„Flüchtlinge“ sind Thema beim Kolpingforum

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Die Zuhörer warteten vergeblich auf den Journalisten Andy Spyra. Dafür berichteten einige Mitglieder des Bündnisses für Flüchtlinge von ihren Erfahrungen.

Balve -  Die Menschen, die auch in Balve Schutz und Hilfe suchen, standen am Montag im Mittelpunkt des Kolpingforums. Und das, obwohl der Referent, Journalist Andy Spyra, den Termin in Balve nicht wahrnehmen konnte und sein Vortrag „Die Not der Flüchtlinge in Wort und Bild“ ausfallen musste.

Erst nachdem die Veranstaltung schon lange begonnen hatte, sagte Spyra telefonisch ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte der pensionierte Pädagoge und Leiter des Kolpingforums, Engelbert Falke, schon ein Alternativprogramm auf die Beine gestellt. Unter den 40 Zuhörern, die geduldig auf den Beginn der Veranstaltung warteten, hatte Falke einige Mitglieder des Bündnisses für Flüchtlinge entdeckt – und diese gebeten, von ihren Erfahrungen zu berichten.

So nahmen dann sechs Gesprächspartner, Sieglinde Drees, Marie-Theres Schäfer, Alois Hoffmann, Ulla Tillmann, Birgit Schäfer und auch Engelbert Falke vor den Zuhörern Platz. Sie hatten viel über ihre Erfahren mit den 283 Flüchtlingen im Stadtgebiet zu berichten: angefangen vom Deutschunterricht mit zwölf pensionierten Lehrern, über die Kleiderkammer und den De-Cent-Laden sowie die Haus- und Familienpaten.

„Geduld“ sei stets das Zauberwort, denn die geflohenen Kinder, Frauen und Männer fänden in Balve einen völlig anderen Kulturkreis und vor allem eine fremde Sprache vor. Hinzu käme, dass viele Menschen durch Erlebnisse in ihrer Heimat oder während der Flucht traumatisiert seien, berichteten die Flüchtlingshelfer. Hinzu käme ständige Langeweile, da die Flüchtlinge erst nach drei Monaten ein Praktikum absolvieren und erst nach 15 Monaten arbeiten dürften. Sieglinde Drees fügte hinzu: „Die Unzufriedenheit über die immer noch nicht bearbeiteten Anträge wächst.“

„Eine Begegnung mit den Flüchtlingen baut Vorurteile ab“, forderte Drees die Anwesenden auf, sich selbst ein Bild zu machen und erklärte: „Alle sollen sich dieser gesellschaftlichen Aufgabe stellen!“ Auch Birgit Schäfer weiß um Berührungsängste, die nach dem ersten Kontakt als Haus- oder Familienpate schwänden. Auch solle sich niemand scheuen, die Flüchtlinge mitzunehmen, die an den eigens eingerichteten „Mitfahrbänken“ in den Dörfern auf eine Fahrgelegenheit warten. Versichert seien alle Fahrer durch ihre Haftpflichversicherung.

Teilnehmen könnten alle Interessierten am monatlichen Treffen, das für alle Flüchtlinge veranstaltet wird: Am Samstag stehen ab 13 Uhr in der Hauptschule Brettspiele auf dem Programm.

Der Beifall am Ende dieser einstündigen Veranstaltung gebührte allen, die auf dem Podium saßen, aber vor allem Engelbert Falke, der die Fäden als Moderator in der Hand behielt.

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