20-jähriger Balver "auf dünnem Eis"

+
Geplante Strafrechtsreform

Balve/Menden - Drei Wochen Dauerarrest sollen einen 20-jährigen Balver, der zurzeit in Menden wohnt, zur Besinnung bringen

Zu diesem Urteilsspruch im Amtsgericht Menden kam es gestern, weil der Jugendliche in der Zeit von Januar 2014 bis Januar 2015 insgesamt 42 Mal Drogen verkauft hat. „Das ist gewerbsmäßiges Handeln“, stellte Richter Stephan Hennemann fest.

Verkauft hat der junge Mann, der die Balver Realschule mit dem Qualifikationsvermerk für das Gymnasium abgeschlossen hat und seitdem ohne weiteren Abschluss bei Zeitarbeitsfirmen angestellt ist, jeweils Kleinstmengen bis zu einem Gramm für etwa zehn Euro. Hiermit habe er sich sein Taschengeld aufgebessert, gab der Angeklagte an.

Aufgeflogen war der Handel im April 2015, als die Drogen einer seiner Kunden von dessen Eltern gefunden wurden. Daraufhin zeigten diese ihren Sohn an. Bei den Ermittlungen kam heraus, dass der auf der Anklagebank sitzende, bisher nicht vorbestrafte Balver Marihuana und Heroin nicht nur verkauft, sondern selbst genommen habe. Weil der Jugendliche weitgehend geständig war – nur seine Drogenquelle verriet er nicht – wurde auf die Vernehmung der zwei anwesenden Zeugen verzichtet.

"Wir müssen jetzt einwirken"

Schwer taten sich Staatsanwältin, Verteidiger und Richter, dem Angeklagten eine positive Zukunft zu prognostizieren. Sein Verhalten sei nicht das eines Erwachsenen, vielmehr falle er durch Entwicklungs- und Reifeverzögerung auf. „Wir müssen jetzt einwirken, in der Hoffnung, dass die Einsicht beim Angeklagten reift, dass sich was ändern muss“, sagte die Staatsanwältin. Sie machte ihm deutlich, dass nach Erwachsenenstrafrecht jede Tat mit einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet werden könne.

In seinem Fall greife aber noch das Jugendstrafrecht. Sie beantragte drei Wochen Dauerarrest, verbunden mit der Auflage, an Drogen-Screenings teilzunehmen und eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen. Vielleicht sei das der erste Schritt, meinte sie, ihn auf den Weg zur Eigenverantwortung zu bringen: „Sie sind in der Pflicht.“

Dem Plädoyer schloss sich weitgehend der Verteidiger an, der den Dauerarrest als Teil der erzieherischen Wirkung sah. Drei Wochen muss der Jugendliche in Dauerarrest wenn das Urteil rechtskräftig wird. Außerdem werde sich das Gericht seinen Werdegang zwei Jahre lang anschauen. Während dieser Zeit stünde ihm ein Bewährungshelfer zur Seite.

Drei Wochen Dauerarrest

Zusätzlich verhängte Richter Hennemann vier Drogen-Screenings und diverse Besuche der Drogenberatung in den kommenden zwölf Monaten. Der Jurist hatte Zweifel an der Zukunft des Angeklagten, der sich bis 2012 normal entwickelt hätte und danach Entwicklungsverzögerungen aufwies. Deshalb schickte er ihn drei Wochen lang in Arrest, wo er sich über einiges klarwerden solle, und bestätigte so den Antrag der Staatsanwältin.

Aufmerksam verfolgte der Jugendliche die Ausführungen, dabei bekam er auch zu hören, dass er bei erneuter Straffälligkeit in der zweijährigen Bewährungsfrist mit einer Jugendstrafe von mindestens sechs Monaten zu rechnen habe. Zum Schluss gab ihm der Richter noch folgendes mit auf den Weg: „Sie sind sich noch nicht ganz im Klaren darüber, wie dünn das Eis ist, auf dem sie stehen.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare