Themenfrühstück beim „Modellprojekt“ Gesundheitscampus

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Landrat Thomas Gemke, Campus-Geschäftsführer Ingo Jackschies und Fachbereichsleiter Volker Schmidt im Gespräch.

Balve - Als „Modellprojekt“ lobte Landrat Thomas Gemke den Gesundheitscampus Sauerland. Dieser war jetzt Veranstaltungsort des siebten Themenfrühstücks, zu dem der Märkische Kreis eingeladen hatte. Aus dem im Sommer 2012 geschlossenen St.-Marien-Hospital entstanden, haben sich dort unterdessen neun Ärzte, eine Intensivpflegestation und diverse Gesundheitsdienstleister angesiedelt.

75 Teilnehmer waren zum Themenfrühstück ins Dachcafé gekommen. Thema des Tages war: „Älterwerden im Märkischen Kreis“. 21 Prozent der Bevölkerung seien älter als 65 Jahre, stellte Gemke die aktuelle Entwicklung dar. Jeder zweite Pflegebedürftige erhalte vom Kreis einen Beitrag zur Pflege. „Unser System ist stabil“. Damit könne das Leben im Alter erträglich gemacht werden.

Auf immer älter werdende Einwohner und zugleich weniger Junge müsse sich die Gesellschaft einstellen, meinte der geschäftsführende Gesellschafter des Gesundheitscampus Ingo Jackschies. In seinem Impulsvortrag über die sektorenübergreifende Versorgung im ländlichen Raum wies er auf eine Prognose bis 2030 hin: 30 Prozent weniger Menschen im Alter zwischen 19 und 24 Jahren werde es demnach geben und ein Minus von zwölf Prozent im Alter zwischen 25 bis 44 Jahre. Dagegen seien es zwölf Prozent mehr, die dann zwischen 65 bis 79 Jahre alt seien, und sogar 35 Prozent bei den 80- bis 109-Jährigen.

Im weiteren Verlauf stellte er neue Wohnformen, Kooperationen mit Leistungsanbietern, die Selbstbestimmtheit der Patienten, eine Zunahme der ambulanten Behandlungen und auch die Einbindung der EDV in den Fokus. Herausragend seien aber die Herausforderungen, die sich mit dem Fachkräftemangel an Hausärzte, Fachärzte und Pflegepersonal stellten. Neue Anreize müssten geschaffen werden, um den Bereich der Pflege für junge Leute attraktiv zu machen und Ärzte vor Ort zu halten. Jackschies stellte sich Hausarzt-Zentren, Filial-Praxen und Pflegeeinrichtungen mit ärztlicher Betreuung nach dem Prinzip englisch-schottischer „Cottage-Hospitals“ vor, die es seit dem 18. Jahrhundert gibt.

Am Beispiel des 125 Jahre alten Balver Gesundheitscampus führte er aus: Nach der Schließung kaufte die Balver Bürgerstiftung die Sonderimmobilie für die Ansiedlung eines ambulanten Konzeptes. Grund dafür sei, dass die nächste medizinische Versorgung 20 Kilometer entfernt sei. Inzwischen seien 4500 von 5000 Quadratmetern vermietet. Weitere zwei bis drei Ärzte sollen in diesem Jahr das Spektrum des medizinischen Versorgungszentrums erweitern. „Unser strategischer Vorteil ist das Miteinander“, sagte der Geschäftsführer und wies auf die Kooperation des Reha-Sportvereins mit der Demenzbetreuergruppe hin. Aktuelle Vorhaben seien die Errichtung eines Gesund-Hotels und der Ausbau des Therapieangebots.

Der Fachbereichsleiter Gesundheit und Soziales des Märkischen Kreises Volker Schmidt sagte, ein lokales Gesundheitszentrum müsse „in den Städten und aus den Städten heraus entstehen“. Dann sei das Konzept auch auf andere Kommunen übertragbar.

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