Gefängnis und Führerscheinsperre für Nachrodter

Nachrodt-Wiblingwerde - Fünf Jahre – so lange dauert die längste Sperrfrist für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis, die noch einen Zeitraum angibt. Darüber hinaus gibt es nur noch eine lebenslängliche Sperre.

Es musste also schon einiges vorgefallen sein, als Richter Dirk Reckschmidt einem 25-Jährigen aus Nachrodt am 17. Februar 2015 eine fünfjährige Führerscheinsperre aufbrummte und ihn darüber hinaus für sechs Monate ins Gefängnis schickte – ohne weitere Bewährungschance. Nach mehreren einschlägigen Vorstrafen, darunter einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe, war der junge Mann im Oktober 2014 erneut ohne Fahrerlaubnis mit dem Auto unterwegs gewesen. Im Amtsgericht Altena hatte er zu dem Vorwurf geschwiegen. Im Landgericht Hagen hingegen beschränkte er jetzt seine Berufung auf die Rechtsfolgen, die ihn getroffen hatten.

Richter kritisiert Hartnäckigkeit

Das war gleichbedeutend mit einem Geständnis, und so konnte jener Polizist wieder nach Hause fahren, der ihn damals am Steuer erkannt hatte. Richter Wilhelm Kaiser, seit vielen Jahren Vorsitzender einer Berufungskammer, zeigte sich wie gewohnt als ein Mann des offenen Wortes: „Ich erwarte von einem ordentlichen Bürger, dass er eine Fahrerlaubnis erwirbt, bevor er Auto fährt.“ Außerdem kritisierte der Richter die „erhebliche Hartnäckigkeit“ des Angeklagten. Gleichwohl machte er schon zu Beginn der Verhandlung deutlich, dass „fünf Jahre (Sperrfrist) eine verdammt lange Zeit“ seien.

„Viel hilft viel“, hatte sich der Mann offenbar gedacht und war gleich mit zwei Anwälten angerückt. Die trugen vor, dass der Angeklagte die unerlaubten Fahrten nicht aus Spaß am Autofahren, sondern auf dem Weg zur Arbeit unternommen habe. Unterschiedliche Anfangszeiten im Wechselschichtbetrieb hätten ihrem Mandanten keine Wahl gelassen. Dieses Argument war nicht ganz unproblematisch, aber die Schwierigkeiten beim Weg zur Arbeit ließen letztlich auch die Berufungskammer nicht kalt: Sie reduzierte die Zeit der Führerscheinsperre von fünf auf zwei Jahre und die Haftzeit von sechs auf vier Monate. „Das grenzt schon fast an einen Gnadenerweis“, kommentierte Richter Wilhelm Kaiser die Entscheidung. „Heute haben Sie das Optimale aus Ihren Möglichkeiten gemacht.“Der Angeklagte hat nun dennoch vier Monate Haft vor der Brust – weitere fünf könnten hinzukommen, wenn die Bewährungsstrafe widerrufen würde.

So gab es noch Tipps, wie der mittlerweile 26-Jährige aus dem offenen Vollzug in Attendorn heraus seinen Arbeitsplatz behalten kann. Im Schichtbetrieb ist das offenbar nicht so einfach, weil man nachts im Gefängnis sein muss. Vor Weihnachten sei aber kaum mit einer Vollstreckung der Strafe zu rechnen, beruhigte der Richter den Angeklagten. Das Urteil ist rechtskräftig.

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