Marius Neuhaus regiert in Volkringhausen

+
Marius Neuhaus lacht glücklich in die Kamera, die Volkringhausener Schützen sind erleichtert: Der 21-Jährige hat gestern um 13.44 Uhr mit dem 99. Schuss den Königsadler erlegt.

Volkringhausen - „Die Kette drückt besonders im Nacken“, stöhnte Engelbert Krutmann am Montag auf der Vogelwiese in Volkringhausen gegen 12 Uhr – und da war der Vogel noch lange nicht unten, der Altkönig immer noch in Amt und Würden. Erst um 13.44 Uhr stand mit Marius Neuhaus (21 Jahre, Maschinenbaustudent) der neue Schützenkönig fest.

Die Ehrenschüsse waren schnell gemacht, die Jungschützen legten dann an. Zügig und zielsicher schossen sie die Insignien ab: Zepter (8. Schuss) und Apfel (9.) für Torben Reuß, die Krone und damit die Vizekönigswürde für Marius Neuhaus (14.). Den rechten Flügel holte sich Maximilian Schwabbauer (37. Schuss), dann fielen zwei weitere Schüsse. Das war um 10.14 Uhr.

Die nächsten vier Schüsse fielen erst wieder um 11.40 Uhr, als Ulrich Englert das Interesse für das Vogelschießen wieder wecken wollte. Doch die Volkringhausener blieben der Vogelstange fern. „So was habe ich noch nicht erlebt“, schüttelte Schießmeister Jörg Bösterling den Kopf. Seit 9 Uhr war er im Einsatz, hatte das Areal abgesperrt und die Gewehre eingestellt. Die Dorfbewohner fühlten sich an das Jahr 2013 erinnert, als erst nach einer emotionalen Ansprache des Brudermeisters das Schießen seine Fortsetzung nahm. Diesmal gab es keine offizielle Rede, keinen offiziellen Plan B. Entsprechend brodelte die Gerüchteküche.

Ins Schwitzen kamen die Garbecker Musiker, die einen großen Teil ihres Repertoires an Marschmusik und Egerländer bereits gespielt hatten, und irgendwann zur Stimmungsmusik wechselten. Eine Bereicherung war der Frauenchor des Dorfes mit dem „Böhmischen Traum“.

„Wo sind die ganzen Schützen?“, fragten einige Festbesucher. Andere sprachen von einem „Trauerspiel“. Leben kam erst um 13.21 Uhr wieder auf, als mit Gisbert Sprenger und Peter Hesse zwei langjährige Mitglieder, die in Eisborn wohnen, zum Gewehr griffen. Das wollten die Volkringhausener nicht auf sich sitzen lassen – Richau Robert und Rainer Krause lösten die Gäste ab. Danach trat Offizier Ingo Arens ans Gewehr, der eigentlich den Titel erst in drei Jahren ins Visier nehmen wollte – dann hat sein Vater 50-jähriges Jubiläum in Mellen. Aber jetzt musste in Volkringhausen ein König her. „Ich mach‘s“, sagte er. Als dann Marius Neuhaus, ein Jungschütze der ersten Stunde, nach vorne trat, ließ Arens ihm gerne den Vortritt. Schuss um Schuss gab er ab; es fiel der linke Flügel – Makulatur. Es interessierte nur noch, wann der Kugelfang leer war: um 13.44 Uhr nach dem 99. Schuss. Mit Marius Neuhaus regiert seine Freundin Lisa Krengel aus Holzen. „Dieses Schießen war eine Herzenssache“, sagte der junge Regent. „Warum hast Du so lange gewartet?!“, fragte ihn ein überglücklicher Brudermeister, der Tränen der Erleichterung weinte. Zufrieden war er mit dem „schönen Ende“ und dass sich „am Ende die Liebe und Verbundenheit zur Bruderschaft im Guten“ gezeigt habe.

Bei der Proklamation wies Neuhaus auf zwei tolle Tage hin, die hinter den Schützen liegen und „einen gewaltigen Morgen, der uns um Jahre altern ließ.“ Gefeiert wurde mit Verzögerung, so fand der Festzug 45 Minuten später als geplant statt. Marius Neuhaus und Lisa Krengel regieren in ein Schützenjahr, in dem der Vater des jungen Regenten, Andreas Neuhaus, sein 25-jähriges Königsjubiläum (mit Andrea Reuß) feiert.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare