Neues Gesicht für Balver Bahnhof

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Für Rollstuhlfahrer und Nutzer von Rollatoren ist ein Einsteigen in die Hönnetalbahn am Balver Bahnhhof schlicht unmöglich, denn dazu müsste der Bahnsteig doppelt so hoch sein. Deshalb soll er jetzt um 38 Zentimeter angehoben werden.

Balve - Gut eine Million Euro wollen der Zweckverband Ruhr/Lippe und dessen Vertragspartner Deutsche Bahn am Bahnhof Balve investieren. Möglich werde dies durch Fördermittel, die Bundesverkehrminister Alexander Dobrindt im Herbst überraschenderweise „kurzfristig“ in Aussicht stellte.

„Die Bewilligung liegt vor“, verrät Uli Beele, Sprecher des Zweckverbandes Ruhr/Lippe. „Allerdings wissen wir nicht, wann es die Fördergelder konkret geben wird.“ Sicher sei nur, dass die Mittel innerhalb der kommenden drei Jahre bereit gestellt würden. „Das kann noch dieses Jahr sein, oder auch erst 2018.“

Von dem Geld solle der Bahnsteig umgebaut werden. Aktuell habe dieser nämlich nur eine Höhe von 38 Zentimetern, der Einstieg zur Hönnetalbahn sei aber 76 Zentimeter hoch. Der Bahnsteig solle nun so angehoben werden, dass ein Einstieg für Rollstuhlfahrer und Nutzer von Rollatoren möglich sei.

Derzeit verweist ein Aushang am Balver Bahnhof darauf, dass dort „keine Hilfeleistung für mobilitätseingeschränkte Personen verfügbar“ sei. Weiter heißt es auf besagtem Schild: „Der nächste mit Service-Personal besetzte Bahnhof ist Hagen Hauptbahnhof.“ Zweckverbands-Sprecher Beele unterstreicht jedoch, dass Bahnkunden die Inanspruchnahme dieser Hilfeleistung „mindestens einen Tag vorher anmelden“ müssten.

Reger Schülerverkehr führt zu Vandalismus

Zudem sei nun geplant, im Zuge dieser Baumaßnahme auch das Mobiliar, die Beleuchtung und die Infotafeln zu erneuern. Derzeit sind all diese Gegenstände beschädigt, zerstört oder verwittert. Der Sprecher des Zweckverbandes erklärt: „Wir haben an der gesamten Strecke einen ausgeprägten Schülerverkehr, also auch eine gewisse Ausprägung im Vandalismus-Bereich.“

Vom Umbau erhoffe sich Beele nun eine Signalwirkung: „Wenn alles neu und nicht mehr marode ist, ergibt sich möglicherweise eine Hemmschwelle, die vor Sachbeschädigungen schützt.“ Spezial-Lacke, die etwa vor Grafittis schützten, werden jedoch nur bei Fahrzeugen der Deutschen Bahn genutzt. Beispielsweise bei Hinweisschildern würden sie nicht eingesetzt.

Am Balver Bahnhof solle nun außerdem ein Wetterschutz-Bereich installiert werden. Auch sei es möglich, dass eine Videoanlage zur Überwachung des Bahnsteiges errichtet werde, so der Sprecher des Zweckverbandes Beele.

Das sei ebenso wie die letztlich benötigte Bauzeit abhängig von der konkreten Planung. „Bahnstationen sind in der Regel voller Tücken“, weiß Beele, denn beim Ausheben des Bahnsteiges könnten in den Plänen nicht verzeichnete Schächte und Kabelstränge zu Tage treten.

„Dieser Umbau ist Teil des Maßnahmenpaketes ,Barrierefreier Ausbau von Verkehrsstationen’, in welches im vorigen Jahr Balve mit aufgenommen wurde“, verdeutlicht der Zweckverbands-Sprecher. Durchgeführt würde der Umbau mit der Deutschen Bahn, da diese zuständig für die Infrastruktur sei.

„Ohne die zusätzlichen Mittel aus dem Bundesverkehrsministerium hätten wir aber noch lange auf den Ausbau in Balve warten müssen“, weiß Beele.

Lange warten die Balver indes auch auf einen sauberen Bahnhof. Tatsächlich macht das vermüllte Gleisbett einen verwahrlosten Eindruck. Zuständig für die Reinigung ist indes die Deutsche Bahn und nicht der Zweckverband Ruhr/Lippe. Dieser weiß aber um das Problem. Dessen Sprecher sagt: „Wenn die Reinigungsfrequenz der Bahn nicht zur Frequenz der Verunreinigung passt, dann haben Sie ein Problem.“

Ist das Wegwerfen von Müll Volkssport?

Ihm sei aber bekannt: „Die Bahn versucht, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Dass das nicht klappt, müssen wir zur Kenntnis nehmen.“ Beele fügt andererseits hinzu: „Aber wir müssen auch fragen: Warum schmeißen die Leute Müll ins Gleisbett? Ist das ein Volkssport geworden?“

Die Stadt Balve hat nach Beschwerden von Bürgern bereits selbständig den Bahnsteig gereinigt. Dafür bekam sie aber Kritik von der Bahn, denn der Bahnhof sei deren „Hoheitsgebiet“. Beele bestägt: „Wir wissen aus vielen Städten, es ist juristisch nicht möglich, da einfach einzugreifen.“

Dem Süderländer Volksfreund liegt eine E-Mail-Konversation zwischen einem Bahnkunden sowie Roland Risse von der DB Station & Service AG vor. Darin schreibt Risse, die Reinigungsfrequenz in Balve sei „für einen Bahnhof mit geringer Reisefrequenz ausreichend“. Der Bahnsteig und das Gleisbett befänden sich in einem „akzeptablen Zustand“. Bei der Festlegung einer Reinigungsfrequenz spielten schließlich „auch wirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle“.

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