Dr. Werner Würtele hält Vortrag über Elisabeth Bongard in Mellen

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70 Zuhörer im voll besetzten Landmarkt lauschten am Dienstag dem Vortrag von Dr. Werner Würtele.

Mellen - Die Mellenerin Elisabeth Bongard hat Spuren in der chilenischen Stadt La Serena hinterlassen: Sie leitete dort von 1890 bis 1928 die Lehrerausbildung und hatte Anteil an der „Deutschen Bildungsreform“ gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Chile.

Auf die Spurensuche machte sich der Lateinamerika-Experte Dr. Werner Würtele mit seiner Frau Adriana Alfonso. Würtele stellte die Ergebnisse im mit 70 Zuhörern voll besetzten Landmarkt am Dienstag vor.

Dr. Würtele, der viele Jahre für den Deutschen Entwicklungsdienst gearbeitet hat und heute als Präsident des Lateinamerikaforums Berlin tätig ist, begann mit der Suche im Jahr 2009 in der Pädagogischen Fakultät von La Serena, die den Namen Isabel Bongard trägt. Er orientierte sich an den Angaben auf dem Gedenkstein, der ihre Lebensdaten vom 8. September 1854 in Westfalen bis zum 27. Mai 1928 in La Serena festsetzte.

Die Recherchen führten ins Archiv nach Arnsberg, das Landesarchiv-Münster und sogar in das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin – eine richtige Spur gab es aber erst bei einem weiteren Besuch im Sauerland, und zwar in Soest. Dort, in der Boutique von Gundi Bongard, gab es Hinweise auf Elisabeth Bongards Familie in Mellen.

Dr. Werner Würtele, Elisabeth Bongards Großneffe Herbert Bongard (86) und Adriana Alfonso beim Vortrag über die Mellenerin.

Von da aus wurde die Biografie der Sauerländerin geschrieben: Sie wurde am 5. September 1849 geboren und besuchte die Dorfschule in Balve. Aus dieser Zeit erhalten blieb ein Schulheft vom 26. Januar 1860. Von Balve aus zog Elisabeth Bongard ins Internat der Ursulinen nach Bonn-Hersel von 1865 bis 1870. In Bad Godesberg wurde sie zur Lehrerin ausgebildet, unterrichtet hat sie in Köln und Bonn. In Oberausssem/Bergheim war sie von 1876 bis 1883 tätig. Eine Zäsur im Leben der Pädagogin war die Geburt ihrer Tochter Paula am 17. Oktober 1882 – dies in einer Zeit, wo Lehrerinnen zölibatär leben mussten. Das Mädchen – ihr Vater kam aus der Schönen-Familie – wurde einer befreundeten Kölner Familie übergeben, die leibliche Mutter reiste nach Berlin. Dort bekam sie Kontakt zu Chile, das Interesse an katholischen Lehrern hatte.

Mit 21 anderen Ausgewählten reiste Elisabeth Bongard 1884 von Bordeaux aus mit dem Schiff in ihre neue Heimat. Nach ihrer Ankunft hieß sie Isabel, und war von 1885 bis 1890 stellvertretende Direktorin des Lehrerseminars in La Serena. Als Direktorin leitete sie dies von 1890 bis 1898. Ausgebildet wurden in dieser Zeit nur 63 Absolventen. Dies und „zu viel deutscher Einfluss“, so Würtele, sorgten schließlich für ihre Entlassung.

Eine neue Wirkungsstätte fand Isabel Bongard in Iquique von 1899 bis 1909 als Direktorin und Lehrerin. Nach 22 Jahren fand 1906 dort das erste Wiedersehen mit ihre Tochter Paula statt. Isabel Bongard kehrte 1909 wieder nach La Serena zurück, wo sie am 27. Mai 1928 starb. Ihre Beerdigung sei pompös mit chilenischem und deutschem Einfluss gewesen, berichtete der Experte. Sieben chilenische Lehrerinnen, die vor dem Putsch 1973 in der so genannten Normalschule namens Isabel Bongard ihre Ausbildung absolvierten, berichteten aus ihrem Berufsleben.

Ergänzt wurde der informative Abend mit Fotos, Briefen, Schulgebetsbüchern, einem Poesiealbum und der Ahnentafel der Bongards. Herbert Bongard war mit seinen 86 Jahren der älteste teilnehmende Familienangehörige; Isabel Bongard war seine Großtante.

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