Kreckel-Bau: „Man könnte etwas draus machen“

Durchgebrochene Wände, zersplitterte Glasscheiben.

Nachrodt-Wiblingwerde - Es gammelt vor sich hin. Und die Gerüchteküche brodelt. Jeder weiß irgendetwas über das Kreckel-Haus an der Kirchstraße. Die Besitzer der Firma CMS sollen in einer Nacht- und Nebelaktion die Gemeinde verlassen haben. Vor 15 Jahren.

Noch heute fliegen irgendwelche Schriftstücke durch das Gebäude, das trotz Chaos, trotz zerbrochener Fensterscheiben, rausgerissener Kupferleitungen und einem gruseligen Gesamteindruck eine gute Grundsubstanz aufweist. „Man könnte etwas daraus machen“, meint Christian von Löbbecke.

Die Firma CMS ist Geschichte. Hauptgläubiger ist heute die Bank Aktiengesellschaft aus Unna. Der Verkehrswert für das Objekt mit 2380 Quadratmetern Nutzfläche lag laut Gutachten im Jahr 2002 bei rund 1,23 Millionen Euro. Jetzt sind es „schlappe“ 28000 Euro. Tatsächlich will es niemand. Immer wieder wurde in der Vergangenheit versucht, das Gebäude per Zwangsversteigerung loszuwerden. Und fast hätte es ein „Happy end“ gegeben, denn 2003 plante ein Investor, dort ein Alten- und Pflegeheim mit 80 Plätzen einzurichten. Daraus wurde nichts. Heute, zwölf Jahre später, hat sich die Ist-Situation verschlimmert, das Kreckel-Haus ist nicht schöner geworden.

Das Innere bietet überall ein trauriges Bild

Im Gegenteil. Das Innere bietet auf allen Etagen ein trauriges Bild. Christian von Löbbecke, Besitzer des Erbpachtgrundstückes auf dem das Gebäude mit der traurigsten Geschichte Nachrodts steht, steigt über Glasscherben. Er hat vor ein paar Tagen die Birken gefällt, die oben auf dem Flachdach in den Himmel wuchsen. „Hier könnte man doch schön Kaffee trinken“, schmunzelt von Löbbecke auf der einst herrlichen Dachterrasse, die zu einer Penthouse-Wohnung gehörte. Man ahnt, welch eindrucksvolle Wohnung das einmal gewesen sein muss. „Ich habe natürlich wenig Einflussnahme, würde mir aber wünschen, dass das Gebäude eine neue Nutzung erfahren würde“, sagt Christian von Löbbecke. Die Bausubstanz, so von Löbbecke, sei solide. Man müsse es nur komplett kernsanieren.

In der Tat. Von dem schmucken Inneren ist nichts mehr übrig. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, haben Unbekannte abmontiert, abgerissen, abtransportiert: selbst Lampen, Armaturen – und natürlich Kupferleitungen. Nur die Marmorplatten waren wohl zu schwer.

Mittlerweile verwuchert alles

Ein alter Schreibtisch liegt kopfüber im Chaos. Es tropft von der Decke. Irgendwo stapeln sich Flaschen. Obdachlose hatten sich zwischenzeitlich im Kreckel-Haus eine trockene Unterkunft gesucht. Zwei T-Shirts hängen noch im Nirgendwo. Doch als bekannt wurde, dass auch Kinder das verlassene Schreckens-Haus für sich entdeckt hatten, wurde das Gebäude unzugänglich gemacht. „Betreten des Grundstückes bauaufsichtlich verboten“, so die Nachricht des Märkischen Kreises. Mittlerweile verwuchert alles. Die Natur sucht sich einen Weg und verdeckt den Schandfleck. Die Gemeinde kümmert sich um die Gehwegsicherung. Sie möchte das Gebäude nicht kaufen. 500000 Euro Abrisskosten stehen im Raum. Man würde ein städtebauliches Gesamtkonzept und hohe Investitionskosten benötigen. „Das ist im Moment nicht drin“, sagt Axel Boshamer.

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