Dr. Gerdes nimmt Patienten die Angst vor dem Zahnarzt

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Dr. Dietmar Gerdes hat sich auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert – für ihn ist das eine Herzenssache.

Balve - Schweißgebadet durch die Angst, nicht lebendig aus der Praxis zu kommen – dieser Alptraum ist für Menschen, die Angst vor dem Zahnarzt haben (Oralphobiker), grausame Wirklichkeit.

„Etwa zehn bis 20 Prozent in der westlichen Welt haben diese Angst“, schätzt Dr. Dietmar Gerdes die Zahl der Betroffenen. Im Jahr 2007 hat sich der Mediziner auf Angstpatienten spezialisiert. Der 55-Jährige ist seit 1987 als Zahnarzt tätig. „Füllungen, Zähne ziehen und bohren ist aber nicht alles, was einen Arzt ausmacht. Das Handwerkliche ist irgendwann Routine“, hatte er für sich festgestellt. 

Bei Dietmar Gerdes kam das Interesse an Psychosomatik dazu. Am Deutschen Institut für Psychosomatische Zahnmedizin spezialisierte er sich auf diesen Fachzweig und befasste sich unter Leitung von Dr. Peter Macher mit einem umfangreichen Curriculum zum Thema „Psychologie in der Zahnheilkunde und Zahnärztliche Psychotherapie“. Die Zahl der Dentisten mit dieser Qualifikation ist nach Angaben des Balver Mediziners überschaubar: „Der nächste Kollege sitzt in Meschede, dann wieder in Paderborn, Köln und Frankfurt am Main. Deutschlandweit gibt es 17.“

Angstpatienten behandelten Zahnärzte ungern, denn beide Seiten fühlten sich bei den Behandlungen unwohl. Dabei sitzen die Gründe für diese Angst sehr sehr tief, wie der Balver Zahnarzt weiß: „Ein traumatisches Erlebnis als Kind beim Zahnarzt, Gewalt in der Familie, Kriegserlebnisse, ein Unfall oder sexuelle Belästigung können dahinter stecken.“ Diesen Ursachen geht er in einem Erstgespräch nach. Anschließend gelte es, bis zu sieben Trauma-Fragebögen auszufüllen. Nach deren Auswertung gehe es darum, gemeinsam mit dem Patienten einen Weg für das weitere Vorgehen zu finden. „Es gilt, sich der Situation auf dem Stuhl auszusetzen“, sagt Dr. Gerdes, und erklärt, dass er sich für seine Patienten viel Zeit nehme. „Der Fokus soll auf den Augenblick gelegt werden, in dem man sich gut fühlt.“ Ziel sei, das Gefühl und die Wahrnehmung zu ändern, um nachhaltig anders auf den Zahnarztbesuch reagieren zu können.

„Narkose ist kein Weg, derAngst zu entkommen“, sagt der Mediziner. Damit könne zwar die Ursachen der Zahnschmerzen schmerzfrei behandelt werden, der Patient fühle sich aber weiterhin ausgeliefert – und dieses Gefühl sorge für die eigentliche Angst. „Solche Patienten meiden den Zahnarzt oft viele Jahre“, weiß der 55-Jährige. Die Behandlung dieser Menschen ist für diesen Angsttrainings-Spezialisten eine Herzenssache. Erfolge stellen sich allerdings nicht kurzfristig ein, hat er festgestellt. Wenn es dann aber soweit sei, habe er schon beeindruckende Worte seiner Patienten gehört, zum Beispiel diesen Satz: „Sie haben mein Leben verändert.“

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