Schlichtungsversuche mit Besitzer gescheitert

Nach Eskalation gibt junger Bäcker Brockmann auf

Zusammen mit der Gemeinde sucht Jens-Christian Brockmann nun nach neuen Räumen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Jens-Christian Brockmann gibt auf. Er kann nicht mehr. Schweren Herzens bleibt seine gut laufende Backstube in Wiblingwerde ab Dienstag geschlossen. Alle Schlichtungsversuche mit dem Besitzer der Immobilie sind gescheitert. Die Eskalation am Montagmorgen zwang den Bäcker zur Aufgabe. Selbst das Eingreifen des Ordnungsamtes konnte dies nicht verhindern.

Bereits seit Wochen ist das Verhältnis zwischen Bäcker Brockmann und Vermieter Rudolf Steltzner angespannt. „Jeder Fortschritt wird boykottiert. Beispielsweise die Anschaffung einer Brotschneidemaschine. Um alles musste man erbittert kämpfen“, erzählt Brockmann. 

Montag sollte dann ein neuer Ofen geliefert werden. Der alte war schlicht zu klein geworden und dem Bäcker gingen am Morgen die Brötchen aus. Insbesondere am Wochenende sei das Pensum kaum machbar gewesen. 

Bürgermeisterin Tupat als Schlichterin aktiv

Das alles sei, so Brockmann, im Vorfeld mit Steltzner abgestimmt gewesen. Das bestätigte auch Bürgermeisterin Birgit Tupat, die in den vergangenen Wochen mehrfach als Schlichterin im Einsatz war.

Als am Morgen die Monteure mit dem Ofen kamen, wurden sie vom Steltzner heftig beschimpft und rausgeworfen. Brockmann rief das Ordnungsamt. Wenige Minuten später versuchte Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer die Situation zu entschärfen. Doch auch der erfahrene Verwaltungsmitarbeiter kam an seine Grenzen: „So etwas habe selbst ich noch nicht erlebt. Ich wurde wild beschimpft und rausgeworfen. Es war gar kein vernünftiges Gespräch möglich.“ 

Umsätze stimmen, Lob von der Handwerkskammer

Boshamer sah keinen anderen Ausweg, als die Aufgabe. „Das bringt nichts, er würde nicht aufhören, den jungen Mann zu terrorisieren. Wir müssen eine andere Lösung finden“, so der Verwaltungsmitarbeiter. Bedauerlich, denn die Umsätze stimmten. Es gab sogar Lob von der Handwerkskammer. Vier neue Arbeitsplätze waren im vergangenen Jahr entstanden. Und die Grundidee, die einst dahinter steckte, war mehr als löblich.

Steltzner, der einst selbst Bäcker war, stellte dem jungen Unternehmensgründer seine leerstehenden Geschäftsräume kostenfrei zur Verfügung bis das Geschäft Gewinne erwirtschaftet. Für Brockmann ideal. Mit jeder Menge Herzblut ging er ans Werk. „Ärgerlich ist, dass ich bisher nur einen Vertrag habe, dass ich die Räume nutzen kann. Den richtigen Mietvertrag hat er nie unterschrieben, obwohl er es der Bürgermeisterin in einem Schlichtungstermin versprochen hatte“, erzählt Brockmann.

Warum will er mehr Brötchen backen?

Steltzner selbst sieht die Schuld allein bei Brockmann. „Warum will er mehr Brötchen backen? Die Leute können doch auch zu einem anderen Bäcker im Dorf gehen. Gibt doch genug“, sagte er am Montag auf Anfrage. 

Er betonte, dass er nie einen neuen Ofen genehmigt hätte. „Soll er doch mal tagsüber arbeiten und nicht immer ab 3 Uhr in der Nacht“, schimpfte er weiter. Auf die Frage, ob ihm klar sei, dass er so vielleicht einem Jungunternehmer jegliche Existenzgrundlage entziehe, entgegnete er lautstark: „Ist mir doch egal. Der kann auch in einer anderen Bäckerei arbeiten.“

Zusammen mit der Gemeinde sucht Brockmann nun nach neuen Räumen, um sein erfolgreiches Geschäft fortsetzen zu können. Der Ofen lagert derzeit übrigens beim Bauhof. In das Gebäude rein wollte nach dem Vorfall niemand mehr.

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