"Er war nur beratend tätig"

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein 56-jähriger Angeklagter aus Nachrodt soll als Anlageberater daran mitgewirkt haben, zahlreiche Anleger aus Altena und anderen Orten – vor allem in Norddeutschland – um ihre Ersparnisse zu bringen. Der Mann bestreitet, von den kriminellen Machenschaften des Finanzunternehmens gewusst zu haben.

Auf dem Wege einer Erklärung seines Strafverteidigers Michael Aßhauer wies der Angeklagte den Vorwurf zurück, Anleger bewusst über betrügerische Anlagemodelle getäuscht zu haben: „Er war völlig überrascht von der Verhaftung. Er war sich nicht bewusst, irgendeine Straftat begangen zu haben“, erklärte der Anwalt.

 Sein Mandant habe keine rechtskräftigen Verträge für das Finanzunternehmen tätigen können – geleistete Unterschriften seien mit einem „in Vertretung“ versehen, was darauf hindeute, dass sein Mandant keine eigenen Entscheidungs- oder Leitungsbefugnisse gehabt habe. „Er war insofern nur beratend tätig“, sagte der Anwalt. 2005 habe sein Mandant den späteren Kopf des Unternehmens kennengelernt – jenen Mitangeklagten, der sich dem Verfahren im Amtsgericht Altena entzogen hat. „Wir kriegen ihn nicht. Der ist weg. Die Zielfahndung des Bundeskriminalamtes ist nicht erfolgreich“, bedauerte Richter Dirk Reckschmidt. Anwalt Michael Aßhauer sieht in diesem abwesenden Mitangeklagten den eigentlichen Verantwortlichen für den möglichen Betrug: „Er ist dem Angeklagten gegenüber aufgetreten, als hätte er besondere Kenntnisse.“ Seine Idee sei es auch gewesen, Anlageprodukte und Versicherungsverträge zu einem Paket zusammenzuschnüren. Eine besondere Rolle kommt dabei der Versicherungsgesellschaft zu, mit der das Finanzunternehmen, in dessen Diensten der Angeklagte stand, zusammenarbeitete.

Entsprechende Zeugen in der Schweiz und Liechtenstein sind zum Bedauern des Gerichtes allerdings schwer zu einer Zeugenaussage in Deutschland zu bewegen. Trotz entsprechender Rechtshilfeabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz scheinen gerichtliche Ladungen in die Schweiz zuweilen als eine Art kleiner Kriegserklärung interpretiert zu werden. All das macht das Verfahren nicht leichter, dessen Betrugsvorwürfe gegen den Angeklagten zudem im Sommer verjähren würden. Rechtsanwalt Michael Aßhauer schob einem klärenden Gespräch zwischen seinem Mandanten und dem Schöffengericht zudem einen dauerhaften Riegel vor: „Mein Mandant wird sich ausschließlich schriftlich äußern.“

Das Verfahren wird am 21. Oktober, neun Uhr – möglicherweise mit der Vernehmung erster Zeugen aus dem Feld der vielen Anleger – fortgesetzt. „Zwei, drei potentiell Geschädigte kommen hier aus der Gegend“, verriet Richter Dirk Reckschmidt.

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