Balver Begegnungen: Laumann kritisiert Numerus Clausus

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Karl-Josef Laumann (CDU) war Gastreferent der dritten Balver Begegnungen im Gesundheitscampus.

Balve - „Allgemeinmedizin führt ein Aschenputteldasein!“, betonte Karl-Josef Laumann, Gastreferent der dritten Balver Begegnungen am Montag im Gesundheitscampus. Passend zum Thema: „Medzinische Versorgung im ländlichen Raum“ hatte der CDU-Stadtverband und das Stadtmarketing Balve den Veranstaltungsort ausgewählt.

Zunächst führten die Hönnestädter Laumann, Staatssekretär und Patientenbeauftragter der Bundesregierung, durch das ehemalige St. Marien-Hospital, das innerhalb von drei Jahren in den Gesundheitscampus verwandelt wurde. Dies lobte Laumann dann in seinem Vortrag als gelungenes Vorzeigebeispiel an, wie Gemeinden vor Ort die medizinische Versorgung sicher stellen könnten. Ohne Haus- und Landarzt sei diese heute in ländlichen Gebieten nicht vorstellbar. Ältere Mitbürger bräuchten ihren Arzt vor Ort häufiger als jüngere. Hinzu komme, dass sich das Freizeitverhalten der Mediziner verändert habe. Vorbei seien die Zeiten der Ärzte, die an sieben Tagen in der Woche jeweils 24 Stunden bereit stehen wollen.

Noch sei Zeit für Gegenmaßnahmen, denn es komme langsam aber sicher der Ärztemangel auf. Zwei Drittel der Landärzte seien älter als 55 Jahre. Dieses Problem, so Laumann, sei jetzt noch lösbar. Wer heute mit seinem Studium beginne, sei in zehn Jahren mit seiner Ausbildung fertig. Der CDU-Politikermachte sich für die Eigenausbildung stark, weniger für den Einsatz ausländischer Ärzte: „Krönung ist immer das Arzt-Patienten-Gespräch.“ Hier müsse „auf Augenhöhe“ kommuniziert werden, erklärte Laumann.

Vierter Standort für Medizinstudium in NRW

Er bemängelte, dass die Medizinstudium nur an fünf Hochschulen im Rheinland und an drei Fakultäten in Westfalen möglich sei: „Das ist eine Katastrophe.“ Gerade Westfalen würde ein vierter Standort gut tun, erklärte Laumann. Für ihn liegt das Problem nicht darin, dass es an geeigneten Frauen und Männern fehlt, die Medizin studieren wollen, vielmehr stünde diesen der Numerus Clausus im Weg. In Münster sei ein Durchschnitt von 1,0 bereits Pflicht. Dies kritisierte Laumann, indem er die Noten als alleiniges Auswahlverfahren für Ärzte in Frage stellte. Auch sage ein Notendurchschnitt nichts über die für den Beruf erforderliche Empathie aus.

Region für Ärzte attraktiv machen

Im Verlauf seines Vortrags wandte sich Laumann auch der Pflege zu. Hier seien Strukturentscheidungen getroffen worden, indem die Leistungen für Tagespflege verdoppelt würden. Auf ein „Alarmsignal“ wies der weitere Gast der „Balver Begegnungen“ hin. Thomas Müller, Geschäftsführer Unternehmensentwicklung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe erklärte, im so genannten Mittelbereich für Menden und Balve seien 40 Hausärzte tätig, davon seien 16 zwischen 55 und 60 Jahren. Erforderlich sei, bei ausgebildeten Ärzten diese Region zu bewerben und ganz allgemein Attraktivitätssteigerungsprogramme zur Nachwuchsgewinnung zu entwickeln. Finanziell, ideell und beratend stünde dabei die Kassenärztliche Vereinigung zur Seite.

Die „Begegnung“ fand vor 85 Teilnehmern statt. So viele Teilnehmer hatten die Organisatoren nicht erwartet und sorgten für weitere Sitzgelegenheiten.

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