Renate und Rolf Meier ziehen sich zurück

Abschied nach 55 Jahren im Tankstellengeschäft

Renate und Rolf Meier wurden am Samstagmorgen nach Rolfs letzter Schicht mit Blümchen und einem Glas Sekt überrascht.

Nachrodt-Wiblingwerde - Langweilig wird es für Renate und Rolf Meier nicht werden, wenn beide nun in ihren verdienten Ruhestand gehen. Hund, Garten, Kinder, Enkel und Urenkel werden die frühreren Pächter der Aral-Tankstelle auf Trab halten. 55 Jahre lang hat sich das Leben der beiden Nachrodter rund ums Geschäft gedreht.

Und das auch noch nach der Geschäftsübernahme durch Sohn Peter und Schwiegertochter Monika vor 17 Jahren. Insbesondere Rolf Meier hat auch mit 83 Lebensjahren immer noch stundenweise mitgewirkt. Damit soll nun Schluss sein, denn die Tankstelle wird - wie berichtet- umfangreich umgebaut und mit neuer Technik ausgestattet. „Die Original-Eingangstür, die schon seit Gründung der Tankstelle vor 60 Jahren hier eingebaut ist, werden wir als Erinnerungsstück behalten!“ freuen sich Renate und Rolf Meier. Eine Million Mal dürften die Griffe angefasst worden sein in der stark frequentierten Altenaer Straße. Der weitgereisteste Tankkunde kam einst aus Kanada. „Allerdings gezielt“, berichtet Renate Meier, denn es war verschwägerte Verwandtschaft, die den Weg nach Nachrodt gesucht hatte. Anderen hat sie manches Mal den Weg im eigenen Auto gelotst: Sie fuhr vor, wenn Auswärtige in den Serpentinen nicht zurecht kamen. „Wir waren ja von jeher eine Service-Tankstelle“, berichtet Rolf Meier, der in den Anfangsjahren persönlich an der Zapfsäule bediente. Die Selbstbedienung wurde später eingeführt, auch einen Nacht-Service mit Automatenfunktion hatten die Meiers einst installiert. „Nach Einwurf der fünf Mark kam aber oft kein Sprit raus. Dann wurden wir aus dem Bett geklingelt...“ Übel genommen haben es die Meiers keinem. Böse Absichten hatten nur Einbrecher, die sich in schöner Regelmäßigkeit und trotz guter Wachhunde nachts an der Kasse zu schaffen machten. „Aber wir haben trotzdem immer Glück gehabt“, blickt Rolf Meier zurück. Besonders 2001, als ein Brand in der Nachbarschaft auf die Tankstelle zukam - passiert ist glücklicherweise nichts.

Auch Krisen wie die Spritbegrenzung oder den autofreien Sonntag haben Meiers dank ihrer Stammkunden überstanden. „Ich habe mit niemandem Probleme gehabt, der hier getankt oder sein Auto in der Werkstatt hatte. Auch Aral war uns immer ein fairer Partner. Und unsere Familie war uns immer ein Rückhalt“, ergänzt Rolf Meier. Das bleibt natürlich so. Vor allem Nesthäkchen Jonathan (3) wird seine Urgroßeltern auf Trab halten.

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