500 Euro auf ein Konto des Angeklagten in der Schweiz. Im Gegenzug gab es das Versprechen hoher monatlicher Zinszahlungen oder einer thesaurierenden, also erst am Laufzeitende fälligen Anlage, die innerhalb von nur sieben Jahren beispielsweise aus 7500 Euro 52 191,26 Euro machen sollte. Um die Anleger zunächst in Sicherheit zu wiegen, soll das Unternehmen, bei dem der Angeklagte beschäftigt war, zumeist einige Zinszahlungen geleistet haben. Nach spätestens einem Jahr, zumeist aber erheblich früher endeten diese Zahlungen jedoch. Die betroffenen Anleger wurden auf diese Weise laut Anklage um einen Betrag von mehr als 400 000 Euro betrogen.

Über diese 31 Anklagepunkte hinaus wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Betrug an einer in Liechtenstein ansässigen Versicherungsgesellschaft vor. Er soll Provisionsvorschüsse von dem Unternehmen kassiert haben, obwohl die den Anlegern versprochenen Einzahlungen auf deren Lebens- und Rentenversicherungen nicht geleistet wurden.

Für die Beweisaufnahme in dem komplexen Verfahren müssten Zeugen aus der gesamten Bundesrepublik anreisen. „Wir haben genügend Zeit, um sämtliche Geschädigten zu hören“, deutete Richter Dirk Reckschmidt den Willen des Schöffengerichts an, die Sache umfassend aufzuklären. „Wo ist das Geld, wer hat es, und ist der (nicht erschienene) Mitangeklagte mit einem Teil des Geldes abgehauen?“, nannte er zentrale Fragen des Strafverfahrens. Die wichtigste lautet allerdings: Wieviel wusste der Angeklagte von all dem?

Der 56-Jährige zog sich zunächst auf sein Schweigerecht zurück. Er selbst scheint kein Nutznießer der verschwundenen Gelder zu sein: „Von Hartz IV“ beantwortete er kaum hörbar die Frage des Vorsitzenden, wovon er derzeit lebe. Beim ersten Anlauf zu dem Verfahren hatte er berichtet, dass er selbst durch die Finanzmanipulationen sein Haus verloren habe.

Der erste Zeuge schaut offenbar auf ein bewegtes Leben zurück: Der Mann wurde in Mannheim schon vor Jahren wegen Anlagebetruges zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. Er soll am 26. August Licht in das Dunkel des verschwundenen Geldes bringen. Rechtsanwalt Michael Aßhauer nährte Hoffnungen, dass in der Schweiz doch noch ein Teil des Geldes geparkt ist: „Das Kapital ist nicht verschwunden“, behauptete er. - thk

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