Reinhard Holewa sammelt seit 50 Jahren Kunst

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Reinhard Holewa besitzt einen „echt gefälschten van Gogh“ von Konrad Kujau.

Balve - Martin Luther in der Evangelischen Kirchengemeinde – es wäre möglich, wenn die Gemeindeverantwortlichen „Ja“ sagen würden. Es ist ein Angebot, das der Kunstsammler Reinhard Holewa ihnen unterbreitet hat.

Bei ihm hängt eine Kopie eines Brustporträts Luthers von Lucas Cranach (1472 bis 1553); ein Ölgemälde aus dem 18./19. Jahrhundert auf einem alten Keilrahmen. Der Künstler habe sogar an die typische Cranach-Signatur gedacht. Holewa hat dieses Bild vor etwa 30 Jahren für einen vierstelligen Betrag ersteigert; über den jetzigen Preis würde er verhandeln.

Der Kunstliebhaber wartet auf eine Antwort des Presbyteriums. Mitglieder dieses Entscheidungsgremiums und Pfarrer Christian Weber haben sich schon ein Bild von der Qualität des Ölbildes gemacht, und hätten sich anfangs durchaus interessiert gezeigt, berichtet Holewa. Nun wartet er auf die endgültige Entscheidung, die bis zum Reformationstag am 31. Oktober getroffen werden solle. 

Reinhard Holewa hat auch eine beachtliche Sammlung an Heiligenfiguren in seinem Besitz.

Er weiß viel über dieses Bild. Holewa ist pensionierter Kriminalbeamte und entdeckte Mitte der 60er-Jahre während einer zunehmenden Zahl von Kirchendiebstählen sein Interesse an Kunst. Der 87-Jährige nahm an Lehrgängen teil und besuchte Auktionen, um sein Wissen zu vertiefen. Inzwischen hat er vom Keller bis zum Dach eine so umfangreiche Sammlung an Bildern, barocken Putten, Messing-, Zinn- und Kupferguss und auch Heiligenfiguren, die bundesweit auf großes Interesse stößt. 
 
Reinhard Holewa ist in ständigem Gespräch mit anderen Kunstliebhabern, darunter auch dem Deutschen Polizeimuseum in Salzkotten. Diesem vermachte er vor zwei Jahren seine 15 Polizeiuniformen mit Zubehör. Dadurch habe er im Keller mehr Platz für andere Exponate gewonnen, die er alle registriert hat.

Auch seine Ehefrau Elisabeth ist inzwischen zur Expertin geworden. „Von Gotik bis Barock“, beschreibt Reinhard Holewa die Epochen, auf die er sich spezialisiert hat. Bei einem Gang durch sein Haus weist er auf eine Aussteuer-Truhe hin, die um 1500 entstand, woanders steht eine Holz-Pieta – Entstehungszeit etwa 1490. „Und hier habe ich zwei van Goghs“, nimmt er zwei Bilder von der Wand. „Garantiert echt – echte Kujaus.“ Auch diese hat er ersteigert. 

Im Laufe der Jahre hat Holewa viele Wertgutachten erstellt, mit denen er die Besitzer aber auch auf den Boden der Tatsachen zurück holte: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Von Wert gewesen sei aber, was er für die Region gesponsert, restauriert oder vermittelt hat: In der Balver Kirche die Statue des heiligen Blasius, den Christus-Korpus am Pfarrheim und die heilige Agatha. 

Die Mellener Kirche bekam die beiden Christusfiguren am Hochaltar, die Pieta am Eingang und finanzielle Unterstützung bei anderen Künstlerarbeiten. Im St.-Johannes-Altenheim hängen ein Ölgemälde „Madonna mit Kind“ und vier Wandbilder der Jahreszeiten nach Breughel. Die Liborius-Kapelle erhielt von ihm die große Pieta, die Luisenhütte einen Amboss. 

Für ihn ist das Schöne an der Kunst, dass es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Hilfreich sind ihm dabei Fernsehsendungen wie „Kunst & Krempel“ und „Bares für Rares“.

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