VHS Balve über die aktuelle Situation der Deutschförderung für Flüchtlinge

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Die Volkshochschule in Balve.

Balve - Aufgrund der derzeitigen Diskussion über die Situation der Deutschförderung für Flüchtlinge hat die Volkshochschule (VHS) Menden-Hemer-Balve über die derzeitige Situation eine Mitteilung verfasst.

Die VHS hat im Herbstsemester 2015 in Balve einen Sprachkurs und im Frühjahr zwei Kurse zu je 100 Stunden durchgeführt. Zwei Kurse wurden über Mittel der Kirche und einer über Landesmittel finanziert. Zusätzlich wurden drei Kurse (320 Stunden) durchgeführt, die durch Mittel der Bundesagentur für Arbeit stattfinden konnten. Insgesamt wurden so rund 150 Menschen grundlegende Sprachkenntnisse vermittelt.

Für September ist ein weiterer Kurs (100 Stunden) geplant, der ebenfalls über Landesmittel finanziert werde. „Bei allen Kursen leistet die VHS zusätzlich einen erheblichen Anteil an Planungs- und Verwaltungsarbeit mit ihrem Personal, der nicht oder nur unzureichend über die Mittel finanziert wird“, heißt es in der Pressemitteilung.

VHS-Leiter Achim Puhl

Derzeit wurden der VHS rund 50 bis 60 Personen benannt, die noch eine Grundlagenschulung benötigen. 20 bis 25 davon können über den für Herbst versorgt werden, so Achim Puhl, VHS-Leiter. „Insgesamt kann also gesagt werden, dass der Großteil wenigstens die Möglichkeit hatte, grundlegende Sprachkenntnisse zu erwerben“, heißt es.

40 weitere Flüchtlinge sollen vermutlich zugewiesen werden

„Für Balve scheint es so zu sein, dass insgesamt der Bedarf am Erwerb von Grundkursen nur noch in geringem Maß vorhanden ist, wenn man davon ausgeht, dass es keine neuen Zuweisungen gibt. Es steht jedoch im Raum, dass Balve weitere 40 Personen zugewiesen bekommt. Hier muss dann wieder über entsprechende Bildungsmaßnahmen und deren Finanzierung gesprochen werden“, so die Mitteilung.

Weiterhin müsse laut VHS klar benannt werden, dass es über den derzeitigen Stand der Deutschkenntnisse hinaus nur für die Menschen aus den unsicheren Herkunftsländern eine Perspektive gebe. Menschen aus dem Iran, Irak, Syrien, Eritrea und Somalia hätten nach Abklärung unterschiedlicher Voraussetzungen die Möglichkeit an einem Bundesintegrationskurs teilzunehmen. Dieser umfasse etwa 660 Stunden und ende mit einer B1-Prüfung. Dieser Personenkreis finde sich derzeit in den Kursen der VHS und anderer Bildungsträger vor allem in Menden wieder.

„Gegebenenfalls würde die VHS natürlich auch in Balve einen entsprechenden Kurs durchführen, wenn es genügend Flüchtlinge mit einer Zulassung zu dieser Kursart gebe, was aktuell nicht der Fall ist“, so Puhl. Es gehe nun also speziell um alle anderen Flüchtlinge, die keinen derartigen Anspruch haben. Hier stellt sich die Frage, was mit ihnen geschieht. Politisch völlig unklar sei derzeit, wie sich die Abschiebepraxis entwickeln werde und welche Menschen eine Bleibeperspektive haben werden. So lange habe dieser Personenkreis in der Regel keinen Anspruch auf Deutschkurse, unabhängig vom persönlichen Engagement, heißt es weiter.

„Es sollte unseres Erachtens nach diskutiert werden, ob zumindest die motivierten Personen eine Möglichkeit haben sollten, weiter gefördert zu werden“, findet die VHS. Wenn man einige Kurse mit einem Stundenumfang von rund 300 Stunden finanzieren würde, könnten die Teilnehmenden zumindest mit einer A2-Prüfung abschließen, was ihnen ermöglichen würde, sowohl privat als auch beruflich relativ gute Sprachkenntnisse zu entwickeln. Nicht zuletzt sei dies von großer Bedeutung für die Aufnahme einer Beschäftigung. Unabhängig vom Aufenthaltsstatus haben Flüchtlinge die Möglichkeit, nach drei Monaten in Deutschland einer Beschäftigung nachzugehen. Dies bedarf entsprechender Deutschkenntnisse.

Motivation spielt eine große Rolle bei der Kursteilnahme

„Die Erfahrung des letzten Jahres hat uns gelehrt, dass nur über eine sehr konstante Bildung mit einem relativ hohen Anteil an Kursstunden die Motivation zur Kursteilnahme aufrechterhalten werden kann, da dadurch ein Sprachziel realistisch erreicht wird. Sie hat uns auch gelehrt, dass eine nicht unerhebliche Anzahl an Menschen ehrenamtlich oder professionell begleitet werden muss, damit diese Motivation aufrechterhalten wird und eine kontinuierliche Kursteilnahme stattfindet“, fasst Achim Puhl das vergangene Jahr zusammen.

„Als VHS ist es uns nicht möglich, hier eine entsprechende Begleitung zu gewährleisten“, so Puhl. Wenn also eine weitere Förderung angedacht werden solle, müssen VHS, Ehrenamtliche und kommunale Mitarbeitende „noch stärker Hand in Hand arbeiten“, damit das eingesetzte Geld auch tatsächlich bei einer hohen Zahl an Flüchtlingen zu guten Sprachkenntnissen führen könne, heißt es abschließend.

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