Körperverletzung: Streit unter Nachbarn eskaliert

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein tiefer Graben entzweit Einsal. Ob dieser nur zwischen zwei Bewohnern existiert, oder schon größere Ausmaße angenommen hat, blieb am Donnerstag offen im Amtsgericht Altena. Einer der beiden Kontrahenten musste auf der Anklagebank Platz nehmen.

Die Anklage warf einem 48-Jährigen eine gefährliche Körperverletzung vor: einen Tritt in die Kniekehle seines 56-jährigen Nachbarn und Tritte mit dem „beschuhten“ Fuß gegen das auf dem Boden liegende Opfer. „Das ist alles erstunken und erlogen, was der Zeuge sagt“, wehrte sich der Angeklagte, der große Probleme hatte, sein cholerisches Temperament im Zaum zu halten. Noch im Gerichtssaal bezeichnete er seinen missliebigen Nachbarn als „Drecksack“. Gut, dass der noch vor der Tür auf seine Aussage wartete. Der Angeklagte behauptete, dass der 56-Jährige sich an jenem 2. November 2014 selber auf den Boden geschmissen habe. Und dann folgte eine lange Liste von angeblichen Verfehlungen des Zeugen.

Anlass, den Nachbarn zur Rede zu stellen, sei dessen Griff in seinen Briefkasten gewesen, behauptete der 48-Jährige. Und dabei habe er ihn lediglich „an der Schulter angepackt“. Der Zeuge erinnerte sich anders an das Geschehen: „Er hat mich ins Gesicht geschlagen, dann bin ich umgeknickt und er hat mich zweimal in die Seite getreten.“ Einem 13-jährigen Nachbarjungen habe er er die dadurch entstandene Rötung im Rückenbereich gezeigt, was dieser im Gerichtsaal bestätigte. Freundlicherweise hatte er dem Geschlagenen auch sein Handy geliehen, um die Polizei anzurufen.

Um die Frage des Richters nach dem Warum zu beantworten, machte der Geschädigte viele Anläufe: Angeblich habe er dem Angeklagten mal eine Kiste Bier aus dessen Auto geklaut, vielleicht aber auch Nummernschilder, oder möglicherweise habe er auch geliehenes Geld nicht rechtzeitig zurückgegeben. „Ich werde immer bedroht, wenn er etwas getrunken hat“, deutete auch der Zeuge eine schon längere Feindschaft an und wandte sich jenseits der Regeln im Strafprozess direkt an den Angeklagten: „Du bedrohst mich jedesmal, wenn du gesoffen hast!“

„Ich glaube nicht, dass der Angeklagte den Zeugen in Ruhe zur Rede stellte“, bekundete Staatsanwältin Beatriz Föhring in ihrem Plädoyer. Da die Festigkeit der möglicherweise als gefährliches Werkzeug zum Einsatz gekommenen Schuhe allerdings nicht zweifelsfrei festzustellen sei, handele es sich „nur“ um eine einfache Körperverletzung. Diese ahndete Richter Dirk Reckschmidt in seinem Urteil schließlich mit 40 Tagessätzen zu je 15 Euro. Schon bevor das Urteil verkündet war, hatte sich der Angeklagte sein Urteil über das Geschehen im Amtsgericht gebildet: „Ich werde in Berufung gehen“, kündigte er an.

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