Auch ohne "Ufo" legt Kultrock 7 eine Punktlandung hin

+

Balve - Auch das siebte German-Kultrock-Festival in der Balver Höhle war am Samstag ein voller Erfolg. Die DRK-Kräfte hatten einen ruhigen Tag – wobei, so ruhig war’s in der Höhle ja nicht: Insgesamt sechs Bands rockten die Gehörgänge der Fans durch – und nur einer beschwerte sich bei den Veranstaltern, dass Topact Ufo wegen Krankheit nicht auftrat.

Die anderen feierten mehr als sieben Stunden lang. Ein Sprachengewirr herrschte an der Höhle: Niederländisch, Deutsch, Englisch und Spanisch sprachen die Kultrock-Fans miteinander. Das Klein-Festival zieht die Fans auch von weither an. Kein Wunder: Es wird auch eine hohe Qualität geboten. 

Und das schon vor dem eigentlichen Konzert mit Livemusik – sowie auch in den Umbaupausen: Dann spielte die Band Aphodyl auf einer kleinen Bühne im Höhlenarm. Die Nebenbühne gab es zum ersten Mal – eine gute Einrichtung, die sich auf Anhieb bewährte. Aphodyl aus Berlin waren 2012 schon auf der großen Bühne in der Höhle zu sehen. Sie spielten anspruchsvollen Progressive Metal, der sehr gut ankam. 

Das eigentlich Festival eröffneten dann Staub aus Hannover mit einem knackigen 35-Minuten-Set. Die Truppe, deren Debüt-Album noch aussteht, kombinierte harte Gitarren mit weit ausladenden, sphärischen Klangflächen – und erinnerte dabei ein wenig an die End-80er-Phase der britischen Hardrock-Gruppe Magnum. Für die ausgefallenen Ufo kehrten Pothead aus Seattle und Berlin in die Höhle zurück. Sie hatten dort 2013 schon begeistert. Und auch am Samstag gewannen sie einige Fans hinzu. 

Sechs Bands in der Höhle

Es braucht ein wenig Zeit, um sich in ihren inhomogenen Sound einzuhören, dann aber reißen sie einen voll mit: Ihr 80-minütiges Konzert war vollgepackt mit Blues, klassischem Rock ‘n’ Roll, dadaistischem Quatsch und Hardrock. Diese kuriose Stil-Mischung ließ an die Londoner Kult-Band The Godfathers denken. Die Wucht, die den Fans beim Auftritt von Pothead von der Bühne entgegenschlug, ließ kaum glauben, dass da nur ein Trio zugange war. Ein Grollen und Dröhnen kommt aus den Boxen Selbigen Effekt erzeugten Kadavar aus Berlin. 

Die drei überaus haarigen Musiker ließen zum Abschluss des Tages 85 Minuten lang ein Grollen und Dröhnen aus den Boxen quillen, dass es eine wahre Freude war. Der Bandname klingt eigentlich leblos. Und die Überreste des End-60er-Hardrocks – noch vor der Erfindung des Heavy Metal durch Black Sabbath – lassen einen modrigen Geruch in die Nase steigen. Aber die Musik des Trios Kadavar ist nicht ironisch gemeint, noch wirkt sie peinlich – sondern frisch und quicklebendig. 

Auch wieder dabei: "Jane"

Ganz anders – in den Augen vieler Fans – Jane. Die Mit-Veranstalter des German-Kultrock-Festivals spielen jedes Jahr in der Balver Höhle. Und so einige Besucher standen während des 70-minütigen Auftritts der Truppe am Samstag gleich draußen am Bierstand. Andere hörten zwar in das Konzert rein, aber klagten: „Die klingen echt langweilig und machen jedes Mal dasselbe.“ Andere waren sehr begeistert: Nach Motörhead-T--Shirts waren am meisten solche von Jane zu sehen im Felsendom. Dabei tun die jungen Mitmusiker Corvin Bahn und Niklas Turmann dem Sound der Band erfrischend gut. Beide haben übrigens eine eigene Gruppe: Crystal Breed, die im kommenden Jahr beim Kultrock-Festival auftreten werden. Darauf können sich die Fans bereits freuen. 

Crystal Breed spielten bereits vor einigen Jahren in der Musikkneipe Alt Werdohl einen furiosen Gig, der vielen noch in lebhafter Erinnerung ist. Komplexe Ohrwürmer: süßlich bis aggressiv Einen ähnlichen Sound wie Crystal Breed brachte am Samstag bereits die Band Cryptex auf die Höhlen-Bühne. In nur 45 Minuten brachten die Musiker aus Salzgitter und Hannover mit ihrer Mischung aus progressivem Krautrocker und modernsten Hardrock die Fans zum Staunen. 

Cryptex war der alles überstrahlende Höhepunkt eines Festivals, das an Höhepunkten sowieso nicht arm war. Minutenlange, faszinierende Gitarren-Soli, ein Sänger, der rockt und auch mal süßlich tirilieren kann und zwischendurch auch am Piano Platz nahm, der mehrfach sein Glück, vor so vielen enthusiastischen Fans spielen zu dürfen, betonte sowie vielschichtige Kompositionen mit wahrem Ohrwurm-Charakter, bei denen auch mal ein wahrlich wütendes Metal-Inferno losbrach: Das machte das Höhlen-Konzert von Cryptex aus. Folgerichtig standen vor der Bühne etliche Rockmusik-Anhänger mit einem glücklichen Strahlen im Gesicht.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare