Motorradfahrer sensibilisiert

Im Kampf gegen Raser: Gespräche statt Bußgeld

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Polizeihauptkommissar Andreas Filthaut im Gespräch mit einem der Motorradfahrer.

Binolen - „Hallo Raser, wir warten“, steht in schwarzer Schrift auf dem Plakat. Unter diesen Buchstaben sind vier Geier zu sehen, die auf einem Ast sitzen, Ausschau halten und scheinbar ungeduldig auf eine Mahlzeit warten. Neben diesem großformatigen Aufsteller hielten am Sonntag im Hönnetal am Haus Recke alle Motorradfahrer, die von der Polizei herausgewunken worden waren.

Die Kreispolizeibehörde des Märkischen Kreises eröffnete auf dem Parkplatz des Hauses Recke im Hönnetal ihre Kradkontrollen. „Das ist eine reine Präventionsmaßnahme“, sagte Polizeihauptkommissar Andreas Filthaut, der zu Beginn der Motorradsaison die fünfstündige Aktion mit sechs Beamten der Verkehrs-Direktion leitete. „Wir bitten die Biker nicht zur Kasse.“ Die Fahrzeugpapiere, die die Motorradfahrer sofort hervorholen wollten, weil sie von einer Verkehrskontrolle ausgingen, konnten steckenbleiben. Allerdings seien bei den 196 angehaltenen Zweirädern erfreulicherweise keine Verstöße festgestellt worden, die hätten geahndet werden müssen.

Am Sonntag sollten die Biker sensibilisiert und ermahnt werden, vorsichtig zu fahren. „Hier im Hönnetal ist einer der Unfallschwerpunkte im Märkischen Kreis“, stellte Andreas Filthaut fest. Im vergangenen Jahr seien im Kreis 143 leichtverletzte Kradfahrer (2014: 95) gezählt worden, schwer verletzt wurden 71 (57). Fünf Menschen starben – 2014 kamen zwei Motorradfahrer ums Leben. „Diese Zahlen sind nicht akzeptabel“, betonte Filthaut. „Jeder Verkehrstote ist einer zu viel.“

Der Parkplatz am Haus Recke war gut gefüllt; viele Biker auf dem Weg zur Sorpe oder Möhne fuhren durchs Hönnetal – und dies hat es in sich, wie der leitende Polizeibeamte gegenüber unserer Zeitung erläuterte: „Hier ereigneten sich im vergangenen Jahr fünf Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern.“ Vier seiner Kollegen seien selbst Motorradfahrer, darunter Polizeihauptkommissar Axel Struver – er ist Fahrsicherheitstrainer. „Haben Sie schon einmal ein Fahrsicherheitstraining absolviert?“, wollte er von den Bikern wissen. Einige hatten tatsächlich schon einmal teilgenommen, viele aber noch nicht. Die Beamten legten den Fahrern nicht nur das Training ans Herz, sondern auch das Tragen von geeigneter Schutzkleidung. Im Hochsommer, so wussten die Polizisten aus Erfahrung, gehörten statt der schützenden Lederkombination mit Stiefeln bei manchen Fahrern Shorts und Sandalen zur Ausstattung.

Viele Gespräche führten die Ordnungshüter am Sonntag, wobei der Erfolg des Aktionstages allerdings faktisch nicht messbar sei: „Wir wissen nicht, was unsere Gespräche letztendlich gebracht haben“, stellte der Einsatzleiter fest. Nach der Prävention folgt demnächst die Repression: Die Polizei will im Kurvenbereich des Binoler Bahnhofes Kontrollen durchführen – und die Biker, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten, zur Kasse bitten.

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