Grandiose Reitkunst und tollkühner Wahnsinn

Es ist ein Erlebnis, wie Lorenzo freihändig auf den Rücken von zwei Pferden steht, weitere zehn dieser 600 Kilogramm schweren Tiere nur mit seiner Körpersprache und einer Gerte dirigiert und bei all dem noch diverse Hindernisse überwindet. - Foto: Krumm

Balve - Artistik, Spiel und Spaß statt hartem Wettkampf lautete die Devise bei der Shownacht des Balver Optimums am Samstagabend auf der Reitanlage am Schloss Wocklum. Als die letzten Siegerinnen gekürt und gründlich nass geworden waren, schlug die Stunde gepflegter Abendunterhaltung. Auch dabei ging es zuweilen atemberaubend sportlich zu.

Ein Name dürfte den Besuchern dabei vor allem im Gedächtnis bleiben: Lorenzo. Zwölf prächtige Schimmel brachte er von seinem Gestüt in der Camargue mit, was Freunde von Theodor Storm unwillkürlich an den Schimmelreiter denken ließ. Und noch eine Sagengestalt taucht gerne im Zusammenhang mit diesem Reiter auf, der die Kunst der „ungarischen Post“ auf höchstem Niveau pflegt: Der fliegende Holländer, der zu seinen Ehren natürlich zu einem fliegenden Franzosen wurde. Es ist ein Erlebnis, wie dieser Mann freihändig auf den Rücken von zwei Pferden steht, weitere zehn dieser 600 Kilogramm schweren Tiere nur mit seiner Körpersprache und einer Gerte dirigiert und bei all dem noch diverse Hindernisse überwindet.

Der ganze Auftritt des Mannes im schwarzen Ledermantel auf den weißen Pferden hatte etwas Magisches – und da drängen sich natürlich Vergleiche mit mythischen Figuren auf.

Der Himmel war bereits dunkel, als Lorenzo mit seinen Pferden im Flutlicht badete, und er markierte den Höhepunkt eines Abends, der viel für die Augen von Pferdefreunden bot.

Zu Beginn hatten spanische Rassepferde aus deutscher Zucht die hohe Kunst der Barock-Quadrille gezeigt – ein vielversprechender Auftakt, der ebenfalls viel Beifall erntete. An die Bedeutung der Hohen Kunst der Pferdezucht, ohne die der professionelle Reitsport nicht möglich wäre, erinnerten zwei prächtige Nachwuchspferde aus dem Gestüt Bonhomme, das in Werder an der Havel ansässig ist. Evelyn Gutman gründete das Gestüt 1987 in Bramsche bei Osnabrück.

Nur ein Pferd hatte Spaßvogel Willy Schauberger dabei, der eine zirkusreife Nummer mit diesem einen Pferd und vier herumtollenden und durch Ringe springenden Border Collies zeigte.

Irgendwo zwischen tollkühnem Wahnsinn und grandioser Reitkunst war der Auftritt der „Future Guys“ aus den Niederlanden angesiedelt. Die sechs Reiter, drei Männer und drei Frauen, von denen die jüngste erst 14 Jahre alt war, brachten den Wilden Westen und das Rodeoreiten in die Arena. Im Sattel sitzen war gestern – wir zeigen mal, was auf und neben einem Pferderücken noch so alles möglich ist, lautete bei diesem Auftritt die Devise. Die spaßige Ergänzung dazu kam sofort hinterher in Gestalt einer Gruppe von ostfriesischen Shetland-Ponys, die mit Puppen auf dem Rücken rannten, als gäbe es nicht nur einen weiteren Pokal, sondern auch eine ordentliche Portion Hafer zu gewinnen.

Bis zum Auftritt von Lorenzo und seinen fantastischen Schimmeln blieben die Ränge in der Reitanlage gut gefüllt – dann begann der Wettlauf um die besten Startplätze für die gut organisierten Bustouren zu den diversen Außenparkplätzen.

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