Stadt zieht Fahrräder der Flüchtlinge ein

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Diese Bewohner des Übergangswohnheimes In der Helle sind froh, ein Fahrrad zu besitzen und möchten nicht mehr darauf verzichten.

Balve - „Welcher Fahrradkursus?“ – Einigen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft In der Helle war nach eigenem Bekunden nicht klar, welches Angebot sie gleich zwei Mal verpasst haben.

Wie berichtet, hatten Ordnungsamtsleiter Marcus Kauke und Sozialarbeiter der Stadt zu den Kursen eingeladen. Jetzt hat die Verwaltung beschlossen, die rund 70 Fahrräder, die den Flüchtlingen zur Verfügung gestellt wurden, einzuziehen.

Der pensionierten Polizist und Verkehrserzieher Theo Tünsmeyer sollte den Flüchtlingen die Handhabung des Rades und die Verkehrsregeln erklären. Er wollte ganz von vorne anfangen, beginnend mit dem Aufbau eines Fahrrads. Nach dem ersten Treffen – zu dem kein Teilnehmer erschienen war – brachte auch der zweite Anlauf mit einem Teilnehmer nicht den gewünschten Erfolg.

 „Wir hatten erwartet, dass diese Menschen sich freuen würden, wenn sie auf diese Art und Weise unterstützt werden“, sagte Tünsmeyer. Er sei enttäuscht, dass die Leistung ehrenamtlicher Helfern offenbar nicht entsprechend gewürdigt werde.

„In erster Linie, um die Flüchtlinge zu schützen“, sollten nun alle Räder eingezogen werden, so Tünsmeyer. Jedes Rad werde dann auf den verkehrstauglichen Zustand überprüft und gegebenenfalls repariert. Herausgegeben würden die fahrbaren Untersätze erst, nachdem die Flüchtlinge einen Grundkursus in Fahrradkunde absolviert hätten.

Für die Bewohner der Unterkunft des ehemaligen Stockmeiser-Gebäudes sind Räder das wichtigste Fortbewegungsmittel. „Der Weg in die Stadt ist sehr weit“, sagte ein nigerianischer Flüchtling. Er sei froh, ein Rad nutzen zu können, erklärte der Familienvater.

 Auch zwei Syrer betonten, auf das Fortbewegungsmittel nicht mehr verzichten zu wollen. Die Verkehrsregeln seien ihm nicht bekannt, einige Schilder hingegen schon. „Wichtig“, seien diese, erklärten beide und sie seien auch beim nächsten Mal bereit, Regeln zu erlernen.

Auch für Theo Tünsmeyer ist das Thema noch nicht abgehakt. Nach wie vor stehe er für die Verkehrserziehung In der Helle zur Verfügung: „Ich warte jetzt einfach ab, was weiter passiert“, sagte der pensionierte Polizist.

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