„Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden“

Johannes Feldhagen ist erblindet. Er wollte sein Amt als Blutspendebeauftragter an seine Tochter Alexandra (rechts) weitergeben. Doch der Blutspendedienst findet sie zu jung.  Foto: sanna

Nachrodt-Wiblingwerde - Hinter den Kulissen sieht so manches anders aus. Ganz anders. „Insbesondere in kleinen Ortsvereinen wird es immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden, die sich um die Blutspenden kümmern“, hatte Michael Pingel, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Zentrum für Transfusionsmedizin in Hagen, noch vor einer Woche beklagt. Und freudig sodann verkündet, dass die Wiblingwerder Blutspendebeauftragte Gisela Gundermann im Tal übernimmt. Doch Fakt ist: Einige junge Engagierte hat Pingel vergrault.

Dass sich Heike und Johannes Feldhagen aus gesundheitlichen Gründen aus der Organisation der Blutspendetermine in Nachrodt zurückziehen mussten, entspricht den Tatsachen. Johannes Feldhagen ist erblindet und wollte sein Amt als Blutspendebeauftragter an seine Tochter Alexandra weitergeben. Die war Feuer und Flamme, hatte ein eigenes, junges Team um sich geschart. Doch der Blutspendedienst möchte ihr die Aufgabe nicht zutrauen.

„Eigentlich war alles klar. Und unsere Tochter hat auch alle Lehrgänge gemacht“, sagt Heike Feldhagen von Calle. Die Familie versteht gerade die Welt nicht mehr. „Für mich ist das Schlimmste, dass alle nach jungen Leuten schreien, und dann setzt man sie einfach an die Luft“.

Alexandra von Calle ist 19 Jahre alt. „Zu jung“, findet Michael Pingel, „für so eine verantwortungsvolle Aufgabe.“ Er bot der jungen Nachrodterin an, sich mit ihrem Team einzubringen und Hilfestellung für Gisela Gundermann zu leisten. „Anfänglich war sie von der Idee angetan, jetzt hat sie sich komplett zurückgezogen“, erklärt Michael Pingel im AK-Gespräch. Während der Pressereferent behauptet, dass die Familie Feldhagen von heute auf morgen aufgehört und er sich auf die Suche nach Alternativen gemacht hätte, erklären die (ehemaligen) Blutspendebeauftragten, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Stand der Dinge: Die jungen Leute wollen allesamt nicht unter Gisela Gundermann arbeiten und sind „für den Blutspendedienst verloren.“

Dass die Blutspendetermine in der Lennehalle nicht so gut angenommen werden, spielt auch eine Rolle in einem Schauspiel des allgemeinen Unmutes. Und spätestens jetzt kommt auch die zwischenmenschliche Komponente ins Spiel.

„Die Betreuung an den Betten war immer ein kleines Defizit“, erklärt Michael Pingel. „Unsere Mitarbeiter berichten mir auch, dass das Zwischenmenschliche nicht so glücklich war.“ Diesen Vorwurf möchte Heike Feldhagen nicht im Raum stehen lassen: „Die Blutspender, mit denen wir gesprochen haben, können darüber nur mit den Kopf schütteln“. Auch der Kritikpunkt, es sei nicht alles sauber gewesen, von dem Heike Feldhagen gehört hat, stimme so ganz und gar nicht. „Ich habe noch nie erlebt, dass es bei uns dreckig war.“ Für den Rückgang der Blutspender macht Heike Feldhagen den Umzug von der Rastatt in die Lennehalle verantwortlich. „In der Rastatt war immer alles super. Und auch viele, die vorbei gefahren sind, haben angehalten und Blut gespendet.“ Mehr als zehn Jahre war ihr Mann Blutspendebeauftragter – das man jetzt die Keule raushole, empfindet sie als „sehr gemein“.

Dass die Örtlichkeit „Rastatt“ für die Blutspende freundlicher und „heimeliger“ war, findet auch Michael Pingel. „Aber wir haben ein neues Fahrzeugkonzept. Das Equipment wiegt über eine Tonne. Und in der Rastatt sind zwei Treppenanlagen zu überwinden. Das ist nicht zu bewältigen“, sagt Michael Pingel. Ebenerdig sei weit und breit für diese Zwecke nur die Lennehalle zu erreichen.

Pingel bedauert übrigens den Rückzug von Alexandra von Calle. Mit Blick auf das Alter von Gisela Gundermann hätte sie in drei/vier Jahren vielleicht die Blutspendeorganisation in Nachrodt übernehmen können. „Jetzt war mir der Zeitpunkt zu verfrüht.“

Animositäten zwischen den Blutspendebeauftragten in Nachrodt und Wiblingwerde soll es bislang nicht gegeben haben. Feldhagen: „Es hat nie Probleme gegeben. Deshalb finde ich es auch so traurig, dass das jetzt so abgelaufen ist. Das sieht ja nach Schmu aus.“

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