Stimmgewaltige Leidenschaft im sonnigen Andalusien

Langen Beifall und Blumen ernteten die Mezzosopranistin Christina Baader, der Bariton Daniel Fiolka, der Tenor Han-Bo Jeon und Markus Elsner, Dirigent und Moderator des Abends. - Fotos: Krumm

Balve -  Bestens gefüllt war die Höhle zur Spanischen Nacht: „Es ist jedes Jahr das Gleiche, aber es ist doch immer wieder schön“, bemerkte ein prominenter Besucher jener sehr beliebten Nacht des Jahres, die der Festspielverein Balver Höhle gerne den Opern einer Nation widmet.

Das Format der Veranstaltung war tatsächlich das Gleiche, doch in diesem Jahr wechselte das Land: „Vier Mal durften wir hier schon eine Italienische Nacht für Sie spielen! Nun geht es nach Spanien“, freute sich Markus Elsner, Dirigent der kammermusikalisch verkleinerten Frankfurter Sinfoniker, der auch durch das Programm führte. „Lassen Sie sich entführen nach Andalusien und ins warme Spanien!“ forderte er das Publikum bei seiner Einführung in die spanische Oper eines Franzosen auf, Georges Bizets „Carmen“. Deren Melodien sind so vertraut, dass den Kennern schon bei der Ouvertüre die böse Verballhornung in den musikalischen Sinn kommen konnte: „Auf in den Kampf, die Schwiegermutter naht…“

Zwei Vertreter für die beiden erkrankten männlichen Solisten machten den Rundgang durch die schönsten Arien der Oper erst möglich: Der aus Südkorea stammende Tenor Han-Bo Jeon und Daniel Fiolka, Bariton mit Wurzeln in Hagen, gaben die beiden Liebhaber Don José und den Stierkämpfer Escamillo. Wie vorgesehen, schlüpfte die Mezzosopranistin Christina Baader in die Rolle des „Inbegriffs der verführerischen, leidenschaftlichen Frau“, wie Markus Elsner die Hauptfigur der Oper beschrieb. „Carmen, je t’aime“, sang Han-Bo Jeon alias Don José in seiner Blumenarie und wurde doch zunehmend rüde zurückgewiesen.

Der Stierkämpfer machte es besser – mit jenem „Auf in den Kampf“, das wohl eher seiner Arena galt. Dafür gab es stürmischen Beifall. „Gerne würden wir Ihnen die ganze Oper vorspielen, aber das geht nicht“, bedauerte Markus Elsner. Und tatsächlich hätte einiges in dem Konzert gefehlt, das tatsächlich von spanischen Komponisten stammte: José Serrano komponierte ein „Ungarisches Lied“, der Volkslied-Sammler Agustin P. Soriano ließ seine kleine Gitarre erklingen. Als persönliche Entscheidung schilderte Elsner die Auswahl des Liedes „El dia que me quieras“, „Der Tag, an dem du mich lieben wirst“ des großen Argentiniers und Tango-Komponisten Carlos Gardel.

Neben den Opernarien und Liedern spielte das erstaunlich klangstarke Kammerorchester auch einige rein instrumentelle Werke: Gelegenheit Neues kennenzulernen, gab es mit Enrique Granados „Bolero“. Über sein gleichnamiges Hauptwerk war der halbe Spanier Maurice Ravel zeitlebens eher unglücklich: „Ich habe nur ein Meisterwerk gemacht. Leider enthält es keine Musik“, zitierte Markus Elsner den französischen Komponisten.

Dem umjubelten Finale, bei dem ein Akkordeon die Melodiestimme des Bolero spielte, tat das keinen Abbruch: Das Kammerorchester steigerte die Intensität der betörenden Triolen programmgemäß. In der Zugabe sangen die Solisten von der Bitte um intensive Küsse und lobten Granada, die zauberhafte Metropole in Carmens Heimat Andalusien.

Von Thomas Krumm

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