Ärger im St. Johannes-Altenpflegeheim in Balve 

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Martin Gruschka (links) und Michael Känzler vom Kirchenvorstand waren am Freitag sichtlich verärgert über die Geschäftführung des St. Johannes-Altenpflegeheims: „Diese Pläne sind dem Kirchenvorstand noch nicht in diesen Einzelheiten vorgestellt worden.“

Balve - Ein zweistöckiger Anbau mit 16 neuen Einzelzimmer-Appartements soll dazu beitragen, dass das St. Johannes-Altenpflegeheim die gesetzlichen Vorgaben von mindestens 80 Prozent an Einzelzimmern erfüllt.

„Wir wollen die vor uns liegenden Herausforderungen auf den Weg bringen“, sagte Franz-Josef Rademacher, Hausleiter, beim gestrigen Pressegespräch. Anders sahen das Michael Känzler und Martin Gruschka, Kirchenvorstand der St. Blasius-Gemeinde: „Hier sollte der Kirchenvorstand vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

„Denn nur über den „Flurfunk“ erfuhr dieser am Donnerstagabend von dieser Pressekonferenz, bei dem die Planungen vorgestellt werden sollten, und zu der die Gemeinde nicht eingeladen war. Denn: Mit 47 Prozent ist die Katholische Kirchengemeinde aus Balve der größte von drei Gesellschaftern dieses Heims, das als gemeinnützige GmbH am Brucknerweg geführt wird. Weitere Gesellschafter sind die Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis und die Cura (Erzbistum Paderborn).

"Wieso wird die Presse eher informiert als die Gemeinde?"

Hier soll der Anbau entstehen.

Dieses wesentliche Detail wurde von der Kirchenvorstands-Delegation, die in Absprache mit Pfarrer Andreas Schulte entsandt worden war, am Freitag vor Altenpflegeheim-Geschäftsführer Thomas Wülle und Rademacher vorgetragen. „Wieso wird die Presse eher informiert als die Gemeinde?“, fragten die Kirchenvorstandsmitglieder. Dass die Kirchengemeinde außen vor bleiben sollte, wiesen Wülle und Rademacher zurück.

Stattdessen wiesen sie auf die Information des Verwaltungsrates vor einem Jahr hin, in dem auf den Anbau des Altenpflegeheims hingewiesen wurde. „Wir blasen hier keinen Luftballon auf“, wehrte sich Wülle. Vielmehr solle die Entwicklung dargestellt werden, mit der zehn zusätzliche Vollzeitkräfte eingestellt werden können. „Unsere Botschaft ist: Die Idee ist grundsätzlich machbar“, führte er den Anbau als Modell für die Erweiterung des Versorgungsangebots in Balve ins Feld.

Die Fronten waren verhärtet in diesem fast einstündigen Gespräch – der Plan vom Architektenbüro Vedder wurde dabei nur kurz thematisiert. Im Mittelpunkt stand der Bau, für dessen Beginn von Wülle der März oder April 2017 genannt wurde. Bisher würden aber noch Zustimmungen vom Landschaftsverband, dem Märkischen Kreis und dem Eigentümer fehlen.

Wie weit sich die Katholische Kirche jetzt noch hinter das Projekt stellen kann, ließ der Kirchenvorstand offen, denn unter „moralischen Druck“ will sich dieser nicht setzen lassen. Känzler: „Wir sind keine Verhinderer, wenn es um das Wohl der Bevölkerung und der Bewohner sowie der Arbeitsplätze und Investitionen geht.“ Aber der Kirchenvorstand wache über Verträge und Vermögen der Gemeinde – entsprechend sollte er auch mit in Planungen eingebunden werden. Auf Anfrage wies Wülle auf Kosten in der Höhe eines kleinen Millionen-Betrages hin. Die Fertigstellung könne ohne Störung des Tagesbetriebs erfolgen.

Gruschka und Känzler hörten all dies zum ersten Mal: „Nein, diese Pläne sind dem Kirchenvorstand noch nicht in diesen Einzelheiten vorgestellt worden.“ Dabei wurde mehrmals um Gespräche über den Anbau, der unter anderem schon beim vergangenen Patronatsfest vorgestellt wurde, gebeten.

Interesse ein katholisch geprägtes Altenheim zu erhalten

Gruschka stellte dar, dass die erste Anfrage vom Kirchenvorstand am 7. Juni erfolgte. Um Vorschläge von drei zeitnahen Terminen wurde am 27. Juni nachgefragt: Eine Antwort konnte nicht vor dem 18. Juli erfolgen. Der vom Kirchenvorstand am 18. Juli vorgeschlagene 22. August wurde am 3. August von der Altenheim-Führung abgesagt. Känzler stellte dar, dass es im Interesse sei, ein katholisch geprägtes Altenheim zu erhalten, aber „nicht um jeden Willen“.

Der Pachtvertrag mit der Kirchengemeinde laufe noch bis zum 31. Dezember 2018. Falls dieser nicht fristgerecht gekündigt werde, verlängere sich dieser um weitere fünf Jahre. „Auch eine langjährige Ehe wie diese wird brüchig“, meinte Känzler. „Vielleicht findet man auch einen neuen Partner.“ Denn erpressen lasse sich die Kirchengemeinde nicht. Jetzt wird in den Gremien über dieses Thema beraten.

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