Haus am Baumberg wird Wohngruppe für Jugendliche

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Im ehemaligen Mehrfamilienhaus am Baumberg sollen Anfang 2016 Jugendliche mit psychischen Störungen einziehen.

Balve - Viele Balver fragen sich, was im ehemaligen Stadthaus am Baumberg entstehen soll. Seit über neun Monaten laufen dort Umbauarbeiten. Die Gerüchteküche brodelte. Erzieherin Christine Wietbüscher bringt jetzt Licht ins Dunkel.

Dort wird eine Wohngruppe für vier Jugendliche mit psychischen Störungen entstehen, die sie so beeinträchtigen, dass sie den Alltag nicht allein bewältigen können. „Balve muss aber keine Angst haben, das jugendliche Chaoten vom Baumberg aus ohne Aufsicht durch die Gegend laufen. Die haben wir unter Kontrolle“, betont die Erzieherin aus Beckum, die auf ihre Erfahrungen verweist, die sie zunächst im ehemaligen Kallerheim, dann bei EU-Projekten und seit 2009 beim Verein Erleben, Arbeiten und Lernen gemacht hat. Für den Verein hat sie in Schwanfeld bei Schweinfurt gearbeitet, aber auch in Finnland, denn der Auslandsaufenthalt gehört in diesem Projekt für Kinder und Jugendliche, die an „Verwöhnungs-Verwahrlosung“ leiden, dazu.

Zu große Ansprüche führen zu psychischer Erkrankung

Christine Wietbüscher hat für dieses Krankheitsbild folgende Erklärung: Reiche Eltern erfüllen dem Nachwuchs jeden Wunsch, bis die Ansprüche so groß werden, dass beide Seiten mit diesem Verhalten nicht mehr klarkommen und therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden müssen. Die Mädchen und Jungen nehmen dann an einem vom Diakonischen Werk Würzburg geleiteten intensivpädagogischem Projekt teil, das von Erleben, Arbeiten und Lernen durchgeführt wird.

Und dies führt sie dann zu einem Bauernhof nach Finnland, der acht Kilometer entfernt vom nächsten Ort liegt. Dort lernen die Jugendlichen die einfachsten Sachen, denn der Ofen muss mit Holz selbst angeheizt werden, um es warm zu kriegen. Auch der Herd funktioniert nur mit Holz – das Essen dafür muss zu Fuß aus dem nächsten Ort geholt werden. „Dort werden sie geerdet“, sagt dazu die Erzieherin.

Ohne Smartphone und ohne Laptop

In den ersten Monaten sei es „die Hölle für die Teilnehmer, ohne Smartphone und Laptop auskommen zu müssen.“ Doch die elementarsten Dinge zum ersten Mal selbst zu machen, weil damit der Tag gestaltet werden muss, spiele sich danach langsam ein: „Sie lernen, den Bezug zu ihren Betreuern aufzubauen und auch Respekt zu haben.“ Die sechs bis elf Monate (je nach Lernerfolgen), die sie fernab jeglicher Zivilisation nur mit ihren Betreuern auf sich allein gestellt sind, sind allerdings keine „Nullzeit“, denn es gibt auch Einzelunterricht. Materialien für den Hauptschulabschluss sind mit im Gepäck, so dass täglich ein Stundenplan abzuarbeiten ist.

In Deutschland wird das Integrieren unter Normal-Bedingungen vorgenommen. Dass jetzt auch Balve dazugehört, hat die Beckumerin ermöglicht. Sie machte ihren Chef, Professor Gunter Adams, auf das Mehrfamilienwohnhaus am Baumberg aufmerksam, der den Kauf und den Umbau anleitete. Wietbüscher und eine weitere pädagogische Fachkraft werden dort demnächst die Jugendliche betreuen, die dann entweder eine Förderschule oder die Balver Hauptschule besuchen werden. „Anfang 2016 möchten wir gerne im Haus am Baumberg mit unserer Arbeit beginnen“, formuliert Professor Gunter Adams sein Ziel. „Je eher, desto besser.“

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