Musical-Premiere

Stehender Beifall für Premiere von „Hair“

Dieses Musical lebte von der Ausstrahlung der 40 Darsteller, die ihrem Publikum das Lebensgefühl der Flower-Power-Bewegung vermittelten.

Balve - „Let the sunshine in“ hatten die Besucher nach der Premiere von „Hair“ noch auf dem Weg nach Hause auf den Lippen. Mit diesem Klassiker, der als Medley mit „Aquarius“ vom gesamten Ensemble als Zugabe gegeben wurde, endete die Vorstellung.

„Die Reaktion des Publikums war klasse“, berichtete Jeanette Borthwick, die als Mutter des Hauptdarstellers Claude auftrat. „Sonst ist die Premiere eher verhalten – die Leute sind viel ruhiger.“

Doch diesmal gipfelte die Begeisterung für die Darbietung der 40 Schauspieler in stehendem Beifall, als zum Schluss das als Hymnus vorgetragene Schlusslied gesungen wurde. „Dieses Lied war eindeutig am anstrengendsten, weil alle bis zum Schluss gut bei Stimme sein mussten“, war Chris Perschke überzeugt. „Es war aber zugleich auch das schönste Lied.“

Die Hippies träumen vom Zeitalter des Wassermanns. Diesen Traum leben sie aus.

Sieben Elternpaare stellten den Gegenpol zu den jungen Rebellen um den jungen Berger dar. Anke Lux hatte diesen Handlungsstrang mit in das Geschehen eingebaut; eine Geschichte, die nur auf den ersten Blick in einer Aneinanderreihung aus inzwischen zu Kult-Hits wie „Aquarius“ oder „Hare Krishna“ gewordenen Liedern in einem Szenario von Liebe und Drogen vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges besteht. Die Botschaft aber hat eine tiefere Aussage, wie die Regisseurin erzählt: „Dieses Stück wendet sich gegen Krieg und Rassismus, gegen alles, was das Leben schwer macht.“

20 Lieder ergänzen den Handlungsstrang

All dies unterhaltsam zu verpacken, war besonders wegen der mehr als 20 Lieder eine große Herausforderung – die machen nämlich die Handlung aus. So viel Musik hatte Anke Lux in ihrer Regie-Karriere bisher noch nicht in Einklang bringen müssen. Ein provokantes nacktes Hinterteil und freche Sprüche sollten die Zuschauer unterhalten und ergreifen.

Ein junger Mann, der eigentlich Regisseur werden will und seine Lebensplanung durch seine Einberufung nach Vietnam über den Haufen werfen muss, trifft auf eine Gruppe von Gleichaltrigen, die daran glauben, dass es nur Harmonie und Verständnis unter den Menschen geben wird. Mit flotten Sprüchen und Drogen leben sie ihr Motto. Die Männer verbrennen ihre Einberufungen. Nur Claude kann das nicht mit sich vereinbaren. Er fügt sich dieser Entscheidung – trotz seiner Vorahnung, in diesem Krieg zu sterben. Und so geschieht es auch.

Sehr detailreich waren die Kostüme gestaltet. „Hair“ zeigt Hippie-Kultur in Reinform.

Dargestellt wird diese Szene mit Claude und seinen Eltern in einem Schattenspiel „Kriegssituationen werden nur bedingt dargestellt“, verwies Anke Lux auf ihre Einfälle, diese mit Hubschraubern darzustellen. In insgesamt drei Szenen spielt Krieg bei ihr eine Rolle, auch, um den Erzählstrang weiter voranzutreiben. Nur eine Handvoll Uniformteile spielen dabei eine Rolle, die Darsteller sind mit Helm und Kampfjacken oder -hosen nur halb ausgestattet. „Heutzutage braucht Krieg keine Uniform mehr“, sagt Anke Lux, die den Blick damit auf das tägliche Geschehen lenken will: „Krieg ist überall.“
 
Die Regie stellt hohe Anforderungen an das Publikum, das bei aller Unterhaltung auch zwischen den Zeilen lesen soll. Außerdem wurden zum besseren Verständnis der Hippie-Kultur und dem Schlagwort Liebe extra eine Kommentatoren-Ebene eingebaut, in der die Akteure aus ihren Rollen aussteigen.

Premieren-Publikum findet das Musical „bombe"

Das Premieren-Publikum war von Musik und Handlung in der Balver Fassung von „Hair“ begeistert. Mike Kernig fasste zusammen: „Das war Bombe.“ Bürgermeister Hubertus Mühling fielen die wenigen Kulissen auf, die das Ensemble umso mehr forderten: „Eine wunderbare Leistung, auch von der Bühnentechnik.“

Anke Lux versprach für die nächsten Vorstellungen (13., 14., 21., 22., 25., 26. und 27. Mai sowie 3. Juni) eine Korrektur der Lautstärke. Die Schauspieler werden dann besser zu hören, die Musik werde leiser sein.

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