Ferienspiele in Wocklum

Aufstand bricht los

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Bei den Ferienspielen an der Luisenhütte ergriffen preußische Soldaten die arme Henriette Bergkamp. Sie sei eine gefährliche Brandstifterin.

Balve. Dem Ruf „Freiheit für alle“ konnten die Erzsucher, Koker, Schmiede, Spinner, Weber und Köche nicht widerstehen – sie überrannten den Rentmeister Ellerich. Zwar hang von dessen Wohl und Wollen ihre Bezahlung ab. Doch er hielt auch eine von ihnen gefangen. So brach also ein Aufstand los – und dieser war der Höhepunkt der Ferienspiele an der Luisenhütte, die im Jahr 1815 spielen.

Vorausgegangen war der Besuch dreier preußischer Soldaten, die „Henriette Bergkamp“ wegen „Ungehorsam gegen die Obrigkeit und aufrührerischem Verhaltens suchten“. 500 Taler waren für die Ergreifung dieser Frau ausgesetzt, teilten sie mit.

Bergkamp sei eine gefährliche Brandstifterin, die die Burg des Grafen anzünden wolle, hieß es. Nur weil das Küchenpersonal den Mund nicht halten konnte, kam heraus: Henriette hatte sich als Mann verkleidet und bei den Kokern versteckt.

Ihr wurde gewährt, vor allen zu reden, wobei sie ihre Sicht der Dinge darstellte, um sich zu verteidigen. Witwenrente für ihren im Krieg gefallenen Mann wurde ihr verweigert; für ihre Kokerei sollte sie 500 Taler an Ablöse an den Grafen zahlen. Sie wollte dessen Burg anstecken, und flüchtete nach dem misslungenen Versuch.

Die Kinder, die an der Ferienaktion teilnehmen, stimmten ein Lied zur Gitarre an: „Freiheit wollen wir“. In der Schmiede, in der Spinnstube, in der Küche, an der Esse und auch im Stollen wurde der Ruf danach immer lauter. So musste der Rentmeister schließlich die Flucht antreten. Einzig sein Hut blieb als Souvenir zurück.

Der Rentmeister versprach schließlich eine erneute Gerichtsverhandlung gegen Henriette, die für den heutigen Freitag angesetzt wurde. Von einem guten Ende ist indes – wie in den Vorjahren, wenn Konflikte ausgetragen wurde – auch dieses Mal auszugehen.

Im Sinne eines fairen Prozesses wird für Transparenz gesorgt: Ab 12 Uhr ist die Veranstaltung an der Luisenhütte dann nämlich offen für Gäste wie Eltern, Geschwister und Großeltern, die sich auch ein Bild von der Ferienaktion machen wollen.

„Es ist einfach super“, wissen diejenigen, die dieses Mal mitgemacht haben. Für Museumspädagogin Bernadette Lange ist diese Begeisterung der insgesamt 52 Mädchen und Jungen eine gute Nachricht: „So vielen gefällt es hier – vor allem, weil das Wetter mitspielt.“

Dieses verleitete so manche zu der Frage, ob nicht bei dieser Ferienaktion in Wocklum auch gezeltet werden könnte. „Dafür bräuchten wir genügend Eltern als Helfer“, betonte Lange aber. „Wir Helfer sind am Ende eines Aktionstages völlig geschafft“, gab sie zu. „Und wir sind dann nicht mehr in der Lage, auch noch nachts die Aufsicht über 52 Kinder zu führen.“

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