Stiftung Evangelische Jugendhilfe und Sozialarbeiter der Stadt Balve informieren

Minderjährige Flüchtlinge aufnehmen

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Dr. Richard Müller-Schlotmann (links), Nicole Roloff und Jörg Esser informierten über die Möglichkeit, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen.

Balve - „Ich interessiere mich mit meiner Familie dafür, einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aufzunehmen – was muss ich tun?“, fragte Felicitas Barthel aus Menden.

Antworten gab es von Nicole Roloff und Dr. Richard Müller-Schlotmann, Stiftung Evangelische Jugendhilfe Menden, und Jörg Esser, Sozialarbeiter der Stadt Balve. Die drei nahmen sich viel Zeit, war doch die Mendenerin, eine Cousine des Langenholthauseners Charly Grote, die einzige Teilnehmerin an der zu diesem Thema durchgeführten Informationsveranstaltung.

Spät, aber noch nicht zu spät, nahm Felicitas Bathel daran teil, denn in der Pension Waltermann waren die Vertreter der Jugendhilfe und der Sozialarbeiter die ersten 45 Minuten nur unter sich und überlegten schon, andere Wege zu gehen, um dieses Thema lebendig zu erhalten, denn, so Jörg Esser, „das Ziel ist nicht, dass diese Jugendlichen in den städtischen Einrichtungen bleiben.“

Unter hohem Druck habe man Ende des vergangenen Jahres gestanden, als bis zu 90 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter zwischen 14 und 17 Jahren erwartet wurden. Im Januar waren es schließlich etwa 70, heute sind 30 in verschiedenen Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht. In Balve leben aktuell acht Jugendliche in einer Wohngruppe der Evangelischen Jugendhilfe Friedenshort, die einen geregelten Tagesablauf mit Besuch von Hauptschule bis Berufskolleg erleben.

Genaue Zahlen über weitere zu erwartende junge Männer können derzeit nicht gemacht werden. Der jetzige, ruhigere Zustand aber verschaffe mehr Zeit, neue Wohnmöglichkeiten zusammen mit hier lebenden Familien zu finden. „Wir arbeiten in dieser Sache mit Familien aus Werdohl, Menden, Iserlohn und Neuenrade zusammen“, zählte Dr. Richard Müller-Schlotmann auf. „Aber noch keine aus Balve.“ Neu sei, dass sich Familien mit eigenem Migrationshintergrund melden würden. Die Pflegefamilien würden überprüft, erforderlich seien Führungs- und Gesundheitszeugnis sowie ausreichend Platz: „Die Standards sind einzuhalten.“

Formale Voraussetzungen seien wirtschaftliche Unabhängigkeit und ein Mindestalter von 30 Jahren. Geboten wird dann gründliche Vorbereitung, qualifizierte Beratung, Fortbildungen und Unterstützung sowie ein Zuschuss von 570 Euro im Monat als Pflegegeld und 270 Euro für den ehrenamtlichen Einsatz.

Die Jugendlichen kamen im vergangenen Jahr überwiegend aus Syrien (15), jetzt aus Afghanistan (16). „Sie brauchen eine Struktur in ihrem Alltag“, betont Dr. Richard Müller-Schlotmann. „Und diese gibt es am besten in einer Familie.“ Herausforderungen seien dabei die traumatischen Erfahrungen, die die Pflegekinder ganz individuell ausleben, womit aber die Familien nicht allein gelassen werden.

Felicitas Barthel hat aus Balve viele wertvolle Infos mitgenommen, die ihr die Entscheidung erleichtern werden.

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