20 Kormorane an der Lenne

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Nachrodt-Wiblingwerde - Eigentlich kommen sie zur Lenne, um zu entspannen. Am Samstag kamen sie allerdings ganz schön ins Schwitzen. Denn: Trotz tropischer Temperaturen trafen sich die Mitglieder des Nachrodter Angelfischervereins am Lenneufer zur großen Aufräumaktion. Sonne, Dornen, Bärenklau und jede Menge Müll konnten den Vereinskameraden die Stimmung nicht vermiesen.

„Wir treffen uns vier Mal im Jahr, um entlang des Ufers für Ordnung zu sorgen“, erklärte Georg Schellhas, zweiter Vorsitzender des Vereins. Angler, die sich mindestens zweimal im Jahr an einer Aktion beteiligen, bekommen sogar eine Vergünstigung. Doch nur für den finanziellen Vorteil war am Samstagvormittag niemand da.

„Wir wollen natürlich nicht im Müll angeln. Außerdem tun wir so etwas für die Natur – das ist unser Antrieb“, betonte Schellhas. Und so hatten die Angelfreunde nicht wie sonst Angel und Köder im Gepäck, sondern Heckenscheren, Müllsäcke und Arbeitshandschuhe. „Wir sammeln zum einen an verschiedenen Stellen Müll. Zum Beispiel im Bereich Einsal. Aber wir schneiden auch die Zuwege ein wenig frei und entfernen vor allem den Bärenklau“, erklärte Schellhas das Vorgehen.

 Vor allem der Bärenklau sei ein großes Problem. Alleine, so war man sich einig, bekomme man das Problem an der Lenne wohl nicht in den Griff. Die Pflanze, die für Verätzungen und Verbrennungen auf der Haut verantwortlich ist, breite sich im Bereich des Ufers immer weiter aus. „Da leisten wir mit unserer Aktion auch durchaus einen Beitrag für die Nachrodt-Wiblingwerder. Wir schützen mit der Aktion Kinder und Wanderer, die sich gegebenenfalls im Uferbereich aufhalten, vor der gefährlichen Pflanze.“

Grundsätzlich sei 2016 bisher eher ein durchwachsenes Anglerjahr. Vor allem im Bereich des Wehrs in Nachrodt komme es momentan zu Problemen. Aufgrund der Baumaßnahmen sei der Wasserstand etwa 1,50 Meter niedriger als normal. Die Fische könnten so nicht mehr die Fischtreppe nutzen und würden durch die Strömung in Richtung Letmathe gedrängt. „So extrem und langwierig war bisher noch keine Maßnahme, aber wir müssen uns damit arrangieren“, sagte der zweite Vorsitzende.

Viel größere Sorgen bereite ihm der Kormoran. Die Vögel hätten sich in den vergangenen Jahren immer mehr im Bereich der Lenne angesiedelt. „Eigentlich gehören diese Tiere nicht hier her. Wir sind auch Naturschützer, daher fordern wir auch nicht, dass der Kormoran ausgerottet werden soll, im Gegenteil. Aber er soll zumindest so im Bestand reguliert werden, dass ein natürliches Gleichgewicht möglich ist“, so Schellhas.

Ein Kormoran ernähre sich von rund 500 Gramm Fisch am Tag. Derzeit seien im Bereich der Nachrodter Lenne bis zu 20 Tiere gezählt worden. „Fische wie beispielsweise die Äsche, die nicht so ein Fluchtverhalten haben wie unter anderem die Forelle, haben kaum eine Chance. Mittlerweile darf die Äsche nicht mehr geangelt werden, weil sie als gefährdet gilt. Das kann es nicht sein“, so der Angler.

Der Verlust sei mittlerweile so groß, dass auch der jährliche Besatz nicht mehr helfe. „Wir müssen einen Kompromiss für das natürliche Gleichgewicht finden“, appellierte Schnellhas an die Naturschützer, die derzeit eine kontrollierte Bejagung der Tiere vehement ablehnen würden

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