60 000 Negativstreifen in zwei Jahren gesichtet

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Alfons Rath (l.) und sein Bruder Rudolf Rath hat das Betrachten derrund 60 000 Negativstreifen viel Freude gemacht.

Balve - Einen Schatz haben Rudolf Rath und sein Bruder Alfons gesichtet: etwa 60 000 Negativstreifen von 1949 bis 1966, mit denen Veranstaltungen und Familienfeiern aus Balve festgehalten wurden, bekamen sie vom Heimwachtvorsitzenden Werner Ahrens zur Verfügung gestellt.

Was anfangs „nur“ für das Pfarrarchiv bestimmt war, erwies sich bei genauer Betrachtung als ein Füllhorn für das Stadtarchiv und auch für die St. Sebastian-Schützenbruderschaft. Für diese wird ein eigener Fotoabend am 17. März, ab 19.30 Uhr im Pfarrheim veranstaltet.

„Das erste Bild wurde beim Armbrustschießen aufgenommen“, berichtete Alfons Rath unserer Zeitung. Er hat den größten Teil der Sichtungen übernommen, wobei er im Laufe der zwei Jahre einen Blick für das Motiv bekommen hat: „Viele sind aus ähnlichen Perspektiven aufgenommen worden.“ Etwa 1000 Fotos gehören zum kirchlichen Bereich wie Prozessionen, Messfeiern und Bischofsbesuchen, und werden von Rudolf Rath den Anlässen entsprechend zugeordnet. Weitere Fotos stellen Feiern von Familien dar, und 1500 gehören zum Bereich der Schützenfeste. Alfons Rath: „Aber auch Ansichten der Dörfer aus jener Zeit sind darunter.“

Interessiert waren die Schützenbrüder, und hier der mit dem Archiv beauftragte Berthold Köster, an diesem Nachlass. In diesem Zusammenhang wurden die Negative erneut gesichtet, und schließlich die etwa 300 aussagekräftigsten Fotos für einen Foto-Abend zusammen gestellt. Für die Präsentation auf dem Computer konnte Enkel Lukas Rapp (16) gewonnen werden, der am Dienstag mit Alfons Rath die Moderation übernehmen wird. Dazu gibt es Bier und zur Untermalung, wie könnte es anders sein, Marschmusik. „Es sind hauptsächlich Personen zu sehen“, verrät Alfons Rath. Zwei Stunden dauert die Veranstaltung, der Eintritt ist frei. Vielleicht, so die Raths, wird dies der Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe werden, denn Anlässe könnte es viele geben.

Als Werner Ahrens im Herbst 2013 den „Schatz“ an das Pfarrarchiv übergab, da ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung, denn die Raths wussten, dass der Fotograf Gustav Engel fast ununterbrochen seine Kamera im Gebrauch hatte.

Zunächst war das Fotogeschäft im Haus Gercken, später in der Bogenstraße 3: „Unserem Elternhaus.“ Und hier verdienten sich die beiden Brüder etwas zu ihrem Taschengeld hinzu, wenn sie beim Entwickeln und auch Zuschneiden geholfen haben. Die Ära Engel währte von 1949 bis 1966, dann war es vorbei mit dem Fotogeschäft. Um so erfreuter waren die Raths über den zahlreichen Nachlass, der in drei Kartons angeliefert wurde. „Ich habe nachgewogen“, so Alfons Rath. „Das waren insgesamt 25 Kilogramm.“ Und jeder Negativstreifen ging zweimal durch seine Hände.

Geholfen hat ihm bei der Betrachtung ein Negativ-scanner. „Ich habe jetzt meinen Teil erledigt“, schmunzelt er, als er noch einmal einige Negative durch seine Finger gleiten lässt. „Damit habe ich mir wunderbar die dunkle Jahreszeit vertreiben können.“

In Absprache mit Bürgermeister Hubertus Mühling und Stadtarchivar Reimund Schulte wurde der größte Teil des Nachlasses an das Stadtarchiv übergeben.

Von Julius Kolossa

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