Da möchte kein Hund leben? „So schlimm ist es nicht“

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Nachrodt-Wiblingwerde - „Da möchten keine Hunde wohnen.“ Dieser Satz, der nicht nur ganz nebenbei während der AK-Redaktionsgesprächsrunde mit drei Syrern gefallen ist, hat so einige Menschen aufgeschreckt. Sieht es wirklich so furchtbar in den Asylbewerber-Unterkünften in Nachrodt aus? Ist es unzumutbar, dort zu wohnen? Das AK war am Dienstag vor Ort.

Von Luxushotels sind die Häuser an der Hagener Straße 114/116 und 150 Lichtjahre entfernt. „Aber wir versuchen es, vernünftig hinzukriegen“, sagt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer. Er empfand die Aussage von Wagih Junbullat, der seit sechs Monaten in der Gemeinde lebt und eine Weile „in der 114/116“ gewohnt hat, als eine Frechheit.

Tatsächlich sind die Verhältnisse vor Ort nicht sensationell, nicht kuschelig oder einladend, aber auch nicht katastrophal. Hausmeister Andrej Wacker bringt gerade ein komplettes Erstpaket inklusive Decken und Toilettenpaket zur Hagener Straße 150. Eine dreiköpfige Familie aus Syrien wird erwartet, die übergangsweise dort wohnen soll.

15 Menschen – überwiegend aus Algerien und Albanien /Kosovo – leben in der Asylbewerber-Unterkunft am Rande der Gemeinde. Auch zwei Deutsche haben dort ein Dach über dem Kopf. Sie waren von Obdachlosigkeit bedroht. Geputzt werden soll auch. „Das machen in 150 die Albaner, in 114/116 zwei Nigerianer, Marcenos und Cyril“, sagt Axel Boshamer. Die Nigerianer ziehen in dieser Woche in eine andere Wohnung, wollen sich aber weiter kümmern.

Apropos kümmern. Das ist möglicherweise das Hauptproblem. Als im Haus an der Hagener Straße 114/116 in einem Zimmer der Schimmel an der Wand hochkroch, musste es komplett renoviert werden. „Es wurde dort einfach nicht gelüftet“, sagt Axel Boshamer. 6000 Euro musste die Gemeinde bezahlen, um das Drama zu beseitigen. Auch Lüftungsklappen wurden eingebaut. „Vorher hat in dem Zimmer eine Familie aus dem Kosovo gewohnt. Da hat es diese Sachen nicht gegeben“, sieht Axel Boshamer auch ein Problem im Umgang mit den zur Verfügung gestellten Räumen.

Sauber und nicht unansehnlich: Die Familie aus Syrien, die gestern in die Gemeinde kam, fand diese Küche vor.

Als Andrej Wacker die beiden Häuser abfährt, sind alle Bewohner unterwegs. Aber überall brennt Licht. Es herrschen fast tropischeTemperaturen. Ein Herd, gerade eine Woche alt, wie der Hausmeister erzählt, hat jetzt schon die besten Tage hinter sich. Das haben die Unterkünfte insgesamt allemal.

Und so sind jetzt Renovierungen geplant. In den Häusern 114/116 sollen die Toiletten erneuert werden. „Wir wollen die alten Keramiktöpfe gegen Edelstahl austauschen“, sagt Axel Boshamer. Ein Grund: Edelstahl sei robuster und würde andere Toiletten-Gepflogenheiten, zum Beispiel die, sich auf die Toilette zu stellen, eher aushalten. Duschwände und Abtrennungen sind in die Jahre gekommen und sollen ersetzt werden.

Auch eine neue Heizung ist angedacht. „Wir möchten auf Gas umstellen“, sagt Axel Boshamer mit Blick auf die alten Nachtspeicherheizungen. Wenn sowohl die Tanks als auch die Heizkörper ausgetauscht würden, könne man auf Dauer sicher Geld sparen.

Den Kommunalpolitikern sollen die Pläne inklusive drei Alternativ-Vorschläge so bald als möglich vorgestellt werden.

„Ich würde mir wünschen, dass wir alle viel besser unterbringen könnten. Aber das können wir angesichts der Menge der Leute nicht, die kommen“, sagt Susanne Jakoby. Als Sprecherin des Flüchtlingskreises der Gemeinde und auch als SPD-Fraktionsvorsitzende sieht sie die Anstrengungen der Verwaltung. „Wir haben uns die Unterkünfte zusammen angesehen.

Es gibt natürlich an der einen oder anderen Stelle Verbesserungsbedarf. Aber so schlimm ist es nicht, und ich kann verstehen, dass sich Axel Boshamer über die Aussage ,dort möchte kein Hund leben’ geärgert hat.“ 50000 Euro sind im Haushalt für Renovierungen der Unterkünfte vorgesehen. „Wir versuchen unser Möglichstes.“

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